09.10.2026 Erstmals drei Frauen an der Spitze der Rechtswissenschaften

Zum Start des Jubiläumsjahres übernimmt ein rein weibliches Dekanat die Leitung des Fachbereichs – mit Stefanie Bock, Christine Budzikiewicz und Silvia Pernice-Warnke

die drei neuen Dekaninnen der Rechtswissenschaften
Foto: Lukas Murgott
Das neue Leitungsteam des Fachbereichs Rechtswissenschaften (v.l.n.r.): Prof. Dr. Silvia Pernice-Warnke, LL.M. (Edin.) als Studiendekanin, Prof. Dr. Stefanie Bock als Dekanin und Prof. Dr. Christine Budzikiewicz als Prodekanin.

Zum Wintersemester 2026/27 tritt am Fachbereich Rechtswissenschaften der Philipps-Universität Marburg erstmals in seiner Geschichte ein rein weibliches Dekanat sein Amt an. Prof. Dr. Stefanie Bock übernimmt als Dekanin gemeinsam mit Prof. Dr. Christine Budzikiewicz als Prodekanin und Prof. Dr. Silvia Pernice-Warnke, LL.M. (Edin.), als Studiendekanin die Leitung des Fachbereichs. Die drei Professorinnen wurden in der vergangenen Sitzung des Fachbereichsrats gewählt und beginnen ihre Amtszeit mit dem Oktober 2026 – pünktlich zum Start des Jubiläumsjahres.

Die Besetzung ist auch vor dem Hintergrund der weiterhin männlich geprägten Professor*innenschaft in den Rechtswissenschaften bemerkenswert. Während am Fachbereich mehr als die Hälfte der Studierenden weiblich ist, liegt der Frauenanteil auf professoraler Ebene derzeit bei rund 20 Prozent. Mit Stefanie Bock, Christine Budzikiewicz und Silvia Pernice-Warnke stehen nun erstmals drei Professorinnen gemeinsam an der Spitze des Fachbereichs.

 

Prof. Dr. Stefanie Bock, Dekanin: „Ein rein weibliches Dekanat ist angesichts der Pyramidenstruktur unseres Fachbereichs etwas Besonderes. Wir haben unter den Studierenden einen Frauenanteil von über 50 Prozent, der mit jeder weiteren akademischen Stufe kontinuierlich abnimmt. Auf professoraler Ebene sind es nur rund 20 Prozent. Ein rein weibliches Dekanat trägt damit zu mehr Sichtbarkeit von Frauen in den Rechtswissenschaften und universitären Führungspositionen bei. Zudem können wir die erfolgreiche Gleichstellungsarbeit der vergangenen Jahre fortführen und uns für ein diskriminierungssensibles und inklusives Studien- und Forschungsumfeld einsetzen.“

Ihre Ziele: „Wir übernehmen das Dekanat in einer anspruchsvollen Zeit. Die finanzielle Situation von Universität und Fachbereich ist angespannt. Es wird auch darum gehen, Sparpotenziale auszuloten und Abläufe und Strukturen effizienter zu gestalten, ohne Abstriche bei Forschung und Lehre zu machen. Zugleich stehen in den kommenden drei Jahren fünf Professuren zur Neubesetzung an. Das ist herausfordernd, bietet aber auch große Gestaltungsmöglichkeiten. Gemeinsam mit dem Präsidium wollen wir innovative Köpfe gewinnen, den Forschungsstandort Marburg stärken und die Attraktivität des Jurastudiums mit neuen Lehr-Lern-Formaten, einer besseren Studierbarkeit und neuen Studienangeboten weiter erhöhen.“

Akademischer Weg: Stefanie Bock studierte Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg, wo sie 2004 das Erste Juristische Staatsexamen ablegte und 2005 bis 2009 promovierte. Nach Referendariat und Zweitem Staatsexamen habilitierte sie sich in Göttingen. Seit 2016 ist sie Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Rechtsvergleichung an der Philipps-Universität Marburg. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören insbesondere das Völkerstrafrecht, Opferrechte und die legal gender studies. Seit 2018 ist sie Direktorin des International Centre for War Crimes Trials an der Philipps-Universität Marburg. 2026 hat sie als Sprecherin bei der DFG ein interdisziplinäres Graduiertenkolleg "Geschlecht und Vergeschlechtlichungen in völkerstrafrechtlichen Kontexten" eingeworben.

 

Prof. Dr. Christine Budzikiewicz, Prodekanin: „Gerade für Studentinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen ist es wichtig, unterschiedliche Karrierewege durch weibliche Vorbilder in der Rechtswissenschaft sichtbar zu machen. Es ist uns ein Anliegen, dass akademische und wissenschaftliche Führungspositionen für alle Studierenden des Fachbereichs als realistische Option wahrgenommen werden. Ein weiblich besetztes Dekanat kann ein wichtiges Signal für eine vielfältige und offene Wissenschaftskultur setzen, in der unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen ihren Platz finden und in der sich junge Menschen ermutigt sehen, Wissenschaft aktiv mitzugestalten.“

Ihre Ziele: „Wir wollen das Jurastudium weiter modernisieren und jungen Menschen juristische Fähigkeiten in einer zeitgemäßen Form vermitteln. Die Gesellschaft braucht kritische und unabhängig denkende Juristinnen und Juristen, die mit fundierten Kenntnissen den vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit begegnen können. Dies gilt auch und gerade mit Blick auf die zunehmende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz und die damit verbundenen Möglichkeiten, aber auch Risiken. Ein wichtiges Thema wird daher sein, durch ein attraktives und vielseitiges Studienangebot die Begeisterung für das Jurastudium zu wecken und den Studienstandort Marburg weiter zu stärken.“

Akademischer Werdegang: Christine Budzikiewicz studierte Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln, an der Université de Lausanne sowie an der Universität Bonn. Nach dem Ersten und Zweiten Juristischen Staatsexamen wurde sie an der Universität zu Köln mit einer Arbeit zum Internationalen Privatrecht promoviert. 2014 habilitierte sie sich dort mit einer Schrift zum Familienrecht und wurde im selben Jahr Professorin für Bürgerliches Recht, Internationales und Europäisches Privatrecht sowie Rechtsvergleichung an der Philipps-Universität Marburg. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören insbesondere das Internationale Privat- und Verfahrensrecht, die Rechtsvergleichung sowie das Familien- und Erbrecht. Seit 2019 ist sie Co-Direktorin des neu gegründeten Instituts für Familienrecht der Philipps-Universität Marburg.

 

Prof. Dr. Silvia Pernice-Warnke, LL.M. (Edin.), Studiendekanin: „Für meinen bisherigen Weg habe ich weibliche Rollenvorbilder als sehr prägend empfunden. So hoffe ich nun selbst, gemeinsam mit meinen beiden Kolleginnen, ein positives Vorbild sein zu können.“

Ihre Ziele: „Juristinnen und Juristen kommt eine tragende Rolle in unserem Gemeinwesen, im Hinblick auf die Bewahrung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu. Aufgabe der rechtswissenschaftlichen Lehre ist es, die Studierenden auf diese Rolle vorzubereiten, sie zu kompetenten, kritisch und selbstständig denkenden sowie verantwortungsbewussten Juristinnen und Juristen auszubilden. Juristische Lehre muss dabei an den gegenwärtigen und mutmaßlichen künftigen Herausforderungen orientiert und nachhaltig in dem Sinne sein, dass die Studierenden Kompetenzen aus ihrem Studium mitnehmen, die bleiben. Für bedeutsam halte ich es, den Diskurs der Studierenden untereinander und mit den Lehrenden weiter zu fördern sowie die Studierenden in einem verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu schulen und ihre Prüfkompetenz zu wahren. Für die weitere Umsetzung dieser Ziele sowie dafür, dass unsere Absolventinnen und Absolventen mit Freude an ihr Studium in Marburg zurückdenken und wir mit Stolz auf sie blicken können, werde ich mich, gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen am Fachbereich, mit voller Kraft einsetzen.“

Akademischer Werdegang: Silvia Pernice-Warnke studierte Rechtswissenschaften an der Universität Würzburg und an der Universität Padova und absolvierte nach dem ersten Staatsexamen ein LL.M.-Studium an der University of Edinburgh. Promoviert wurde sie an der Universität Würzburg mit einer Arbeit zum Zugang zu nationalen und europäischen Gerichten in Umweltangelegenheiten. Nach Referendariat und Zweitem Staatsexamen war sie zunächst an der Universität zu Köln im Dekanat für Studienangelegenheiten zuständig, bevor sie sich dort 2022 mit einer Arbeit zum demografischen Wandel, altersgruppenbezogener Partizipation und Generationengerechtigkeit habilitierte. Seit 2024 hat sie an der Philipps-Universität Marburg eine Professur für Öffentliches Recht, insbesondere Verwaltungsrecht und Recht der Nachhaltigkeit, inne.

Uni-Präsident Prof. Dr. Thomas Nauss freut sich: „Dass erstmals drei Professorinnen gemeinsam den Fachbereich Rechtswissenschaften führen, ist ein besonderes Zeichen für den Wandel unserer Universität. Zugleich geht es nicht allein um die Zusammensetzung des Dekanats, sondern darum, wer Verantwortung übernimmt und welche Impulse damit verbunden sind. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Stefanie Bock, Christine Budzikiewicz und Silvia Pernice-Warnke und darauf, gemeinsam mit ihnen den rechtswissenschaftlichen Forschungs- und Studienstandort Marburg weiterzuentwickeln.“

500 Jahre Philipps-Universität bedeuten auch 500 Jahre Wandel. Das neue Dekanat der Rechtswissenschaften steht exemplarisch dafür, wie sich akademische Tradition und neue Perspektiven verbinden lassen.

Weitere Informationen: https://www.uni-marburg.de/de/fb01

Ansprechpersonen:

Prof. Dr. Stefanie Bock
Professur für Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Rechtsvergleichung
Direktorin des Internationalen Forschungs- und Dokumentationszentrums Kriegsverbrecherprozesse
Institut für Kriminalwissenschaften
Fachbereich Rechtswissenschaften
Philipps-Universität Marburg
Email: stefanie.bock@jura.uni-marburg.de

Prof. Dr. Christine Budzikiewicz
Professur für Bürgerliches Recht, Internationales und Europäisches Privatrecht sowie Rechtsvergleichung
Institut für Familienrecht
Fachbereich Rechtswissenschaften
Philipps-Universität Marburg
Email: christine.budzikiewicz@jura.uni-marburg.de 

Prof. Dr. Silvia Pernice-Warnke
Professur für Öffentliches Recht, insbesondere Verwaltungsrecht und Recht der Nachhaltigkeit
Fachbereich Rechtswissenschaften
Philipps-Universität Marburg
E-Mail: silvia.pernice-warnke@jura.uni-marburg.de