14.10.2026 Zukunftspreis Nephrologie 2026 für Marburger Mediziner Philipp Russ

Der Forscher untersucht digitale Ansätze für medizinische Ausbildung, klinische Entscheidungen und patientenzentrierte Versorgung in der Nephrologie

Vier Menschen
Foto: Aey Congresse GmbH
Freuten sich mit dem Preisträger Dr. Philipp Russ (2. v. links): Dr. Georg Schlieper (DGfN, links), Dr. Philipp Russ, Dr. Martin Pachmann (DGfN, 2. v. rechts), Prof. Dr. Ivica Grgic (Laudator, Uni Marburg, ganz rechts).

Dr. Philipp Russ arbeitet ärztlich und wissenschaftlich an der Schnittstelle von Nephrologie, digitaler Medizin und medizinischer Ausbildung. Jetzt hat ihn die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) auf ihrer Jahrestagung in Leipzig für seine Arbeiten mit dem „Zukunftspreis Nephrologie 2026“ ausgezeichnet. Mit dem Preis würdigt die Fachgesellschaft innovative Forschungsarbeiten aus interdisziplinären Zukunftsfeldern der Nierenheilkunde (Nephrologie).

Digitale Ansätze für Lehre und Versorgung

„Besonders dankbar bin ich den Kolleginnen und Kollegen für die gemeinsame Arbeit an diesen Projekten“, sagte Russ zur Preisverleihung vergangenen Freitag. In mehreren Erstautorarbeiten entwickelte und evaluierte er ein immersives Virtual-Reality (VR)-Szenario für einen nephrologischen Notfall, ein gamifiziertes Lehrformat zur Vermittlung von Point-of-Care-Ultraschall sowie personalisierte VR-Anwendungen für Patientinnen und Patienten während der Hämodialyse. Darüber hinaus untersuchte er den Einsatz großer KI-Sprachmodelle bei akuter Nierenschädigung.

In einer Studie mit 201 Medizinstudierenden führte beispielsweise das Training eines komplexen nephrologischen Notfalls in Virtual Reality zu einem deutlichen Wissenszuwachs und unterstützte zugleich das klinische Denken. „Was Philipp Russ auszeichnet, ist die Fähigkeit, klinische Bedürfnisse präzise zu analysieren und daraus eigenständige Forschungsansätze zu entwickeln“, sagt Prof. Dr. Ivica Grgic, wissenschaftlicher Mentor von Russ, in seiner Laudatio. Grgic arbeitet im Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin an der Uni Marburg. Grgic weiter: „Seine Arbeiten zeigen, wie digitale Technologien neue Möglichkeiten für die medizinische Ausbildung und Patientenversorgung eröffnen. Er ist ein herausragender Nachwuchswissenschaftler, von dem die Nephrologie künftig wichtige Beiträge erwarten darf.“

Bemerkenswert ist laut Grgic auch der Standort: Der renommierte, im gesamten deutschsprachigen Raum ausgeschriebene Preis geht innerhalb von zwei Jahren bereits zum zweiten Mal nach Marburg. Das hat es in der bisherigen Geschichte der Auszeichnung noch nicht gegeben.

Der 34-jährige Philipp Russ ist Facharzt für Innere Medizin, Notarzt und Hypertensiologe. Er arbeitet als Oberarzt am Zentrum für Notfallmedizin des Universitätsklinikums Marburg sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin der Philipps-Universität Marburg. Seine Forschung verbindet medizinische Ausbildung mit digitalen und datenbasierten Methoden. Schwerpunkte sind nephrologische und notfallmedizinische Fragestellungen sowie die klinische Entscheidungsunterstützung.

Künftig möchte Russ diese Themen noch enger zusammenführen und untersuchen, welche Bedeutung akute Nierenschädigungen und andere renale Risikokonstellationen in der Notfallversorgung haben, welche Merkmale mit ungünstigen Verläufen verbunden sind und wie sich klinische Routinedaten für solche Analysen nutzen lassen. Seine Arbeiten verbinden technische Umsetzbarkeit mit konkreten klinischen und edukativen Fragestellungen und verfolgen das Ziel, Nephrologie zugänglicher, praxisnäher und patientenzentrierter zu machen.

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