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Helicobacter pylori


1984 entdeckten die australischen Forscher Robin Warren und Barry Marshall einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung einer Gastritis und der Präsenz eines spiral-förmigen Bakteriums. Dieses Bakterium wurde als Campylobacter pylori identifiziert und später umbenannt in Helicobacter pylori (H.pylori). Diese Entdeckung war von solch immenser Bedeutung, dass die beiden Wissenschaftler 2005 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurden.

H.pylori ist ein gramnegatives Bakterium, dessen natürliches Habitat die menschliche Magenschleimhaut ist. Für ein optimales Wachstum benötigt es daher mikroaerophile Wachstumsbedingungen bei einer Temperatur von etwa 37°C. Aufgrund seiner polar inserierten Flagellen, kann sich H.pylori aktiv fortbewegen, was für sein Überleben im sauren Magenmilieu sehr wichtig ist.

Die Infektion mit H.pylori ist sehr weit verbreitet. In Entwicklungsländern sind etwa 80% der Menschen mit H.pylori infiziert, während es in den Industrieländern nur noch etwa 20-30% sind. Die Infektion mit H.pylori ist demnach also abhängig von den vorherrschenden hygienischen Bedingungen. Es wird ein oral und/oder oral-fäkaler Übertragungsweg postuliert, wobei der genaue Weg der Übertragung allerdings unbekannt ist. Es wird vermutet, dass die Infektion mit H.pylori in der Kindheit stattfindet.

Die Infektion mit H.pylori führt immer zur Ausbildung einer Gastritis. Interessanterweise verläuft diese Erkrankung in den meisten Fällen symptomlos. Bei 10-20% der infizierten Patienten kommt es allerdings zur Entwicklung von Dünndarm- oder Magengeschwüren und bei 2% sogar zur Entstehung von Magenkrebs. Bei frühzeitiger Erkennung ist eine Behandlung bzw. Eradikation des Bakteriums mittels einer Antibiotika-Therapie möglich. Ohne eine solche Behandlung kann H.pylori ein Leben lang in seinem Wirt persistieren.

Seit Entdeckung von H.pylori als Krankheitserreger vor etwa 24 Jahren, wurden viele Informationen über das Bakterium selbst, aber auch seine im Wirt induzierten Immunantworten gewonnen. Für die Untersuchung von H.pylori und seinen assoziierten Erkrankungen wurde ein Mausmodell entwickelt, das dem Krankheitsbild der H.pylori induzierten Gastritis im Menschen sehr ähnlich ist. Anhand dieses Modells konnten essentielle Informationen über die Infektion gewonnen werden.


Forschungsprojekte



1.    Untersuchung des Ortes und des Zeitpunkts der primären systemischen Immunantwort bei einer H.pylori Infektion.


Es wird bei einer H.pylori Infektion zwischen einer lokalen und einer systemischen Immunantwort unterschieden. Die lokale Immunantwort führt zur Infiltration von Immunzellen (insbesondere von neutrophilen Granulocyten und Makrophagen) in die Lamina propria, was zur Ausbildung einer Gastritis führt. Die systemische Immunantwort führt zur Produktion H.pylori spezifischer Antikörper und T-Zellen. Diese Aufgabe wird vom lymphoiden Gewebe wahrgenommen. Allerdings ist solches Gewebe in der Magenschleimhaut primär nicht vorhanden. Damit stellt sich die Frage, in welchem Organ oder Gewebe im Gastrointestinaltrakt und zu welchem Zeitpunkt nach der Infektion diese systemische Immunantwort induziert wird. Hierbei ist auch zu berücksichtigen, dass im Verlauf der Immunantwort bei manchen Patienten lymphoides Gewebe im Magen neu entsteht, was dann ein potentieller Kristallisationspunkt für die Entstehung von Tumoren sein kann. 


2.    Bedeutung des Transkriptionsfaktors IRF-1 für die Entstehung der Gastritis während einer H.pylori Infektion


Im Tiermodell konnte gezeigt werden, dass die CD4-positiven T-Zellen eine essentielle Rolle bei der Entwicklung der Gastritis spielen. CD4-positive T-Zellen können anhand ihrer sezernierten Zytokine weiter unterteilt werden in Th1- und Th2-Zellen. Th1-Zellen produzieren IFN- und kein IL-4, während Th2- Zellen IL-4 und kein IFN-g bilden. Bei einer H.pylori Infektion kommt es vornehmlich zur Ausbildung einer Immunantwort durch Th1-Zellen. Allerdings schaffen es diese Zellen nicht, die Infektion zu klären, sondern tragen möglicherweise sogar zur Ausbildung der Gastritis bei.
Für die Entwicklung einer Th1- oder Th2-Immunantwort sind bestimmte Transkriptionsfaktoren und Zytokine von Bedeutung. Einer dieser Transkriptionsfaktoren ist der so genannte Interferon-Regulator-Faktor (IRF)-1. IRF-1 gehört zu einer Familie von Transkriptionsfaktoren, die Interferon-induzierbare Gene kontrollieren. Bei der Differenzierung in Th1-Zellen spielt IRF-1 eine essentielle Rolle, indem es in die Expression verschiedener Produkte eingreift, die als Co-Faktoren für die Differenzierung von Th1-Zellen wichtig sind (z.B. IL-12- und iNOS-Produktion von Antigen-präsentierenden Zellen, Expression des IL-12 Rezeptors, von Caspase, von IL-4) und IRF-1-abhängig in verschiedenen Zellen hergestellt werden.
In unserem Labor steht eine IRF-1 Knock-out-Maus zur Verfügung. Diese kann aufgrund der fehlenden Co-Faktoren nicht mit einer Th1 Antwort reagieren. Infiziert man IRF-1 defiziente Mäuse mit H.pylori, so kommt es zu keinerlei pathologischen Veränderungen der Magenschleimhaut. Dennoch können sich die Bakterien auf der Magenschleimhaut ansiedeln. Interessant ist weiterhin der Befund, dass diese Mäuse auch keine Antikörper gegen H.pylori entwickeln (1). Mittels des Tiermodells wollen wir nun untersuchen, wie IRF-1 in die Antikörperproduktion bei der H.pylori Infektion eingreift und warum H.pylori Infektionen zu einer ausgeprägten Th1-Antwort führen. Für diese Versuche ist die Zucht der bereits vorhandenen IRF-1 defizienten Mäuse eine Voraussetzung. Weiterhin soll eine konditionelle IRF-1–defiziente Maus hergestellt werden, um die jeweilige Bedeutung dieses Transkriptionsfaktors in verschiedenen Geweben für Th1-Antwort und Gastritis zu untersuchen.


3.    Untersuchung der immunmodulatorischen  Wirkung von H.pylori auf Immunzellen


H.pylori kann ohne entsprechende Behandlung ein Leben lang in seinem Wirt persistieren. Das Bakterium muss also Mechanismen entwickelt haben, die es ihm ermöglichen, dem Immunsystem des Wirtes zu entkommen. In Makrophagen und Lymphocyten induziert H.pylori beispielsweise Apoptose und verhindert so seine Elimination.
Wir konnten vor kurzem allerdings zeigen, dass H.pylori murine CD4+ T-Zellen in Abwesenheit von Antigen-präsentierenden Zellen stimulieren kann (2). Diese Stimulationsfähigkeit ist jedoch nur bei ganzen und Formaldehyd-fixierten H.pylori vorhanden. Peptidase verdaute H.pylori Suspensionen haben ebenfalls die Fähigkeit verloren, T-Zellen zu stimulieren. Daraus folgern wir, dass es sich höchstwahrscheinlich bei den stimulierenden Molekülen um auf der Zelloberfläche lokalisierte Proteine handelt. In weiteren Versuchen soll das Protein genauer charakterisiert und identifiziert werden. Auf T-Zellseite wollen wir weiterhin den Rezeptor charakterisieren und identifizieren.


4.    Untersuchung der Bedeutung von Th17-Zellen bei der H. pylori induzierten Gastritis


Über die Rolle von IL-17 und damit von Th17-Zellen bei Infektion mit enteropathogenen Bakterien ist noch wenig bekannt. In Biopsieproben H. pylori positiver Patienten konnten erhöhte Mengen des Zytokins IL-17 gemessen werden, wobei die Produktion dieses Zytokins an Stellen mit Ulzerationen besonders erhöht ist.  Die Anwesenheit des Th17 Zytokins IL-17 in H. pylori infizierten Patienten lässt eine Rolle der Th17-Zellen bei der H. pylori Infektion vermuten. Durch Infektion spezifischer Knock-out Mäuse wollen wir die Bedeutung der Th17-Zellen im Rahmen der H. pylori Infektion untersuchen und die Fragen beantworten, welche Funktion haben Th17-Zellen und wann spielen die Th17-Zellen eine Rolle, in der akuten oder der chronischen Phase der Infektion? Im Labor steht mit der IRF-4 defizienten Maus, eine Maus zur Verfügung, die keine Th17-Zellen ausbildet (3).

Publikationen:


  1. Lohoff, M., M. Röllinghoff and F. Sommer. 2000, Helicobacter pylori gastritis: a Th1 mediated disease?,
    J. Biotechnol. 83:33-36.

  2. F. Sommer, G. Faller, M. Röllinghoff, T. Kirchner, T.W. Mak, and M. Lohoff. 2001.Lack of gastritis and of an adaptive immune response in IRF-1 deficient mice infected with Helicobacter pylori. Eur.J.Immunol. 31:396-402.

  3. C. Rosenplänter, F. Sommer, P. Kleemann, A. Belkovets, A. Schmidt, and M. Lohoff. 2007. Helicobacter pylori polyclonally activates murine CD4(+) T cells in the absence of antigen-presenting cells. Eur J Immunol. 37:1905-15.

  4. A. Brüstle, S. Heink, M. Huber, C. Rosenplänter, C. Stadelmann, P. Yu, E. Arpaia, T.W. Mak, T. Kamradt, and M. Lohoff. 2007. The development of inflammatory T(H)-17 cells requires interferon-regulatory factor 4. Nat Immunol. 8:958-66.


Beteiligte Wissenschaftler:

Nadine Bollig, Doktorandin
Prof. Dr. Michael Lohoff


Ansprechpartner:

Prof. Dr. Michael Lohoff


Zuletzt aktualisiert: 03.06.2009 · Harald Balz

 
 
 
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