02.10.2026 Mit Algen gegen Abgase

Chemiestudentin Annika Peter gewinnt die erste Runde des FLASH-Ideenwettbewerbs der Philipps-Universität

Mensch mit Pokal
Foto: Tobias Rothammer
Die Chemiestudentin Annika Isabelle Peter gewinnt den Flash-Pokal.

Die erste Runde des FLASH-Ideenwettbewerbs der Philipps-Universität Marburg hat die 21-jährige Chemiestudentin Annika Isabelle Peter für sich entschieden. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert und wird von MAFEX, dem Zentrum für Entrepreneurship und Innovationsforschung, zweimal pro Semester vergeben.

Ihr Konzept AlgaCycle setzt dort an, wo Emissionen entstehen: an der Heizung eines Gebäudes oder am Abgasstrom eines Betriebs. Mikroalgen binden das CO₂ aus dem Abgas und wachsen dabei. Die Biomasse wird regelmäßig entnommen und vergoren, das entstehende Biogas dient wieder als Energiequelle. Algen wachsen schneller als etwa Bäume, sind auf kleinem Raum sehr dicht gepackt und nehmen viel CO₂ auf. Die verwendete Art hat Annika Peter gezielt für das Klima in Deutschland ausgewählt.

Die Begeisterung für Erneuerbare Energien begann früh. „Ich finde erneuerbare Energien toll, seit ich als Kind ein Pixi-Buch über den Bau einer Solaranlagen gelesen habe“, sagt Annika. Nach einem Solarprojekt in der Grundschule entdeckte sie in der 5. Klasse das Schülerforschungszentrum Nordhessen in Kassel, das vor rund 25 Jahren aus einem Physikclub hervorging und in dem Schülerinnen und Schüler, betreut von Lehrkräften und Studierenden, eigene Projekte verfolgen. „Das war für mich wie eine AG. So wie andere in den Chor gehen, bin ich mit Freude dorthin gegangen.“

Teststart: Mit dem Einmachglas ins Gefrierfach

In der Mittelstufe, geprägt von Fridays for Future und dem Dieselskandal, fand sie dort ihr Thema: die Frage, wie sich CO₂ aus Abgasen binden lässt. Statt auf ein chemisches Verfahren setzte sie schließlich auf einen Prozess, den die Natur seit Jahrmillionen perfektioniert hat: die Photosynthese. Sie recherchierte intensiv, informierte sich bei Algenfarmen und wertete Fachliteratur aus, bevor sie aus Tausenden Arten eine passende auswählte. Die ersten Tests waren noch sehr einfach: Mit einem Einmachglas im Gefrierfach prüfte sie die Algen auf Robustheit. Später maß sie in eigenen Versuchsaufbauten, wie schnell die Algen eingeleitetes CO₂ aufnehmen, und wies in Gärversuchen die Bildung von Methan nach. Dafür erhielt sie im vergangenen Jahr den Klimaschutzpreis der Stadt Kassel. Nach dem Abitur mit den Leistungskursen Mathematik und Chemie nahm sie das Chemiestudium in Marburg auf.

Als nächstes will Annika Peter den Methanertrag steigern. Außerdem untersucht sie, ob sich mithilfe von Bakterien auch Stick- und Schwefeloxide aus den Abgasen abbauen lassen und ob diese direkt im selben Reaktor mit den Algen arbeiten könnten oder wie sich beide Prozesse anders sinnvoll kombinieren lassen. „Einzelne Teile des Kreislaufs funktionieren schon. Ich freue mich, jetzt daran weiterarbeiten zu können“, erklärt Annika Peter.

MAFEX begleitet die Preisträgerin weiter, etwa bei der Suche nach wissenschaftlicher Betreuung und bei Fragen rund um Schutzrechte. Im Beratungsgespräch ging es auch um die nächste Stufe: Mit Förderprogrammen wie Hessen Ideen oder dem EXIST-Gründungsstipendium lässt sich eine Idee nach dem Studienabschluss für eine gewisse Zeit mit finanzieller Absicherung verfolgen. „Das ist vielen gar nicht bewusst: Wenn die Idee scheitert, muss niemand etwas zurückzahlen. Deshalb lohnt es sich, solche Optionen schon früh in die Karriereplanung einzubeziehen“, sagt Holger Sommerlad, Berater bei MAFEX.

Mit 93 Einreichungen aus 14 von 16 Fachbereichen ist FLASH stark gestartet, und AlgaCycle hat sich in diesem breiten Feld durchgesetzt. Ab jetzt findet der Wettbewerb vierteljährlich statt, mit einem klaren Ziel: vielversprechende Ideen früh zu erkennen und ihnen ein Unterstützungsnetzwerk an die Seite zu stellen, noch bevor ein Businessplan nötig ist. Bei einem klassischen Gründungswettbewerb, der bereits ausgearbeitete Ansätze und erste Marktüberlegungen verlangt, hätte sich Annika Peter nicht beworben: „Dafür habe ich mich einfach noch nicht weit genug gefühlt.“ Genau hier setzt FLASH an.

Die nächste FLASH-Runde läuft bereits. Neue Einreichungen sind bis zum 17. November möglich: https://uni-marburg.de/lv0WZY

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