21.05.2026 Portal zur NS-Geschichte erweitert seine Inhalte
Neue Forschungsergebnisse und Biografien machen die Geschichte der Uni Marburg im Nationalsozialismus greifbarer
Zwei Frauen, die einst an der Universität Marburg promovierten, verloren im Nationalsozialismus nicht nur ihre Heimat, sondern auch ihre akademische Anerkennung: Dr. jur. Alice Eisner und Dr. med. Betty Spier wurde nach ihrer Flucht aus Deutschland von der Universität Marburg der Doktortitel entzogen. Ihre Geschichten sind nun Teil des „Portals zur Geschichte der Universität Marburg im Nationalsozialismus“.
Seit seiner Einführung im Februar 2024 macht das „Portal zur Geschichte der Universität Marburg im Nationalsozialismus“ die komplexe Vergangenheit der Philipps-Universität Marburg transparent und nachvollziehbar. Wie verhielt sich die Universität Marburg im Nationalsozialismus? Welche Menschen wurden verfolgt, ausgeschlossen oder entrechtet? Und welche Spuren dieser Zeit begegnen uns bis heute – in Institutionen, Namen, Sammlungen oder wissenschaftlichen Traditionen? Besucherinnen und Besucher können sich über die Lebensläufe von Studierenden und Lehrenden informieren, die Rolle der Universität während des Nationalsozialismus nachvollziehen und sich mit den Auswirkungen dieser Zeit auseinandersetzen.
Verfolgung und Entrechtung sichtbar machen
Neue Beiträge machen diese Geschichte nun noch greifbarer. So dokumentiert das Portal jetzt ausführlicher die Lebenswege von Dr. jur. Alice Eisner und Dr. med. Betty Spier. Beide Frauen mussten aus Deutschland fliehen; ihnen wurde nach ihrer Emigration 1940 beziehungsweise 1941 durch die Universität Marburg der Doktortitel entzogen. Ihre Exilerfahrungen – von Inhaftierung über wirtschaftliche Unsicherheit bis zu mehrfachen Ortswechseln – sind heute Teil des digitalen Erinnerungsortes.
Sport als Teil nationalsozialistischer Ideologie
Erweitert wurde außerdem der Bereich zum Hochschulinstitut für Leibesübungen (HIfL). Dort wird sichtbar, wie eng Sport und nationalsozialistische Ideologie miteinander verbunden waren. Das Marburger Institut nahm innerhalb der sogenannten „politischen Leibeserziehung“ eine wichtige Rolle ein. Bereits 1934 wurde eine Abteilung für Luftfahrt eingerichtet; Segelflug gehörte fortan verpflichtend zur Ausbildung angehender Turn- und Sportlehrkräfte – auch für Frauen.
Ein offenes und wachsendes Erinnerungsprojekt
„Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit der Universität ist nicht abgeschlossen – und sie darf es auch nicht sein. Das Portal macht sichtbar, dass historische Forschung ein fortlaufender Prozess ist, der immer neue Fragen stellt“, sagt Dr. Esther Krähwinkel, die das Portal betreut. „Das Portal versteht sich ausdrücklich als offenes und wachsendes Projekt. Viele Biografien, Zusammenhänge und Kontinuitäten werden erst heute erforscht. Deshalb laden wir Studierende, Forschende und alle Interessierten ein, sich mit eigenen Perspektiven und Ergebnissen einzubringen.“ Eine fortlaufend aktualisierte Literaturliste sowie die Einbindung studentischer Forschungsprojekte sollen dazu ermutigen, die Geschichte der Universität im Nationalsozialismus weiter zu erforschen und neue Perspektiven einzubringen.
Weitere Informationen
Kontakt
Dr. Esther Krähwinkel
Tel.: 06421 28-25117
Mail: esther.kraehwinkel@ub.uni-marburg.de
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