10.08.2026 Mit KI Blutgefäßwachstum schneller auswerten
Informatikstudent Leon Schwarzenberger entwickelt mit „AssayDrive“ eine Software für die medizinische Forschung – das Hessen Ideen Stipendium unterstützt ihn sechs Monate lang bei der Weiterentwicklung seiner Gründungsidee
Von Juli bis Dezember 2026 erhält Leon Schwarzenberger von der Philipps-Universität Marburg für sein Gründungsvorhaben „AssayDrive“ das Hessen Ideen Stipendium. Der Informatikstudent entwickelt eine Software, die das Wachstum neuer Blutgefäße in Gewebeproben automatisch auswertet. Solche sogenannten Angiogenese-Assays kommen beispielsweise in der Krebsforschung, bei der Untersuchung von Wundheilung oder beim Testen von Wirkstoffen zum Einsatz. Bislang werden die Aufnahmen häufig zeitaufwendig per Auge beurteilt. „AssayDrive soll stattdessen mithilfe von Bildverarbeitung und Künstlicher Intelligenz objektive Messwerte liefern – ohne die Proben einzufärben oder spezielle Mikroskoptechnik zu benötigen“, erklärt der 25-jährige Gründer. Das sechsmonatige Stipendium mit einer Förderung von monatlich 2.500 Euro gibt Schwarzenberger nun die Möglichkeit, sich intensiv der Weiterentwicklung seiner Idee zu widmen.
Bootcamp und Pitch-Training
Auf das Hessen Ideen Stipendium wurde Schwarzenberger kurz nach seinem Wechsel nach Marburg aufmerksam. Nach seinem Informatik-Bachelor in Hamburg begann er im Oktober 2025 sein Studium an der Philipps-Universität und kam dort mit der Gründungsberatung MAFEX und Innovation Scout (& Teamcoach) Holger Sommerlad in Kontakt. „Auf dem Weg zur Bewerbung fürs Stipendium nahm Leon am Hessen Ideen Antrags-Bootcamp und anschließend am Pitch-Training von MAFEX teil“, sagt Holger Sommerlad. Gemeinsam mit anderen Gründungsteams arbeitete er dabei unter anderem am Geschäftsmodell, analysierte Wettbewerber und schärfte das Problem, das AssayDrive lösen soll. „Besonders hilfreich war der Austausch mit den anderen Teams und die Möglichkeit, die eigene Idee immer wieder kritisch zu hinterfragen“, sagt Schwarzenberger. MAFEX bietet beide Formate inzwischen dauerhaft als Bausteine der Gründungsförderung an der Philipps-Universität an.
Von der Idee zum Prototypen
Die ursprüngliche Idee für AssayDrive entstand durch ein ganz praktisches Problem aus dem Laboralltag: Schwarzenbergers Freundin arbeitete während ihrer Bachelorarbeit mit Gewebeproben, bei denen das Wachstum von Blutgefäßen unter dem Mikroskop beurteilt werden musste – eine aufwendige Auswertung, deren Ergebnis zudem von der bewertenden Person abhängen kann. Daraus entwickelte Schwarzenberger zunächst im Rahmen seiner Bachelorarbeit ein Modell zur automatisierten Analyse; inzwischen existiert ein funktionsfähiger Prototyp. Während des Stipendiums arbeitet er nun in Vollzeit daran, die Software technisch weiterzuentwickeln, Partnerlabore zu gewinnen und aus dem Prototyp ein tragfähiges Geschäftsmodell zu machen. Das Studium ruht. Perspektivisch soll auch das Team wachsen – neben weiterer Softwareentwicklung ist insbesondere kaufmännische Expertise gefragt, meint Schwarzenberger.
Zwei Marburger Vorhaben im Hessen Ideen Wettbewerb 2026
Auch im aktuellen Hessen Ideen Wettbewerb ist die Philipps-Universität mit zwei Gründungsvorhaben vertreten. „Praxisweit“ von Max Tisborn, Facharzt für Allgemeinmedizin, entwickelt ein Modell, bei dem Telemedizin direkt in die Hausarztpraxis integriert wird: Patientinnen und Patienten kommen weiterhin in ihre vertraute Praxis und werden dort von medizinischen Fachangestellten betreut, während die Ärztin oder der Arzt per Video zugeschaltet wird. Damit soll ärztliche Versorgung flexibler organisiert und insbesondere dem Hausarztmangel begegnet werden. Eine Pilotpraxis erprobt das Modell bereits seit Mai.
Das zweite nominierte Vorhaben „avva“ wird seit April durch das EXIST-Gründungsstipendium gefördert und ist an der Philipps-Universität angesiedelt. Das Team entwickelt eine KI-gestützte Self-Care-App für Frauen mit ADHS. Sie soll insbesondere hormonbedingte Schwankungen der ADHS-Symptomatik im Zusammenhang mit Menstruationszyklus, Perimenopause und Wechseljahren berücksichtigen und Frauen im Alltag individuell unterstützen.
Noch bis zum 13. August abstimmen
Beim Hessen Ideen Wettbewerb entscheidet neben der Jury auch die Öffentlichkeit mit. Die drei Gründungsideen mit den meisten Stimmen im Online-Voting ziehen direkt ins Finale ein. Dort präsentieren die Finalteams ihre Ideen am 24. September live auf der Bühne; anschließend werden die Siegerinnen und Sieger des Wettbewerbs bekannt gegeben.
Kontakt
Holger Sommerlad
Tel.: 06421 28-26782
Mail: holger.sommerlad@uni-marburg.de
Gründungsberater, Teamcoach & Scout
MAFEX – Marburger Zentrum für Entrepreneurship und Innovation
Philipps-Universität Marburg