24.09.2026 Regine Kahmann mit der Cothenius-Medaille ausgezeichnet
Die Nationale Akademie der Wissenschaften ehrt die emeritierte Direktorin am Max-Planck-Institut und Professorin an der Universität Marburg für ihr Lebenswerk
Prof. Dr. Regine Kahmann untersuchte Infektionsstrategien von Viren und Pilzen, die es diesen ermöglichen, bakterielle beziehungsweise pflanzliche Wirte zu befallen. Ihre Forschung zu Proteinen, die die Virulenz des Brandpilzes Ustilago maydis beeinflussen, bildet die Grundlage für neue Ansätze zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten. Für ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen verleiht die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina Regine Kahmann die Cothenius-Medaille. Die Auszeichnung erfolgt im Rahmen der Leopoldina-Jahresversammlung am Donnerstag, 24. September 2026, in Halle (Saale).
Leopoldina würdigt bahnbrechende Studien zu Pflanzenpathogenen
Regine Kahmann untersuchte die Mechanismen, mit denen Pilze Pflanzen infizieren und Krankheiten auslösen. An Brandpilzen, die bedeutende Kulturpflanzen befallen, zeigte sie, dass deren pathogene Entwicklung durch eine kombinatorische Steuerung von Transkriptionsfaktoren reguliert wird. Später verlagerte sie ihren Forschungsschwerpunkt auf das umfangreiche Repertoire bislang unbekannter Pilz-Effektorproteine und darauf, wie diese Effektoren die pflanzliche Immunabwehr unterdrücken und den Pflanzenstoffwechsel so manipulieren, dass die Vermehrung der Pilze gefördert wird.
Der Pilz Ustilago maydis verursacht den Maisbeulenbrand, eine Krankheit, bei der Maispflanzen große Tumore entwickeln, was zu erheblichen Ertragseinbußen führt. Kahmann entdeckte eine Gruppe von Pilz-Effektorproteinen, bei der jede Komponente für die Virulenz und die Unterdrückung der Immunreaktionen des Wirts unerlässlich ist. Diese Proteine wirken gemeinsam und sind vermutlich an der Translokation pilzlicher Effektoren in die Pflanzenzelle beteiligt. Der Komplex stellt somit ein vielversprechendes Ziel für die Entwicklung von Agrochemikalien und die Bekämpfung pilzlicher Pflanzenkrankheiten dar.
Karriere und Auszeichnungen
Regine Kahmann promovierte an der Freien Universität Berlin. Ihre Forschung führte sie an das Cold Spring Harbor Laboratory auf Long Island. Nach einer Professur für Genetik an der Ludwig-Maximilians-Universität München wechselte sie im Jahr 2000 als Direktorin der Abteilung „Organismische Interaktionen“ zum Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg.
Von 2001 bis 2019 war sie zugleich Professorin für Genetik an der Philipps-Universität Marburg. Im Verlauf ihrer wissenschaftlichen Laufbahn erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Ehrendoktorwürde der Hebrew University, die Mendel-Medaille der Akademie der Wissenschaften Leopoldina, das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland sowie den Leibniz-Preis. 2020 wurde sie zum auswärtigen Mitglied der britischen Royal Society und 2021 in die National Academy of Sciences aufgenommen.
(Quelle: Pressemitteilung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina)