22.06.2026 Kürzungen bei DAAD-Hochschulkooperationen: Hessische Hochschulen appellieren an die Bundesregierung

Presseerklärung der Konferenz der Hessischen Universitätspräsidien, der HAW Hessen und der hessischen Kunsthochschulen

Die Konferenz der Hessischen Universitätspräsidien, die Präsidien der Hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und die Präsidien der hessischen Kunsthochschulen teilen die Sorgen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der vor den Folgen geplanter Kürzungen im Bereich der Hochschulkooperationen mit dem Globalen Süden warnt.

Nach den aktuellen Plänen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sollen bis 2031 nahezu alle DAADProgramme zur Hochschulkooperation mit Ländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten eingestellt werden. Wir verstehen, dass die Bundesregierung in einem schwierigen haushaltspolitischen Umfeld schwierige Entscheidungen treffen muss. Dennoch möchten wir eindringlich auf die langfristigen Folgen dieser Kürzungen hinweisen. Wir leben in einer Zeit, in der internationale Partnerschaften und Vertrauen zwischen Staaten und Gesellschaften unter erheblichem Druck stehen. In dieser Situation sind die Hochschulkooperationen des DAAD ein wichtiges Instrument: Sie schaffen langfristige Netzwerke zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft – über geopolitische Spannungslinien hinweg. Sie halten Gesprächskanäle offen, wenn andere Kanäle sich schließen. Und sie sichern Deutschland Zugang zu Partnern, Talenten und Innovationen in Regionen, die für die globale Zukunft entscheidend sein werden.

Die betroffenen Programme arbeiten zu Zukunftsthemen wie Energieversorgung, Wassermanagement, Gesundheit und Digitalisierung. In den vergangenen fünf Jahren erreichten sie fast 120.000 Menschen in knapp 60 Ländern und verbanden rund 450 Partnerhochschulen und -institutionen weltweit. Diese Netzwerke sind das Ergebnis jahrelanger Aufbauarbeit – und sie lassen sich nicht kurzfristig wiederherstellen, wenn sie erst einmal unterbrochen sind.

Die Hochschulen in Hessen sind von den Auswirkungen dieser Entwicklungen besonders betroffen. Allein in den vergangenen fünf Jahren konnte der DAAD aus Mitteln des BMZ hier 44 i.d.R. mehrjährige Projekte fördern. Das Wegbrechen hat nicht nur Auswirkungen auf die einzelnen Projekte, sondern auch auf die Internationalisierungsbestrebungen und das aufgebaute Vertrauensverhältnis der hessischen Hochschulen zu den Partnerinstitutionen vor Ort.

Wir appellieren daher an die Bundesregierung, bei den weiteren Haushaltsberatungen die strategische Bedeutung dieser Programme in den Blick zu nehmen und nach Wegen zu suchen, die Hochschulkooperationen des DAAD in ihrer Substanz zu erhalten. Deutschland konkurriert weltweit um Vertrauen, Einfluss und wissenschaftliche Partnerschaften. Internationale Wissenschaftsnetzwerke sind dabei eine der wirkungsvollsten und nachhaltigsten Investitionen, die ein Land tätigen kann.

Prof. Dr. Thomas Nauss (Sprecher der Konferenz Hessischer Universitätspräsidien)
Prof. Dr. Karim Khakzar (Vorsitzende der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften)
Prof. Elmar Fulda (Sprecher der Kunsthochschulen in Hessen)