06.03.2026 Sicherer Frieden trotz kultureller Grenzen
Projekt des Marburger Neuzeithistorikers Christoph Kampmann erforscht Friedensverträge im kolonialen Nordamerika
Erfolg für die Marburger Geschichtswissenschaften: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert ein neues Projekt des Historikers Christoph Kampmann von der Philipps-Universität Marburg. Im Forschungsvorhaben „So that our Children may enjoy a lasting peace“ werden systematisch Friedensschlüsse und Verträge zwischen europäischen Kolonialmächten und indigenen Gemeinschaften in Nordamerika im 17. und 18. Jahrhundert untersucht. Im Fokus stehen Strategien der Vertragssicherung, also Maßnahmen, die die Dauerhaftigkeit von Abkommen gewährleisten und zukünftige Vertragsbrüche verhindern sollten. Wie versuchten die beteiligten Akteure sicherzustellen, dass Friedensschlüsse nicht nur auf dem Papier existierten, sondern tatsächlich umgesetzt und möglichst langfristig eingehalten wurden? Dieses Thema ist bis heute bei Friedensschlüssen sehr aktuell.
Mit diesem Ansatz betritt das Projekt Neuland: Frühneuzeitliche Praktiken der Vertrags- und Friedenssicherung sind zwar für das christliche Europa untersucht worden, allerdings nicht für koloniale Kontexte. Dort stellte sich jedoch wegen des Fehlens von verbindenden Elementen wie einer gemeinsamen Religion oder politischen Kultur die Frage der Dauerhaftigkeit von Abkommen in besonderem Maß.
„Das Projekt zielt darauf, bestehende Stereotypen zu überwinden. Bislang wurden ,Kolonialverträge‘ vielfach als reine Instrumente der europäischen Machtausweitung dargestellt, die indigenen Vertragsparteien wurden dabei weitgehend als passive Opfer gesehen“, sagt Projektleiter Christoph Kampmann. „Wir beziehen gezielt indigene Perspektiven auf die Frage der Vertragssicherung ein. Dadurch können wir zeigen, dass die in Nordamerika abgeschlossenen Verträge zwischen kolonialen und indigenen Akteuren das Ergebnis komplexer Aushandlungsprozesse waren. Beide Seiten brachten darin ihre Werte, Vorstellungen und Traditionen ein und verknüpften sie auf oft innovative Weise zu neuen diplomatischen Praktiken.“
Das Projekt ergänzt bestehende Forschungsschwerpunkte der Marburger Geschichtswissenschaften in der Sicherheits-, Völkerrechts- und vergleichenden Imperiengeschichte und leistet einen Beitrag zur Stärkung des Campusschwerpunkts „Sicherheit, Konflikt, Ordnung“ des Forschungscampus Mittelhessen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt „,So that our Children may enjoy a lasting peace‘: Praktiken der Absicherung von Friedensverträgen zwischen Europäern und Indigenen im kolonialen Nordamerika, ca.1605 – 1774“ mit 200.000 Euro für eine Laufzeit von drei Jahren.
Kontakt
Prof. Dr. Christoph Kampmann
Tel.: 06421 28-24604
Mail: christoph.kampmann@uni-marburg.de
Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften
Geschichte der Frühen Neuzeit
Philipps-Universität Marburg