28.05.2026 Schlossbegegnungen zum Thema Resonanzen

Veranstaltungsreihe beleuchtet im Juni das Phänomen Mitschwingen im konkreten wie übertragenen Sinn

Tabea Zimmermann
Foto: Marco Borggreve
Die Bratschistin Tabea Zimmermann tritt am 14. Juni im Schloss auf.

Wo etwas in Bewegung gerät, kann anderes mitschwingen: verstärkt, vertieft, verwandelt. In der Physik reagiert ein System auf die passende Frequenz: Brücken, die schwanken, Glas, das zerspringt, oder Atome in der Quantenphysik, die auf bestimmte Frequenzen resonant reagieren. Resonanz zeigt: Systeme reagieren aufeinander. In der Musik wird Resonanz hörbar: Bei Saiteninstrumenten bringt eine schwingende Saite den Resonanzkörper zum Klingen, Obertöne bereichern den Klang. Auch zwischen Menschen entsteht Resonanz. Worte, Blicke, Ideen können Echo erzeugen, Gemeinschaft stiften oder verhallen. Unsere Veranstaltungen erkunden Resonanzen in Physik, Musik und Gesellschaft; sie laden dazu ein, hinzuhören: Wo geraten wir ins Mitschwingen? Was verstärken wir – und was bringen wir selbst zum Klingen?

Bei einer Podiumsdiskussion im Fürstensaal am Dienstag, 2. Juni, geht es im neuen Format „Entschlossen für Demokratie – Wo Geschichte auf Zukunft trifft“ um die Resonanz in unserer Gesellschaft. Nach einem Input-Vortrag der Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Isabelle Borucki, zu deren Schwerpunkten Parteienforschung und politische Kommunikation gehören, diskutieren Mitglieder der DFG-Forschungsgruppe „Kontroverse Diskurse“ über die Schnittstelle Sprache und Politik und deren Entwicklung in der deutschen Sprachgeschichte als Diskursgeschichte seit 1990. Die Mitdiskutand*innen – Swantje Köhler (Universität Trier), Lesley-Ann Kern (Universität Marburg), Prof. Dr. Marcus Müller (TU Darmstadt) und Prof. Dr. Constanze Spieß (Universität Marburg) – forschen zu verschiedenen Themenfeldern; dadurch ergibt sich eine vollständige, empirisch abgesicherte Gesamtdarstellung. Moderiert wird das Gespräch von der Marburger Sprechwissenschaftlerin Prof. Dr. Kati Hannken-Illjes. Der Eintritt ist frei.

Um Resonanzen aus dem Pflanzenreich – ein bisschen wie im Film „Silent Friend“ – geht es beim Workshop des Düsseldorfer Komponisten Christian Banasik: Natur, Technologie und Kunst werden kreativ miteinander verbunden. Ein einleitender Kurzvortrag gewährt Einblicke in die Geschichte dieser Kompositionstechnik und beleuchtet kulturelle sowie technologische Voraussetzungen. Eigene Topfpflanzen können mitgebracht werden – diese verwandeln die Teilnehmer*innen mithilfe spezieller Interfaces, einer Digital Audio Workstation und virtuellen Synthesizern in kleine Klanglandschaften. Der Workshop „Resonances of Leaves“ findet am 7. Juni, 18 Uhr, im Format „Resonanzräume – Besondere Orte, besondere Klänge“ statt. Eintritt: Pay what you want.

Speziell um Resonanzen von Saiten geht es beim 1. Musikfestival im Landgrafenschloss: „Saiten und Sphären“ heißt das dreitägige Event vom 12. bis 14. Juni mit drei Konzerten und Rahmenprogramm, von den Marburger Schlosskonzerten organisiert. 

Der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Michael Braun (Universität Kiel) hält einen Vortrag über den Komponisten Béla Bartók und dessen Bezüge zu J. S. Bach. Im nachfolgenden Konzert spielt der Ausnahmemusiker Sergey Malov Werke von Bach und Bartók auf der Violine und auf dem Violoncello da Spalla, einem Instrument, das aus der Barockzeit stammt und für das Bach wohl seine berühmten Cellosuiten ursprünglich komponiert hatte. Die fünf Saiten der Viola pomposa, wie sie auch genannt wird, erzeugen einen besonders weichen, warmen, schlanken, aber dennoch cellotypischen Ton.

Das international zusammengesetzte Oberon Trio feiert sein 20-jähriges Bestehen mit einem Programm, das Shakespeare verpflichtet ist: Charlotte Brays Komposition „Those Secret Eyes“ ist von den weiblichen Charakteren von „Macbeth“ inspiriert, „That Crazed Smile“ von „Ein Sommernachtstraum“. Weitere Werke auf dem Programm stammen aus der Feder von Mendelssohn und Schubert. Als Einstimmung findet eine Lesung der Schauspielerin Mechthild Grabner aus „Ein Sommernachtstraum“ eine Stunde vor Konzertbeginn statt.

Den krönenden Abschluss des Festivals bildet das Konzert der weltberühmten Bratschistin Tabea Zimmermann, die von Thomas Hoppe am Klavier begleitet wird. Auf dem Programm stehen Kompositionen von Hummel, Brahms und Reger.

Weitere Infos: https://marburger-schlosskonzerte.de/konzerte/2026-06-12-14

Bei einer Schlossführung am 20. Juni mit dem Schwerpunkt Resonanzen klärt der Marburg-Kenner Wilhelm Stehling im Landgrafenschloss über Zusammenhänge zwischen Geschichte, Schlossarchitektur und Musik im Schloss auf (Anmeldung: ; Eintritt: 8 EUR, erm. 5 EUR).

Weitere Veranstaltungen im Juni (Anmeldung: , Eintritt frei): 

7. Juni: Schlosszauber: Glasmusik – mit Wasser und Glas Schwingungen und Stimmungen erzeugen (Kinderprogramm)

30. Juni: Aufgetischt – Auf einen Kaffee mit … 
… Prof. Dr. Nadine Leisgang, Physik, LOEWE-Startprofessur, zum Thema „Resonanz in der Quantenphysik“ und zu vielem mehr – eine Gesprächsrunde.

Ausblick Juli 2026: Rösselsprung

Mit einer Vielzahl von Veranstaltungen, Vorträgen mit und ohne Filmanteil, einem Workshop für ganz verschiedene Zielgruppen sowie einem Simultanspiel gegen 16 Kandidat*innen, die sich schon jetzt über schlossbegegnungen@uni-marburg.de anmelden können, kommt die Uni mit der Stadtgesellschaft über das wohl internationalste und inklusivste Spiel der Welt ins Gespräch: das Schach. 

Hintergrund zu den Schlossbegegnungen

Mit der Reihe „Schlossbegegnungen“ öffnet die Philipps-Universität das Landgrafenschloss gezielt als Ort des Austauschs und lädt Stadtgesellschaft und Gäste dazu ein, Wissenschaft und Kultur in neuen Formaten zu erleben – anschaulich, dialogisch und überraschend vielseitig. Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Universität organisiert das Programm und spannt damit den Bogen zwischen Wissenschaft, Kunst und gesellschaftlichem Dialog. Das Marburger Wahrzeichen wird damit zu einem attraktiven, zeitgemäßen und zukunftsoffenen Museums-, Erlebnis-, Veranstaltungs- und Bildungsort. Jeder Monat steht unter einem anderen thematischen Schwerpunkt. Die Veranstaltungen laden dazu ein, sich für Neues zu öffnen, mit anderen in Kontakt zu treten, voneinander zu lernen und vieles gemeinsam zu erleben.

Anmeldung und Kontakt:

Programmvorschau: www.uni-marburg.de/schlossbegegnungen

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