18.09.2026 Schlossbegegnungen: Renaissance(n)
Blick auf die Zeit der Universitätsgründung
Die Veranstaltungsreihe „Schlossbegegnungen“ lädt auch im Oktober dazu ein, Wissenschaft und Kultur im Landgrafenschloss aus unterschiedlichen Perspektiven zu erleben. Im Mittelpunkt steht in diesem Monat das Thema „Renaissance(n)“, denn das 500-jährige Jubiläum der Philipps-Universität, das am 14. Oktober eingeläutet wird, bietet einen schönen Anlass, auf die Zeit ihrer Gründung, die Renaissance, zurückzublicken.
In der Geistesgeschichte tauchen immer wieder Phasen auf, in denen frühere Wissensbestände, Ideen oder Stile neu entdeckt und kreativ transformiert werden. So griff die seit dem 19. Jahrhundert so bezeichnete Epoche der Renaissance die antike Kunst, Philosophie und Wissenschaft auf und verband sie mit zeitgenössischem Denken und zeitgenössischen Ausdrucksformen. Später brachte der Neoklassizismus ebenfalls antike Formen in Architektur, Malerei und Literatur zurück, während die Romantik mittelalterliche Traditionen und Volkspoesie neu interpretierte. Historismus und Postmoderne zeigen, dass solche Transformationen keine Einzelfälle sind: Alte Formen werden zitiert, variiert oder kritisch hinterfragt.
Diese Prozesse verdeutlichen, dass kulturelles Erbe lebendig bleibt, wenn es neu bewertet, aktualisiert und in zeitgemäße Kontexte überführt wird – ein fortwährendes Spiel zwischen Bewahrung, Inspiration und Innovation, aber bisweilen auch das Wiedererwachen überwunden geglaubter Ideologien, autoritärer Weltbilder und sozialer Rollenmuster, die in neuen Gewändern auftreten und an frühere Denk- und Gesellschaftsformen anknüpfen.
Eine besondere Schlossführung mit dem Schwerpunkt Renaissance bietet Wilhelm Stehling am 10. Oktober an (Treffpunkt um 15 Uhr beim Schlossmodell an der Bushaltestelle Schloss). Mit ihm können Zeugnissen der Renaissance und dem Leben der Menschen dieser Epoche im Landgrafenschloss Marburg nachgespürt werden. Eintritt: Museumseintritt (8 EUR, erm. 5 EUR); Anmeldung: schlossbegegnungen@uni-marburg.de
Ein kurzweiliger Tanzworkshop unter der kundigen Anleitung von Fido Wagler von der Landesarbeitsgemeinschaft Tanz Hessen e. V. führt am 26. Oktober mit Beginn um 17 Uhr im Fürstensaal in die praktische Kunst der Renaissancetänze als Paar- und Gruppentänze ein und informiert über Wissenswertes aus dem thematischen Umfeld von Gesellschaft, Tanz, Musik und andere Künste in der Zeit der Renaissance. Mit authentischer Renaissancemusik, für Groß und Klein. Eintritt: Pay as you wish an der Abendkasse.
Prof. Dr. Peter Bell, Kunstgeschichte, lädt am 27. Oktober um 19 Uhr im Rahmen der Schlossfolgerungen zu einem Vortrag ein: „Das Studiolo – Dispositiv und Gelehrtenbild in der Renaissance“. Im Studiolo laufen Ideen der Renaissance wie auch der Renaissanceforschung in einem Raum zusammen. Es ist ein Ort des Wissens und des Gelehrten, aber auch ein Ort, um Gelehrtsein zu postulieren. Es ist ein in der italienischen Frührenaissance architektonisch greifbarer Raum und auch – mit Gelehrtenstube/‘Gehäuse’ – ein gemalter Raum. Das Studiolo und seine Nutzenden, dessen gemalte Repräsentanten und die darin Dargestellten sowie die damit verbundenen Objekte wie Bücher, Schreibwerkzeuge und Geräte bilden ein die Renaissance mit konstituierendes Dispositiv. Eintritt frei.
Weitere Veranstaltungen:
20. Oktober, 17 Uhr: Aufgetischt – Auf einen Kaffee mit …
… Prof. Dr. Constanze Spieß, Pragmalinguistik, zum Thema „Rückgriffe auf frühere Formen im Sprachgebrauch des 20./21. Jahrhunderts“ und zu vielem mehr – eine Gesprächsrunde. Begrenzte Teilnehmerzahl; Anmeldung: schlossbegegnungen@uni-marburg.de
27. Oktober, 18:30 Uhr: Schlossgarn – Erzählgespräche. 30 Minuten vor Beginn der „Schlossfolgerungen“ wird ein phantasievoller Kontrapunkt mit (beinahe) improvisierten Geschichten gesetzt. Dies geschieht gemeinsam durch den professionellen Erzähler und Autor Florian Schwebel und das Publikum. Eintritt frei.
Ausblick November 2027: Aufbruch
Die Gründung der Universität durch Philipp den Großmütigen war auch ein Aufbruch in eine neue Epoche. Wir beleuchten das Phänomen Aufbruch etwas allgemeiner, auch in dem Sinne, dass alte Muster aufgebrochen werden, dass neue Sphären erschlossen werden oder auch Barrieren durch- und aufgebrochen werden. Unsere Veranstaltungen laden dazu ein, Übergänge zwischen Räumen, Zeiten und Ideen zu erkunden und zu rätseln, was hinter jeder Schwelle wartet.
Hintergrund
Mit der Reihe „Schlossbegegnungen“ öffnet Philipps-Universität das Landgrafenschloss gezielt als Ort des Austauschs und lädt Stadtgesellschaft und Gäste dazu ein, Wissenschaft und Kultur in neuen Formaten zu erleben – anschaulich, dialogisch und überraschend vielseitig. Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Universität organisiert das Programm und spannt damit den Bogen zwischen Wissenschaft, Kunst und gesellschaftlichem Dialog. Das Marburger Wahrzeichen wird damit zu einem attraktiven, zeitgemäßen und zukunftsoffenen Museums-, Erlebnis-, Veranstaltungs-, und Bildungsort. Jeder Monat steht unter einem anderen thematischen Schwerpunkt. Die Veranstaltungen laden dazu ein, sich für Neues zu öffnen, mit anderen in Kontakt zu treten, voneinander zu lernen und vieles gemeinsam zu erleben.
Weitere Informationen
Anmeldung und Kontakt: schlossbegegnungen@uni-marburg.de
Programmvorschau: www.uni-marburg.de/schlossbegegnungen
Kontakt
PD Dr. Anna Widmer
Tel.: 0151-21448739
Mail: schlossbegegnungen@uni-marburg.de
Referentin für Veranstaltungen und Kommunikation
Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Philipps-Universität Marburg