14.09.2026 Erfolgreiche EU-Förderung für Marburger Zukunftsmedizin

Philipps-Universität beteiligt an MSCA Doctoral Networks

Foto von Detailaufnahmen am Computer
Foto: Jan Bosch
Im Rahmen der EU-geförderten MSCA Doctoral Networks arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an neuen Ansätzen zur Bekämpfung von Virusinfektionen und zur Behandlung von Krankheiten wie Krebs.

Zwei Wissenschaftlerinnen der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Eva Herker und Prof. Dr. Olalla Vázquez, waren im Rahmen der renommierten MSCA Doctoral Networks erfolgreich. Dieses von der Europäischen Kommission geförderte Programm unterstützt die internationale, interdisziplinäre und sektorenübergreifende Ausbildung von Doktorand*innen und eröffnet ihnen exzellente Karriereperspektiven in Wissenschaft und Wirtschaft.

„Die erfolgreiche Einwerbung der MSCA Doctoral Networks ist ein Beleg für die hohe wissenschaftliche Qualität unserer Universität und die internationale Anerkennung unserer Forschung. Wir sind stolz, unseren Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern diese exzellenten Entwicklungsmöglichkeiten bieten zu können“, sagt Prof. Dr. Gert Bange, Vizepräsident für Forschung der Universität Marburg.

Die MSCA Doctoral Networks zielen darauf ab, hochqualifizierte Nachwuchsforschende auszubilden, die aktuelle und zukünftige Herausforderungen in Forschung, Gesellschaft und Industrie meistern können. Die Programme fördern die Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Forschungsinstitutionen, Unternehmen und weiteren Organisationen in Europa und darüber hinaus und ermöglichen es den Doktorand*innen, ihre wissenschaftlichen Kenntnisse praxisnah zu vertiefen. Ein besonderer karrierefördernder Aspekt ist dabei der Aufbau eines europaweiten wissenschaftlichen Netzwerks, das den frühen internationalen Austausch unterstützt und langfristige Kooperationen über institutionelle und nationale Grenzen hinweg ermöglicht. Gleichzeitig stärken die Programme die Beschäftigungsfähigkeit durch strukturierte Trainingsangebote und den direkten Austausch mit akademischen und nicht-akademischen Partnern.

„VirON“: Nicht das Virus angreifen, sondern den Wirt stärken

Eva Herker bei der Laborarbeit
Foto: Jan Bosch
Prof. Dr. Eva Herker leitet zwei Projekte im Rahmen des EU-geförderten MSCA Doctoral Network „VirION“.

Im Rahmen des Projekts „VirION. Inter-organelle crosstalk in viral infections: identifying peroxisome-related targets for novel broad-spectrum antiviral strategies“ soll Europa besser gegen Pandemien gewappnet werden. Viren stellen eine große Bedrohung für die globale Gesundheit dar und können zu Pandemien mit erheblichen medizinischen und sozioökonomischen Auswirkungen führen – wie bei der COVID-19-Pandemie.

„Es könnte sinnvoll sein, die Ausrichtung der antiviralen Forschung weiterzuentwickeln und verstärkt Therapien zu verfolgen, die auf den Wirt statt ausschließlich auf das Virus abzielen, um eine breitere Wirksamkeit gegenüber unterschiedlichen Viren zu ermöglichen“, sagt Prof. Dr. Eva Herker, die zwei Projekte in dem Europäischen Netzwerk leitet. „Organellen des Wirts, insbesondere Peroxisomen, bieten sich als ideale Ziele für solche innovativen Strategien an, da sie sowohl bei der Virusinfektion als auch bei der Immunantwort des Wirts eine wichtige Rolle spielen“, ergänzt Herker. Allerdings fehle es an Expert*innen, die sowohl in Virologie als auch in der Biologie von Organellen ausgebildet sind.

Das VirION-Projekt zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen. „Wir bilden die nächste Generation von Forscher*innen aus, die an Wirts-gerichteten antiviralen Therapieansätzen arbeiten wird“, sagt Herker. Insgesamt werden 15 Doktorand*innen Teil des Projektkonsortiums sein, die Kenntnisse in Virologie, Organellenbiologie und Systembiologie erwerben, um innovative, breit wirksame antivirale Therapien zu entwickeln. Davon werden zwei Doktorand*innen direkt an der Universität Marburg forschen.

Die Gesamtfördersumme beträgt knapp 4,5 Mio Euro, an die Universität Marburg gehen davon knapp 600.000 Euro.

Zukunftsmedizin: Krankheiten wie Krebs mit TPD-Technologie bekämpfen

Olalla Vázquez bei der Laborarbeit
Foto: Jessica Epstein
Prof. Dr. Olalla Vázquez leitet das EU-geförderte Projekt „ProofReading“.

Das Projekt „ProofReading“ bringt Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen zusammen, um innovative Ansätze zur Proteindegradation zu entwickeln. Die zielgerichtete Proteindegradation (TPD) ist eine innovative Strategie, um die zelluläre Abbau-Maschinerie auf krankheitsrelevante Proteine zu lenken. „Diese Strategie hat in Forschung, Industrie und Klinik großes Interesse geweckt, da sie gegen Krankheiten wie Krebs, Infektionen und seltene Erkrankungen eingesetzt werden können“, sagt Prof. Dr. Olalla Vázquez, die das Projekt leitet.

TPD basiert auf der Fähigkeit eines kleinen Moleküls, eines sogenannten Degraders, die Ubiquitinierung von spezifischen Proteinen zu steuern. Ubiquitinierung ist ein zellulärer Prozess, bei dem ein Protein namens Ubiquitin an andere Proteine angehängt wird. Dieser Prozess dient als eine Art "Markierung" für Proteine, die abgebaut werden sollen.

„Die Entwicklung effizienter Degrader erfordert ein detailliertes mechanistisches Verständnis auf atomarer Ebene, kombiniert mit strukturellen und funktionellen Kenntnissen der Zielproteine sowie ihrer Rolle in Krankheitsprozessen. Daher ist ein interdisziplinärer Ansatz, der verschiedene Disziplinen wie Synthese, chemische Biologie, Strukturbiologie und Pharmakologie integriert, unerlässlich“, sagt Vázquez. „ProofReading“ bildet innerhalb des Projektkonsortiums insgesamt 11 Forscher*innen aus, eine*r davon wird an der Universität Marburg forschen.

Die Gesamtfördersumme beträgt knapp 3,3 Mio. Euro, davon gehen knapp 300.000 Euro an die Philipps-Universität.

Ansprechpersonen:

Prof. Dr. Eva Herker
Institut für Virologie
Zentrum für Infektion, Entzündung und Immunität (Infektion, Entzündung und Immunität)
Fachbereich Medizin
Philipps-Universität Marburg
Tel.: 06421 28-64525
E-Mail:  

Prof. Dr. Olalla Vázquez
Chemische Biologie
Fachbereich Chemie
Philipps-Universität Marburg
Tel.: 06421 28-22745
E-Mail: