28.05.2026 Stabwechsel in der Anästhesiologie: Prof. Wulf verabschiedet sich – Prof. Schmitt übernimmt die Klinikleitung
Mit einer Abschiedsvorlesung von Prof. Hinnerk Wulf in der historischen Aula der alten Universität endete eine prägende Ära am Universitätsklinikum Marburg – zugleich beginnt mit Prof. Felix Schmitt ein neues Kapitel an der Spitze der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
Nach 25 Jahren an der Spitze der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Marburg verabschiedete sich Prof. Dr. Hinnerk Wulf mit einer Abschiedsvorlesung aus der Klinikleitung. Unter dem Titel „Anästhesie im Rückspiegel“ blickte er auf ein Berufsleben zurück, das von universitärer Medizin, wissenschaftlicher Weiterentwicklung und engagierter Lehre geprägt war. Gleichzeitig markiert die Veranstaltung den offiziellen Übergang an seinen Nachfolger: Seit dem 1. November 2025 leitet Prof. Dr. Felix Schmitt die Klinik.
Prof. Dr. Hinnerk Wulf (67) kam am 1. April 2001 aus Kiel nach Marburg und führte die damalige Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie bis zum 31. Oktober 2025. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Klinik zu einer der zentralen Einrichtungen des Universitätsklinikums. Heute ist sie mit mehr als 100 Ärztinnen und Ärzten die größte Abteilung des Hauses: Jährlich werden mehr als 20.000 Narkosen durchgeführt, 20 Intensivbetten betreut sowie die Versorgung chronischer Schmerzpatientinnen und -patienten, die Palliativmedizin und große Teile der regionalen Notfallmedizin mitgetragen.
Herausforderung Coronazeit
Wissenschaftlich setzte Wulf insbesondere Akzente in der Intensivmedizin – unter anderem zu akutem Lungenversagen (ARDS), ECMO-Therapien (also Themen, die vor allem auch während der Coronaepedemie besondere Bedeutung hatten), postoperativem Nierenversagen – sowie in der Anästhesiologie mit Schwerpunkten in Regionalanästhesie, Pharmakologie der Anästhetika und Ultraschallanwendungen. Darüber hinaus engagierte er sich über viele Jahre als Sprecher der Klinikdirektorinnen und Klinikdirektoren am Standort Marburg.
Ein besonderes Anliegen blieb ihm während seiner gesamten Laufbahn die medizinische Lehre. Seit Juli 2025 ist Wulf Prodekan für Lehre (Studiendekan) des Fachbereichs Medizin.
„Kein Tag wie der andere“
Prof. Wulf zieht folgende persönliche Bilanz: „Die Vielfalt der universitären Aufgaben in Forschung, Lehre und Krankenversorgung, die täglichen Herausforderungen bei der Betreuung von Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen – vom Frühgeborenen bis zum über 100-Jährigen –, in den Operationssälen, auf den Intensivstationen, in der Schmerzambulanz, auf der Palliativstation und in der Notfallmedizin haben mich mein ganzes Berufsleben lang motiviert. Ich bin jeden Tag gerne zur Arbeit in einem großartigen Team gefahren – und kein Tag war langweilig. Wenn man das nach mehr als 40 Jahren im Beruf sagen kann, ist das eine wirklich schöne Bilanz. Meinem Nachfolger Felix Schmitt wünsche ich alles Gute und weiß Patientinnen, Patienten und das Team in guten Händen.“
Nachfolger aus der Universitätsmedizin Heidelberg
Mit Prof. Dr. Felix Schmitt (43) übernimmt ein ausgewiesener Experte für Intensiv- und Notfallmedizin die Leitung der nunmehr als Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin bezeichneten Einrichtung. Im Rahmen der Veranstaltung stellte er sich mit seiner Antrittsvorlesung „Anästhesie der Zukunft: Mehr perioperative Medizin als Narkose“ erstmals in seiner neuen Funktion der Öffentlichkeit vor und skizzierte dabei seine Perspektive auf die Weiterentwicklung des Fachs.
Schmitt absolvierte seine Facharztausbildung am Universitätsklinikum Heidelberg und durchlief dort das gesamte Spektrum der Anästhesiologie einschließlich der Kardioanästhesie. Früh legte er einen Schwerpunkt auf die Intensivmedizin – unter anderem durch Einsätze auf der kinderkardiologischen Intensivstation und den Erwerb der Zusatzbezeichnung Spezielle Intensivmedizin. Weitere klinische Schwerpunkte liegen in der Kinderanästhesie, insbesondere in der anästhesiologischen Versorgung neurochirurgischer Eingriffe im Kindesalter.
Darüber hinaus war Schmitt umfassend in der präklinischen und innerklinischen Notfallmedizin tätig – unter anderem im Einsatz auf boden- und luftgebundenen Rettungsmitteln. Klinisch und wissenschaftlich befasst er sich insbesondere mit der Versorgung von Sepsis-Patientinnen und -Patienten sowie mit Fragen der Hämostaseologie. Als Mitautor wirkte er an der bundesweit geltenden S3-Leitlinie zur Sepsisversorgung mit. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit liegen in der Behandlung akuter Blutungen, erworbener Gerinnungsstörungen und der Point-of-Care-Gerinnungsdiagnostik.
Mit seiner Antrittsvorlesung betonte Schmitt die wachsende Bedeutung der perioperativen Medizin und damit eines umfassenden Behandlungsansatzes, der Patientinnen und Patienten vor, während und nach operativen Eingriffen begleitet.
Prof. Schmitt beschreibt seinen Ausblick so: „Es ist mir eine große Freude und Ehre, die Klinik für Anästhesiologie in Marburg mit ihrer langen Tradition zu übernehmen. Gemeinsam mit einem hervorragenden Team möchte ich die Klinik weiterentwickeln und auch künftig eine exzellente medizinische Versorgung auf universitärem Niveau für unsere Patientinnen und Patienten sicherstellen.“
Kontakt
Prof. Dr. Hinnerk Wulf
Mail: wulfh@med.uni-marburg.de
Fachbereich Medizin
Philipps-Universität Marburg