20.01.2026 Florian Hoffmeister erhält den Marburger Kamerapreis 2026
Preisverleihung findet im Zuge der Marburger Bild-Kunst-Kameragespräche am 15. Mai im Cineplex Marburg statt
Ob Kostümfilm oder Serie, Komödie oder Thriller: Der Bildgestalter Florian Hoffmeister zeichnet sich durch die Bandbreite seiner Werke und Genres aus. Für seine gestalterische Arbeit erhält der gebürtige Braunschweiger den Marburger Kamerapreis 2026. Die Verleihung findet am 15. Mai im Cineplex Marburg statt.
„Kino ist mehr als eine Leinwand mit ein paar aneinandergereihten Szenen. Es ist eine unersetzliche Schule der Empathie. Denn die gezeigten Filme lehren, mit den Augen anderer zu sehen. Sie helfen, Geschichten zu verstehen, die uns auf den ersten Blick vielleicht fern scheinen, indem sie Emotionen aufzeigen, die uns alle verbinden“, sagt Oberbürgermeister und Kulturdezernent Dr. Thomas Spies und ergänzt: „Kino bietet ein Forum für Debatten, kulturelle Schaffenskraft und Inspiration. Es ist ein magischer Ort, der uns immer wieder daran erinnert, wie tiefgreifend menschliche Geschichten unser Verständnis von der Welt prägen können. Daher freue ich mich auch in diesem Jahr auf den Marburger Kamerapreis, die Bild-Kunst-Kameragespräche und einen Preisträger, der in seiner Arbeit so vielfältig ist wie das Kino selbst.“
In Hoffmeisters Arbeit spielt Bewegung eine wichtige Rolle. Bewusst entscheidet er, wann die Kamera sich mit einem Charakter bewegt oder stehen bleibt“, sagt Prof. Dr. Malte Hagener vom Institut für Medienwissenschaften der Philipps-Universität und Leiter des Marburger Kamerapreises. „Der Preis honoriert die klare und unaufgeregte Kameraführung von Hoffmeister ebenso wie seine ausdrucksstarke Bildgestaltung und das nuancierte Zusammenspiel von Licht, Farbe und Dunkelheit. Bei all seinen Projekten stellt er sich immer wieder aufs Neue ganz in den Dienst der zu erzählenden Geschichte und hat es im Laufe der Jahre dennoch geschafft, sich eine persönliche Handschrift zu erarbeiten“, so die Begründung des Beirats.
1970 in Braunschweig geboren sammelte Florian Hoffmeister zunächst durch Praktika als Beleuchter und im Kameraverleih sowie als Material- und Kameraassistent und freier Beleuchter Erfahrungen im Filmbereich. 1994 begann er ein Regie- und Kamerastudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB) in Berlin. Sein Regiedebüt hatte Florian Hoffmeister mit dem Kurzfilm „Stimmen der Welt“ (1997), der für den Bundeskurzfilmpreis nominiert wurde. Mit dem DFFB-Abschlussfilm „Paul is dead“ (2000) von Hendrik Handloegten realisierte Hoffmeister seinen ersten Langfilm als hauptverantwortlicher Kameramann. Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Grimme Preis und den Studio Hamburg Nachwuchspreis. 2001 arbeitete Hoffmeister als Kameramann unter der Regie von Hannes Stöhr an „Berlin is in Germany“, der mit dem Panorama-Publikumspreis der Berlinale ausgezeichnet wurde.
Mit „Liegen lernen“ (2003) übernahm Hoffmeister erneut die Bildgestaltung für einen Film von Hendrik Handloegten. In den Folgejahren wirkte er an Fernsehfilmen mit wie „Tatort: 3 X Schwarzer Kater“ (2003, Regie: Buddy Giovinazzo) oder „Polizeiruf 110: Tiefe Wunden“ (2003, Regie: Buddy Giovinazzo). Zudem stellte er beim Locarno Filmfestival 2005 seine erste lange Regiearbeit „3° Kälter“ vor. 2016 folgte sein zweiter Spielfilm „Die Habenichtse“. Sein Schwerpunkt lag jedoch weiterhin auf der Arbeit als Bildgestalter.
Einen Wendepunkt in seiner Karriere stellte der Wechsel nach Großbritannien dar. In Zusammenarbeit mit seiner Mentorin Antonia Bird realisierte Hoffmeister den Fernsehfilm „The Hamburg Cell“ (2004), mit dem er sich auch auf der Insel als Director of Photography etablieren konnte. Besonders fruchtbar erwies sich danach die Zusammenarbeit mit Regisseur Terence Davies. So war Hoffmeister Bildgestalter für „The Deep Blue Sea“ (2011) und „A Quiet Passion – Das Leben der Emily Dickinson“ (2016) – Filme, mit denen er international auf sich aufmerksam machte. Daneben trug sein Engagement bei der Golden Globe nominierten Serie „Five Days“ (2007-2010, Creator: Gwyneth Hughes) zur wachsenden Reputation von Hoffmeister bei.
Zu Beginn der 2010er Jahre gelang Hoffmeister ein bedeutender Erfolg in seiner Karriere: Als erster Bildgestalter gewann er für die BBC-Miniserie „Great Expectations – Charles Dickens` große Erwartungen“ (2011-2012, Regie: Brian Kirk) sowohl einen Emmy, einen BAFTA, als auch einen ASC Award. Zudem wurde er 2014 vom Branchenblatt Variety als einer von „10 Cinematographers to Watch" gelistet.
In den Folgejahren erweiterte sich Hoffmeisters Wirkungsbereich auch auf Hollywood-Produktionen wie „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ (2016, Regie: David Koepp), prominent besetzt mit Johnny Depp und Gwyneth Paltrow, oder die HBO-Serie „True Detective: Night Country“ (2024, Creators: Nic Pizzolatto, Issa López). Gerade diese Phase zeugt von der stilistischen Bandbreite seines Schaffens: vom aufwendigen Kostümfilm über Komödie, Thriller und Horror gestaltet Hoffmeister Bilder in unterschiedlichen Genres.
Für den Spielfilm TÁR (2022, Regie: Todd Field) mit Cate Blanchett in der Hauptrolle wurde Hoffmeister für seine Bildgestaltung erstmals für einen Oscar nominiert. Zuletzt gab es von ihm die Komödie „Die Rosenschlacht“ (2025, Regie: Jay Roach) mit Olivia Colman und Benedict Cumberbatch in den Kinos zu sehen.
Florian Hoffmeister nimmt den Marburger Kamerapreis am Freitag, 15. Mai, um 20 Uhr im Cineplex Marburg entgegen. Begleitet wird die Auszeichnung auch in diesem Jahr durch die Bild-Kunst-Kameragespräche vom 13. bis 15. Mai in den Filmkunsttheatern im Capitol Marburg.
Hintergrund
Der Marburger Kamerapreis wird seit 2001 vergeben. Die Philipps-Universität Marburg und die Universitätsstadt Marburg vergeben den mit 5.000 Euro dotierten Marburger Kamerapreis in diesem Jahr zum 25. Mal. Ziel ist es, diejenigen zu würdigen, die das zentrale Element des Films, das Bild, schaffen und oft zu Gunsten von Schauspieler*innen und Regisseur*innen in den Hintergrund treten. Bei den jährlichen Marburger Bild-Kunst Kameragesprächen steht daher die Bildgestaltung im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Weitere Informationen finden sich unter www.marburger-kamerapreis.de. (Pressetext: Pressestelle der Stadt Marburg)