27.03.2026 GBM-Doktorandenpreis 2026 für Marburger Nachwuchsforscher Anuj Kumar

Auszeichnung für herausragende Dissertation zur CO₂-Verwertung und Energiegewinnung bei Mikroorganismen

Anuj Kumar hinter Vortragspult erläutert seine Forschung
Foto: Katharina Hieke-Kubatzky
Dr. Anuj Kumar erläutert in einem Kurzvortrag seine Forschung.

Dr. Anuj Kumar von der Philipps-Universität Marburg ist mit dem Doktorandenpreis 2026 der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) ausgezeichnet worden. Der Preis würdigt eine herausragende Promotion in der Biochemie und ist mit 1.500 Euro dotiert. Kumar erhielt die Auszeichnung am 26. März im Rahmen des 77. Mosbacher Kolloquiums und stellte dort seine Forschung in einem Kurzvortrag vor. Seine Dissertation untersucht die strukturellen Grundlagen der CO₂-Fixierung und Energiegewinnung in sogenannten acetogenen Bakterien; durchgeführt wurde die Arbeit am Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO) in Marburg.

Leben ohne Sauerstoff

Acetogene Bakterien sind Mikroorganismen, die ohne Sauerstoff leben und eine wichtige Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf spielen: Sie wandeln Kohlendioxid (CO₂) in Zellbausteine um. Dabei arbeiten sie unter extrem energiearmen Bedingungen nahe der Grenze dessen, was Leben energetisch leisten kann. Dr. Kumar konnte mithilfe einer modernen elektronenmikroskopischen Methode erstmals detaillierte Strukturen zentraler Enzymkomplexe dieser Bakterien sichtbar machen. Diese molekularen Maschinen verbinden die CO₂-Verwertung mit der Energiegewinnung. Durch die Analyse verschiedener Funktionszustände gelang es ihm zu zeigen, wie diese Systeme effizient arbeiten und selbst unter minimalen Energiebedingungen chemisch anspruchsvolle Reaktionen ermöglichen. Die Ergebnisse liefern neue Einblicke darin, wie sich Leben an extreme Umweltbedingungen anpasst.

„Die Arbeit von Dr. Anuj Kumar zeigt eindrucksvoll, wie moderne Strukturbiologie neue Einblicke in grundlegende Prozesse der Energiegewinnung unter extremen Bedingungen ermöglicht“, sagt Gert Bange. „Solche Erkenntnisse sind von großer strategischer Bedeutung, weil sie unser Verständnis globaler Stoffkreisläufe vertiefen und langfristig neue Ansätze für nachhaltige biotechnologische Anwendungen eröffnen.“

Anuj Kumar studierte Physik am Indian Institute of Science Education and Research (IISER) in Mohali, Indien, wo er den Bachelor- und Masterabschluss erwarb. Während seiner Masterarbeit forschte er am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie in Hamburg und entwickelte dort sein Interesse an Elektronenmikroskopie und Strukturbiologie. Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Center for Free-Electron Laser Science des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) in Hamburg sowie am Kavli Institute of Nanoscience der Technischen Universität Delft tätig. Seine Promotion absolvierte er an der Philipps-Universität Marburg unter der Betreuung von Dr. Jan Schuller und Prof. Dr. Volker Müller (Uni Frankfurt).

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