25.06.2026 Wer verteidigt Europa? Jana Puglierin diskutiert in Marburg über Europas Sicherheit

Gemeinsame Veranstaltung von EUPeace und dem Zentrum für Konfliktforschung zur Zukunft der europäischen Sicherheit

zwei Menschen auf Stühlen
Foto: Leon Hebeisen
Prof. Dr. Thorsten Bonacker und Dr. Jana Puglierin diskutierten die Sicherheit Europas.

Großes Interesse fand die öffentliche Veranstaltung des Zentrums für Konfliktforschung (ZfK) der Philipps-Universität Marburg und der europäischen Hochschulallianz EUPeace mit Dr. Jana Puglierin. Die Expertin für europäische Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik stellte ihr neues Buch „Wer verteidigt Europa? Die neuen Kriegsgefahren und was wir tun müssen, um uns zu schützen“ vor und freute sich insbesondere über den hohen Anteil an Studierenden im Publikum. Puglierin zählt zu den profiliertesten Fachleuten auf dem Gebiet und leitet den Think-Tank „European Council on Foreign Relations“ in Berlin.

Im Mittelpunkt ihres Vortrags standen die sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sowie der wachsenden Unsicherheit über die künftige Rolle der USA in der transatlantischen Sicherheitsarchitektur. Puglierin analysierte die Motive russischer Außenpolitik und verwies auf imperialistische Bestrebungen, die Infragestellung der europäischen Sicherheitsordnung und den Anspruch Russlands auf eine Großmachtrolle.

Unsicherheitsfaktoren

Zugleich bezeichnete sie die USA derzeit als den größten Unsicherheitsfaktor für Europa. Europa bleibe zwar auf die Vereinigten Staaten angewiesen, könne sich jedoch nicht mehr uneingeschränkt auf deren Unterstützung verlassen. Umso wichtiger sei es, die eigene Verteidigungs- und Handlungsfähigkeit auszubauen – nicht nur militärisch, sondern in allen Bereichen der Sicherheitspolitik. Dazu gehörten eine stärkere europäische Zusammenarbeit, mehr gesellschaftliche Resilienz sowie ein bewussterer Umgang mit sicherheitspolitischen Risiken.

Im Anschluss diskutierte Puglierin mit Prof. Dr. Thorsten Bonacker, Professor für Friedens- und Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg und Direktor des Zentrums für Konfliktforschung, sowie mit dem Publikum. Im Mittelpunkt standen Fragen zur Zukunft der NATO, zur europäischen Solidarität in Krisen- und Kriegszeiten und zur Rolle der Bevölkerung bei sicherheitspolitischen Entscheidungen.

Puglierin betonte, dass Europa bereits heute darüber sprechen müsse, was gegenseitige Solidarität im Ernstfall konkret bedeute. Langfristig müsse Europa in der Lage sein, innerhalb der NATO eigenständig für seine Verteidigung zu sorgen. Abschließend unterstrich sie die Bedeutung einer gemeinsamen europäischen Russlandpolitik – auch über einen möglichen Waffenstillstand in der Ukraine hinaus.

Weitere Informationen
EUPeace: https://www.eupeace.eu
Marburger Konfliktforschung: https://www.uni-marburg.de/de/konfliktforschung

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