13.02.2026 Marburger Hightech-Forschung erhält 500.000 Euro LOEWE-Förderung

Kooperationsprojekt von Uni-Physik und Dockweiler Chemicals erforscht innovative 2D-Halbleitermaterialien

In einem Chemielabor eine Personengruppe
Foto: Petra A. Killick
Im Forschungslabor von Dockweiler Chemicals im Görzhäuser Hof von Marburg: (v.l.n.r.) Prof. Dr. Kerstin Volz (mar.quest/Physik Uni Marburg), Dr. Christoph Ullrich (Regierungspräsident des Regierungsbezirks Gießen), Dr. Rainer Waldschmidt (Geschäftsführer der Hessen Agentur), Dr. Jörg Koch (Geschäftsführer von Dockweiler Chemicals) und Dr. Susanne Herritsch (Leiterin Technologie der Dockweiler Chemicals).

Mit der Förderung des Projekts „1for2D – Single Source Precursor für 2D Materialien“ im Rahmen der LOEWE-Förderlinie 3 unterstützt das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur ein zukunftsweisendes Vorhaben im Bereich der Materialforschung. Wissenschaftsminister Timon Gremmels musste kurzfristig seine persönliche Teilnahme absagen und übermittelte seine guten Wünsche. In Vertretung überreichte Dr. Christoph Ullrich, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Gießen, den Zuwendungsvertrag an das Projektkonsortium unter Leitung der Dockweiler Chemicals GmbH aus Marburg. Das Projekt wird mit 500.000 Euro gefördert. Mit dem Marburger Projekt erreicht die LOEWE-Förderlinie 3 zugleich die Jubiläumsmarke von 400 geförderten Vorhaben seit Programmstart.

LOEWE steht für Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz und stärkt gezielt die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in Hessen. Die LOEWE-Förderlinie 3 stärkt gezielt die Zusammenarbeit zwischen kleinen und mittleren Unternehmen sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Hessen. Projektträger für die Förderung ist die landeseigene Wirtschaftsfördergesellschaft HA Hessen Agentur GmbH.

Wissenschaftsminister Timon Gremmels: „Mit 1for2D fördern wir eine Technologie, die das Potenzial hat, die Elektronik der Zukunft maßgeblich zu prägen. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie innovative Forschung und unternehmerische Expertise in Hessen zusammenwirken, um nachhaltige und leistungsfähige Materialien für die Hightech-Industrie zu entwickeln. Unsere LOEWE-Förderlinie 3 ist genau auf solche starken Partnerschaften zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ausgerichtet.“

Im Projekt 1for2D entwickelt die Dockweiler Chemicals GmbH gemeinsam mit der Philipps-Universität Marburg innovative Moleküle für die Herstellung sogenannter 2D-Materialien – ultradünner, nur wenige Atome dicker Halbleiter. Diese gelten als Schlüsseltechnologie für die nächste Generation von Elektronik und Photonik: Sie ermöglichen schnellere, energieeffizientere und flexiblere Bauteile. Ziel ist die Entwicklung neuartiger chemischer Verbindungen, sogenannter Single Source Precursor, für eine präzise, sichere und umweltfreundliche Herstellung von 2D-Materialien im industriellen Maßstab.

Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der HA Hessen Agentur GmbH und der Hessen Trade & Invest GmbH, sagt: „Forschungsvorhaben wie 1for2D sind strategisch bedeutsam für die Unternehmens- und Innovationslandschaft in Hessen. Sie verbinden wissenschaftliche Exzellenz mit marktorientierter Entwicklung und schaffen die Grundlage für neue Wertschöpfung in Hightech-Branchen. Indem wir solche Projekte fördern, stärken wir den Technologiestandort Hessen sowie seine internationale Wettbewerbsfähigkeit.“

Die Dockweiler Chemicals GmbH mit Sitz in Marburg ist spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung hochreiner Spezialchemikalien für die Halbleiterindustrie. Im Projekt 1for2D bringt das Unternehmen seine Expertise in der Molekülsynthese, Prozessentwicklung und Qualitätskontrolle ein, um die neuartigen Precursor-Materialien für den industriellen Einsatz zu qualifizieren.

Dr. Jörg Koch, Geschäftsführer der Dockweiler Chemicals GmbH, erläutert: „Mit 1for2D entwickeln wir gezielt Moleküle, die alle notwendigen Elemente für die Bildung von 2D-Schichten in einer einzigen Verbindung vereinen. Dadurch lassen sich Abscheideprozesse in der Halbleiterfertigung präziser steuern und gleichzeitig sicherer und ressourcenschonender gestalten. Unser Ziel ist es, die chemische Grundlage für eine neue Generation von Materialien zu schaffen.“

Die Philipps-Universität Marburg, vertreten durch die Arbeitsgruppe Funktionsmaterialien am Fachbereich Physik und dem dieses Jahr neu gegründeten mar.quest | Marburger Zentrum für Quantenmaterialien und nachhaltige Technologien unter der Leitung von Prof. Dr. Kerstin Volz, erforscht im Projekt die Abscheidung sowie die strukturellen und elektronischen Eigenschaften der neuartigen 2D-Materialien.

Prof. Dr. Kerstin Volz ergänzt: „Die Entwicklung leistungsfähiger 2D-Materialien erfordert ein tiefes Verständnis der atomaren Struktur und ihrer Wechselwirkungen. Im Projekt 1for2D kombinieren wir neuartige Herstellungsverfahren mit modernster Strukturanalytik, um die Prozesse bei der Bildung dieser Materialien gezielt zu verstehen und zu steuern. Die enge Zusammenarbeit mit der Industrie ermöglicht es uns, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung direkt in technologische Anwendungen zu überführen.“

Prof. Dr. Thomas Nauss, Präsident der Philipps-Universität Marburg, betont: „Das Projekt 1for2D steht beispielhaft für die Third Mission unserer Universität – den Wissenstransfer zwischen Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft. Neben exzellenter Lehre und Forschung ist es unsere Aufgabe, wissenschaftliche Erkenntnisse in praktische Anwendungen zu überführen und Innovationen aktiv zu gestalten. Die enge Kooperation mit der Industrie in diesem Vorhaben zeigt, wie stark der Forschungsstandort Marburg in diesem Bereich ist. Ich freue mich persönlich außerordentlich über die Förderung und die Möglichkeit, diese Entwicklung gemeinsam in Marburg voranzutreiben.“

Damit leistet 1for2D einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Forschungs- und Innovationskompetenz in Hessen und zur technologischen Souveränität Europas im Bereich der Halbleitertechnologie.

Weitere Informationen zur LOEWE-Förderlinie 3

Weitere Informationen zum Forschungsförderprogramm LOEWE

Quelle: Pressemitteilung des Hess. Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur

Kontakt