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Kurze Geschichte des Physiologisch-Chemischen Institutes

 

Das Physiologisch-Chemische Institut ist aus dem Physiologischen Institut der königlich-preußischen Universität Marburg hervorgegangen. Dieses Institut, die Physiologie, hatte eine lange Tradition in Marburg, sie wurde schon 1837 als eigenständiges Fach etabliert. Dagegen tauchte die Physiologische Chemie erst 1907 auf, anfangs nur als eine eigene Abteilung in der Physiologie. Diese Abteilung stand unter der Leitung von Professor Friedrich Kutscher. Erst 32 Jahre später, 1939, erlangte die Physiologische Chemie als eigenes Institut ihre Unabhängigkeit. Diese späte Selbständigkeit der Biochemie erklärt sich aus der stark biochemischen Ausrichtung der physiologischen Kollegen, zu denen die Professoren Nasse, Külz, Kutscher und der Nobelpreisträger Albrecht Kossel (1853-1927) gezählt werden können.

Die Verselbständigung der Biochemie wurde ab 1935 von Theodor Bersin betrieben, einem Schüler des Marburger Chemikers Professor Hans Meerwein (1879-1965). Mit Wirkung vom 1.10.1938 wurde Bersin zum außerordentlichen Professor für Physiologische Chemie ernannt. Allerdings wurde die Ernennung dieses ersten unabhängigen Biochemikers in Marburg erst zum 1.4.1939 in Kraft gesetzt, sodass dieser Tag als Gründungstag des Physiologisch-Chemischen Institutes in Marburg gelten kann. Untergebracht war das Physiologisch-Chemische Institut zusammen mit dem Physiologischen Institut in dem stattlichen Gebäude gegenüber der Elisabeth-Kirche (siehe Photo). Da Bersin ein aktiver Nationalsozialist war, wurde er 1945 abgelöst. Nach mehreren kommissarischen Leitern (Prof. Weger, Prof. Inhoffen, Prof. Rosemann, Dozent Dr. Rauen) übernahm Professor Karl Dimroth ab 1949 den Lehrstuhl des Physiologisch-Chemischen Instituts, wechselte aber bereits 1952 auf den Lehrstuhl für organische Chemie als Nachfolger von Hans Meerwein.

 

 

Archiv-Deutschhausstrasse

 

Die Abbildung zeigt Teile des Physiologisch-Chemischen Instituts in der Deutschhausstr. 1-2

 

 

1953 übernahm Professor Theodor Bücher, ein Schüler von Professor Otto Warburg, für zehn Jahre die Leitung des Physiologisch- Chemischen Instituts. In die Zeit von Prof. Bücher fiel zusammen mit der Firma Eppendorf die Entwicklung eines Doppelstrahl-Photometers durch Prof. Martin Klingenberg, ein Gerät, das die Enzymbestimmungen entscheidend erleichterte („Eppendorf-Photometer“) und die Erfindung der Mikroliterpipette („Eppendorf-Pipette“) 1954 durch Dr. Heinrich Schnittger. Diese Pipette läutete die Miniaturisierung der biochemischen Analysen ein und ist heute weltweit in den Biowissenschaften im Einsatz.

Die Nachfolge von Bücher trat 1963 Professor Peter Karlson, ein Schüler von Professor Adolf Butenandt, an. Ebenfalls im Jahr 1963 wurde ein zweiter Lehrstuhl des Physiologisch-Chemischen Institutes geschaffen und mit Professor Fritz Zilliken, einem Schüler von Professor Richard Kuhn, besetzt, den er bis 1969 innehatte. Seit dieser Zeit gab es zwei Institute, die Physiologische Chemie I und II. 1966 konnten die Arbeitsgruppen von Karlson und Zilliken neue Labors auf den Lahnbergen in den „Medizinischen Forschungseinheiten“ beziehen. Dieses Gebäude teilten sie sich mit physiologischen und pharmakologischen Arbeitsgruppen. Als Nachfolger von Zilliken wurde 1969 Professor Friedhelm Schneider berufen.

1971 konnte mit Unterstützung der VW-Stiftung das sog. „Integrierte Praktikum“ gebaut und in Betrieb genommen werden, um Medizinstudenten gemeinsam und fachübergreifend in Physiologie, Biochemie und Pharmakologie zu unterrichten.

Ende der 60er Jahre nahm die Einrichtung eines neuen Studiums der theoretischen Medizin in Form eines Studiengangs der Humanbiologie Gestalt an. Anfangs als Aufbaustudiengang zur Gewinnung des eigenen Forschungsnachwuchses konzipiert, entwickelte sich die Humanbiologie bald zu einem Diplomstudiengang naturwissenschaftlicher Prägung. Sie war der erste Studiengang dieser Richtung in Deutschland.

1988 ging das Physiologisch-Chemische Institut I bei der Emeritierung von Professor Karlson in dem neu gegründeten Institut für Molekularbiologie und Tumorforschung auf und zog von den Lahnbergen in die Emil-von-Mannkopf-Straße in die Stadt zurück. Zusammen mit dem Physiologischen Institut (vormals II) beteiligt es sich aber nach wie vor an der biochemischen Lehre. Nach der Pensionierung von Professor Schneider, des Direktors der Physiologischen Chemischen Institutes, wurde 1994 Prof. Andreij Hasilik berufen, der im Jahre 2007 in den Ruhestand ging. Seit 2010 führt Prof. Gerhard Schratt das Physiologisch-Chemische Institut.

 

Wissenschaftler und Hochschullehrer, die am Physiologisch-Chemischen Institut I und II gearbeitet haben (die Liste ist leider unvollständig).


Beato, Miguel                  

Bersin, Theodor

Bode, Christian

Bücher, Theodor

Chance, Britten

Dimroth, Karl

Doenecke, Detlef

Egge, Heinz

 

Gallwitz, Dieter

Hasilik, Andreij

Heldt, H. Walter

Hohorst, Jürgen

Inhoffen

Jaenicke, Lothar

Kadenbach, Bernhard

Karlson, Peter

 

Klingenberg

Koolman, Jan

Kröger, Achim

Letnansky

Liebecq, Claude

Löffler, Monika

Pette, Dirk

Rauen

Röhm, Klaus-Heinrich

 

Schachtschabel, Dietrich

Schimassek, Hans

Schneider, Friedhelm

Schnittger, Heinrich

Schratt, Gerhard

Seifart, Klaus

Sekeris, Konstantin

Slenczka, Werner

Sturm, Gerhard

 

Tampé

Temme

Weger

Wesemann, Wolfgang

Wiegandt, Herbert

Witzel, H.

Zebe, E.

Zilliken, Fritz



 

Zuletzt aktualisiert: 13.07.2012 · muelle76

 
 
 
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