28.11.2018 Dr. Lucie Jarrige – eine Forscherin mit besonderer Geschichte

Neue Humboldt-Stipendiatin am Fachbereich Chemie der Philipps-Universität

Porträtaufnahme
Foto: Gabriele Neumann
Dr. Lucie Jarrige forscht für zwei Jahre in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Eric Meggers im Fachbereich Chemie.

Zwei Jahre lang wird Dr. Lucie Jarrige die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Eric Meggers an der Philipps-Universität Marburg verstärken. Die Chemikerin, die zuvor an der Université Paris-Saclay arbeitete, ist mit einem Postdoktoranden-Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung in Marburg zu Gast. 

Die 27-Jährige arbeitet in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Meggers an der Transformation von Molekülen mit Hilfe von Licht. „Licht ist eine umweltfreundliche Energiequelle“, erläutert Jarrige. Als Lichtquelle werden in der AG Meggers blaue LEDs mit einer spezifischen Wellenlänge verwendet. An Themen mit Umweltschutzbezug hat Jarrige auch schon in Frankreich gearbeitet. Dort hat sie untersucht, wie Abfallprodukte chemischer Reaktionen gefiltert und dadurch reduziert werden können, zum Beispiel bei der Arzneimittelherstellung.

Lucie Jarrige, die ursprünglich aus einem kleinen Ort in Südfrankreich stammt, ist im Zuge ihres Studiums oft umgezogen, auch weil sie bereits im Studium versuchte, möglichst viel Praxiserfahrung zu sammeln. „Chemie ist ein sehr experimentelles Fach, ich habe in den Sommerferien immer versucht, einen Monat lang in einem Labor zu arbeiten, um das Experimentieren zu lernen“, erklärt die 27-Jährige. Die Erfahrung und Qualität ihrer Arbeit hat bereits Früchte getragen: 2017 erhielt sie für ihre Forschung eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 15.000 Euro von der UNESCO-L´Oréal-Kooperation „For Women in Science“ in Partnerschaft mit der Akademie für Wissenschaften. Ihre Doktorarbeit am Centre Nationale de la recherche scientifique (CNRS) Gif-sur-Yvette an der Université Paris Saclay wurde durch ein Forschungsstipendium des französischen Bildungsministeriums unterstützt.

Außergewöhnlich ist aber nicht nur die wissenschaftliche Karriere von Lucie Jarrige, sondern auch die sportliche. Im Alter von 15 Jahren verlor Lucie Jarrige in Folge einer Knochenkrebs-Erkrankung ihr linkes Bein. „Ein Bein weniger hindert mich nicht daran, dieselben Sachen wie andere zu machen“, sagt sie. Den Beweis dafür lieferte sie zuletzt bei der Weltmeisterschaft im Handicap-Klettern in Innsbruck im September dieses Jahres: Zum zweiten Mal in Folge gewann sie nach 2016 den Titel. „Klettern ist mein Hobby“, erklärt sie im Gespräch. Momentan klettert sie dreimal pro Woche in der Marburger Kletterhalle. Ab Januar bereitet sie sich auf die nächste WM vor, dann klettert sie fast täglich.

Neben der Forschungsumgebung schätzt Jarrige in Marburg auch die Größe der Stadt. „Nach Bordeaux und Paris wollte ich in eine Stadt mit einer menschlichen Größe zurück, wo ich schnell im Grünen bin“, sagt sie.

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