20.03.2026 Hoffnungsschimmer im Kampf gegen resistente Krebszellen
MarBiNa-Förderpreis für Mediziner Dr. Niklas Gremke
Der Mediziner Dr. Niklas Gremke hat einen Hebel entdeckt, mit dem sich resistente Krebszellen gezielt zerstören lassen. Für seine Forschungen erhielt der 34-Jährige den Förderpreis der Initiative für Bio- und Nanotechnologie, die von der Stadt Marburg, der Philipps-Universität und Unternehmen getragen wird.
„Ich freue mich besonders, dass mit Niklas Gremke erstmals ein Mediziner mit dem Marburger Förderpreis für Bio- und Nanotechnologie ausgezeichnet wird“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Preisverleihung. Aus seiner Praxis als früherer Klinikarzt wisse er, welches Leid Krebserkrankungen verursachen: „Die Forschungen von Niklas Gremke sind ein Hoffnungsschimmer für Menschen mit resistenten Krebszellen.“ Im Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (Synmikro) überreichte Spies den mit 5000 Euro dotierten Preis. Spies ist Vorsitzender der Initiative Bio- und Nanotechnologie, die den Preis auslobt.
Niklas Gremke ist bereits der zehnte Träger des MarBiNa-Förderpreises, mit dem junge Forschende ausgezeichnet werden. Der Hintergrund: Marburg ist ein wichtiger Standort für Bio- und Nanotechnologie. Deshalb hat es sich die von Stadt, Universität und Unternehmen gemeinsam gegründete Initiative zum Ziel gesetzt, Wirtschaft und Wissenschaft durch Gespräche, Seminare und Treffen besser zu vernetzen und Nachwuchswissenschaftler*innen zu fördern. „Echte Innovation entsteht dort, wo unternehmerischer Pioniergeist und exzellente Forschung zusammenfinden“, erläuterte Spies.
Der Forscher und Gynäkologe Niklas Gremke hat einen Weg gefunden, wie sich Resistenzen bei Krebs-Erkrankungen bekämpfen lassen. Darunter zu verstehen ist die Widerstandsfähigkeit von Krebszellen gegenüber Behandlungen beziehungsweise Medikamente, die somit unwirksam werden. Der Ansatz stammt eigentlich noch aus der Zeit seiner Promotion, als er über therapieresistente Lungentumore im Institut für molekulare Onkologie forschte. Seine Ergebnisse wurden von Stiftungen gefördert und in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht.
Arzt und Forscher
Seit 2019 arbeitet Gremke in der Universitäts-Frauenklinik und verwendete als Teilnehmer des „Success-Programms“ der Uni Marburg drei Jahre lang die Hälfte seiner Zeit für Forschung. Er baute sich eine eigene Nachwuchsgruppe auf, die nach den Mechanismen und den Bekämpfungsmöglichkeiten von Therapieresistenzen bei Brustkrebs fragte.
Er untersuchte die Krebszellen einer Untergruppe von Patientinnen, bei der sich Tumorzellen der Wirkung der Krebstherapeutika entziehen, indem sie einen intrazellulären Schalter (mTOR-Signalweg) aktivieren, der das Wachstum der Tumorzellen wieder hochfährt. Dabei wird zugleich die zelluläre „Müllabfuhr“ gehemmt, mit der beschädigte Zellen und andere Bestandteile abgebaut werden – ein wichtiger Überlebensmechanismus für den Menschen. „Dies ist aber zugleich die Schwachstelle“, sagte Gremke. Die Tumorzellen, bei denen die Müllabfuhr nicht mehr funktioniert, seien nämlich besonders empfindlich gegenüber Wirkstoffen, die den Energiestoffwechsel stören. Dazu gehört das in der Diabetes-Therapie genutzte Metformin.
Ziel: Probleme lösen
„Resistenz bedeutet nicht nur Therapieversagen, sondern kann auch neue therapeutische Verwundbarkeiten offenlegen“, erklärte Gremke. Die resistenten Brustkrebszellen ließen sich zumindest im Labor und bei Mäusen gezielt zerstören. Auch die Untersuchung von 1100 Gewebeproben zeigte, dass die Patientinnen davon profitieren könnten. Für den Zelltod unter der Therapie mit Metformin verantwortlich ist ein Mangel der Aminosäure Aspertat, erläuterte Gremke. Aber erst klinische Studien können zeigen, ob der Therapieansatz auch bei Menschen funktioniert.
Niklas Gremke selbst möchte weiter als „forschender Arzt“ arbeiten: „Ich suche im Labor nach Lösungen für Probleme, die mir in der Klinik begegnen“, sagte er. Deswegen hat der Familienvater inzwischen die Verantwortung für die klinischen Studien zu Brust- und Eierstockkrebs seiner Abteilung übernommen. „Ich möchte die beiden Welten miteinander verbinden“, so Gremke.
Weitere Informationen zum MarBiNa-Preis sowie zur Initiative für Bio- und Nanotechnologie gibt es auf www.ibina.de
(Quelle: Pressemitteilung der Stadt Marburg)
Kontakt
Dr. Niklas Gremke
Tel.: 06421 58-65775
Mail: gremken@staff.uni-marburg.de
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
und Institut für molekulare Onkologie
Fachbereich Medizin
Philipps-Universität Marburg