02.03.2021 Unzuverlässige Glücksbringer

Europäische Kommission fördert internationales Doktorandennetzwerk zu Serotoninforschung

Serotonin gilt als „Glückshormon“ und wird in der Behandlung von psychischen Störungen eingesetzt. Entsprechende Medikamente können Patientinnen und Patienten helfen, wirken aber nicht bei jedem. Warum das so ist, soll nun ein Team aus Doktorandinnen und Doktoranden aus ganz Europa genauer ergründen. Die These: Serotonin ist maßgeblich an der Entwicklung des Gehirns beteiligt. Kommt es in der Gehirnentwicklung zu Mangelerscheinungen des Botenstoffes, begünstigt dies psychische Störungen, und die Wirksamkeit von Medikamenten wird beeinträchtigt. Die Europäische Kommission fördert das sogenannte Marie Skłodowska-Curie Innovative Training Network (ITN) mit über vier Millionen Euro über einen Zeitraum von vier Jahren. Am internationalen Doktorandennetzwerk ist über die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Markus Wöhr auch der Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität Marburg beteiligt, der über 250.000 Euro der Gesamtförderung erhält, um eine neue Generation an Serotoninforscherinnen und
-forschern mitauszubilden.  

Serotonin beeinflusst und reguliert die Stimmung, daher hat der Botenstoff gewissermaßen Karriere als „Glückshormon“ gemacht. Doch es kann mehr als das. Serotonin zählt zu den wichtigsten Botenstoffen des menschlichen Körpers. Als Neurotransmitter ist es maßgeblich an der Kommunikation zwischen Nervenzellen im Gehirn beteiligt. „Jüngste Studien zeigen außerdem, dass Serotonin-vermittelte Veränderungen in der Hirnentwicklung eine wichtige Bedeutung für das Auftreten psychiatrischer Erkrankungen haben“, sagt Wöhr. „Diese Veränderungen in der Hirnentwicklung sind meist jedoch nicht das Ziel aktueller medikamentöser Behandlungen, und dies könnte erklären, warum sie nicht immer so wirksam sind, wie wir es uns wünschen“, sagt Wöhr.

Das Projekt „Serotonin and BEYOND – Brain development research Excelling Young Ones in Neurotechnologies and Discoveries” zielt darauf ab, die nächste Generation von Serotoninforscherinnen und -forschern auszubilden und neue grundlegende Erkenntnisse in diesem Bereich zu liefern. „Wir werden uns insbesondere der Frage widmen, wie frühe Veränderungen des Serotoninspiegels im Leben die Hirnentwicklung verändern und damit psychiatrische Störungen begünstigen“, sagt Wöhr. Dabei gibt es genetische Komponenten oder Umweltfaktoren, die den Serotoninspiegel im Körper beeinflussen können. Im Marburger Teilprojekt sollen die Umweltfaktoren, insbesondere soziale Lebensbedingungen, und ihr Einfluss auf die Hirnentwicklung im Rattenmodell analysiert werden. „Soziale Faktoren, wie etwa soziale Anreicherung im Gegensatz zur sozialen Isolation, können entweder schützende Wirkungen haben oder das Risiko für Psychopathologien erhöhen. Konkret untersuchen wir, inwiefern Gen x Umweltinteraktionen das Auftreten krankheitsrelevanten Verhaltens modulieren. Durch unsere Arbeit erhoffen wir uns, neue Therapiemöglichkeiten zu identifizieren“, sagt Wöhr.

Ein europäisches Netzwerk für neue Forscherinnen und Forscher

Das multidisziplinäre Projekt unter der Leitung von Prof. Judith Homberg von Translational Neuroscience im Radboudumc in Nijmegen (Niederlande) bringt Forscherinnen und Forscher führender europäischer Universitäten und Institute zusammen, um ein Netzwerk mit weltweit führendem Fachwissen in der Serotoninforschung und -ausbildung aufzubauen. Zusammen werden diese Partner fünfzehn talentierte Doktorandinnen und Doktoranden ausbilden, um in den kommenden Jahren die Forschung in den Bereichen Serotonin, neuronale Entwicklung und Psychiatrie weiterzuentwickeln.

Marie Skłodowska-Curie Innovative Training Networks

Durch die Marie Skłodowska-Curie Innovative Training Networks bietet die Europäische Kommission eine Finanzierung von strukturierten Doktorandenausbildungsnetzwerken für eine Dauer von bis zu vier Jahren. Das Programm hat unter anderem die Ziele, die länderübergreifende Mobilität, die internationale Karriereentwicklung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie die Attraktivität des Forschungsstandortes Europa zu fördern.

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