01.07.2019 „Etwas sensationell Neues“ – Marburg um 1910 in Farbfotografien von Georg Mylius

Ausstellung am Hessischen Staatsarchiv Marburg, 27. Juni 2019 – 5. Februar 2020

Farbaufnahme mit Blick von Weidenhausen auf die Weidenhäuser Brücke, im Hintergrund die Alte Universität und die Oberstadt mit Schloss um 1910
Foto: Georg Mylius
Georg Mylius: Marburg, 1911, Autochromplatte, 9 x 12 cm, Fotografische Sammlung des Deutschen Dokumentationszentrums für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg (© Foto Marburg, Aufn.-Nr. c10.006.243).

Im Hessischen Staatsarchiv Marburg ist seit Mittwoch eine Ausstellung mit den wohl frühesten Farbfotografien der Stadt Marburg und ihrer näheren Umgebung zu sehen. Der junge Pharmazeut und begabte Amateurfotograf Georg Mylius (1884-1979) belichtete die pittoresken Aufnahmen im Autochromverfahren der Brüder Lumière auf Glasplatten im Format 9 x 12 Zentimeter.

Das Hessische Staatsarchiv Marburg präsentiert die Ausstellung unter dem Titel „[E]twas sensationell Neues“. Marburg um 1910 in Farbfotografien von Georg Mylius in Kooperation mit dem Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg (DDK), dem Institut für Geschichte der Pharmazie und dem Antiquariat und Verlag Elwert.
Die Diapositive zeigen das Landgrafenschloss, die Elisabethkirche, Ansichten aus der Marburger Oberstadt mit ihren Kirchen und den Fachwerkhäusern aus dem 15. Jahrhundert sowie aus Weidenhausen – und das um 1910, als „Stadt und Umgebung noch unberührt von den neuzeitlichen Bauten in der Natur lag[en]“ (Georg Mylius).

Der Reiz der Farbaufnahmen, die zu dieser Zeit – um mit Mylius zu sprechen – „etwas sensationell Neues“ waren, bestätigt sich in der Publikation von 24 ausgewählten Motiven als Farbpostkarten, die der Marburger Traditionsverlag N. G. Elwert ab 1912 in teils hoher Auflage vertrieb.

Dass die kostbaren Glasplatten erhalten geblieben sind, ist ein Glücksfall. Die insgesamt 86 Autochrome schenkte Georg Mylius 1975 dem Hessischen Staatsarchiv Marburg. Aus konservatorischen Gründen wurden die sehr fragilen Platten im Herbst 2018 an das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg weitergegeben, wo sie nun unter klimatisch optimalen Bedingungen verwahrt und der Öffentlichkeit online zur Verfügung gestellt werden (zum Bestand).

Die Ausstellung im Hessischen Staatsarchiv Marburg vereint moderne Inkjet Prints nach Digitalisaten der Autochromplatten, ein vollständiges Set der Postkarten, Dokumente aus dem Leben von Georg Mylius sowie Objekte und Quellen aus dem Kontext der frühen Farbfotografien.

Die Ausstellung ist bis zum 5. Februar 2020 zu sehen. Geöffnet montags und freitags von 8:30-16:30 Uhr, dienstags bis donnerstags von 8:00-19:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Literatur:

Sonja Feßel: „[E]twas sensationell Neues“ – Marburg in Farbe: Zu den Autochromen von Georg Mylius am Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg, in: Rundbrief Fotografie , Vol. 26 (2019), No. 2, N.F. 102, (S. 18–30)

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