28.05.2026 Forschende untersuchen den Strukturwandel in Hessen seit den 1950er Jahren
Förderung des Projekts von Prof. Dr. Christian Kleinschmidt im Rahmen der Förderlinie "Hessische Wissensnetzwerke"
Mit dem Programm „Stärkung der Demokratieforschung Hessen“ unterstützt das hessische Wissenschaftsministerium exzellente Forschungsvorhaben an den Hochschulen, die in die Gesellschaft wirken, gut in der Praxis anwendbar sind und Forschende mit Akteurinnen und Akteuren vernetzen. Für die Förderlinie „Hessische Wissensnetzwerke“ haben externe Gutachtende und der wissenschaftliche Beirat des Programms fünf Projekte ausgesucht. Über 250.000 Euro fließen bis 2027 in diese Vorhaben. Die Anträge kommen von der Philipps-Universität Marburg, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Frankfurt University of Applied Sciences, der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt am Main.
„Unsere Demokratie resilient zu machen gegen Extremismus und Polarisierung, ist eine der dringlichsten Aufgaben unserer Zeit. Wissenschaft und Forschung leisten dazu einen entscheidenden Beitrag“, so Wissenschaftsminister Timon Gremmels. „Die geförderten Vorhaben vernetzen Hochschulen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Sicherheitsbehörden, kulturellen Einrichtungen und Archiven. So entstehen Forschungsergebnisse, die wissenschaftlich relevant sind und gleichzeitig konkrete Wirkung für unsere Gesellschaft entfalten können.“
Die Philipps-Universität Marburg erhält mit den Kooperationspartnern Hessisches Wirtschaftsarchiv e.V. und Hessisches Institut für Landesgeschichte für das Projekt „StrukturENwandel – Demokratie – Partizipation Ein konsekutives, dynamisches und interdisziplinäres Langzeitprojekt“ 28.392 Euro.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Kleinschmidt untersucht das Forschungsprojekt, wie sich der Strukturwandel in Hessen seit den 1950er- und 1960er-Jahren auf Regionen und das Leben der Menschen ausgewirkt hat. Im Mittelpunkt stehen Beispiele aus der Verkehrs- und Mobilitätsplanung sowie Fragen nach Lebensqualität, Chancengleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe. Die Forschenden analysieren, wie Debatten die Entwicklung von Regionen geprägt haben, welche Mitwirkungsmöglichkeiten Bürgerinnen und Bürger hatten und welche langfristigen Folgen daraus entstanden sind. Zudem entsteht eine gemeinsame Internetplattform, die Forschungsaktivitäten bündelt und einen Überblick über relevante Sammlungen und Bestände an Hochschulen, Museen und Archiven bietet. Das Vorhaben soll den Aufbau eines dauerhaften Netzwerks unterstützen und die Grundlage für weitere gemeinsame Forschungsprojekte schaffen.
Die weiteren Projektförderungen
Justus-Liebig-Universität Gießen: „Praktiken staatlicher Beschönigung in demokratiebezogenen Selbstberichten im Europarat. Zur anti-demokratischen Instrumentalisierung demokratiebezogener Monitoring-Mechanismen in den Mitgliedsländern“, 66.415 Euro
Warum beschönigen oder verzerren Mitgliedstaaten des Europarats ihre eigene Demokratie-Situation, wenn sie sie in Selbstberichten darlegen? Das Projekt baut zu dieser Frage eine Datenbank von Demokratie-Selbstberichten im Europarat auf und erarbeitet eine wissenschaftliche Definition von absichtlicher Verzerrung oder Beschönigung von Demokratieberichten. Es werden Verzerrungspraktiken identifiziert und vergleichend analysiert, Muster und Auswirkungen solcher Verzerrungen untersucht und erklärt. Darauf aufbauend entwickeln die Forschenden Empfehlungen, die die demokratischen Rechenschaftspflichten im Europarat stärken können.
Frankfurt University of Applied Sciences mit dem Hessischen Flüchtlingsrat e.V.: „Zivilgesellschaftliche Partizipation in der humanitären Flüchtlingshilfe: Mehrwert für die Demokratie oder Blaupause für rechtspopulistische Mobilisierung? (Zivilgesellschaftliche Partizipation)“, 32.421 Euro
Wie demokratisch ist humanitäre Flüchtlingshilfe – und wie anfällig ist sie für rechtspopulistische Angriffe? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Forschungsprojekt zum Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan. Das Projekt untersucht, welchen Beitrag die Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft zu demokratischer Teilhabe, Transparenz und effektiver Hilfe leisten kann. Die Forschenden analysieren, warum gerade solche Beteiligungsformen zunehmend Gegenstand rechtspopulistischer Kritik werden. Dabei geht es auch um die Frage, wie zivilgesellschaftliches Engagement öffentlich dargestellt wird und ob dadurch demokratische Institutionen unter Druck geraten. Die Forschenden wollen wissen, unter welchen Bedingungen zivilgesellschaftliche Beteiligung demokratiefördernd wirkt und wie zukünftige humanitäre Programme resilienter gegenüber politischer Polarisierung gestaltet werden können.
Hessische Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit (HÖMS) mit dem Polizeipräsidium Südosthessen „Demokratieforschung und Polizei in Hessen (DePoH): Schnittstellen zwischen hessischen Forschungsnetzwerken und polizeilicher Praxis“, 53.596 Euro
Das Projekt stärkt den Austausch zwischen Demokratieforschung und Polizeipraxis in Hessen. Ziel ist es, demokratische Strukturen innerhalb der Polizei weiterzuentwickeln und Wissenschaft sowie Praxis enger miteinander zu vernetzen. Dabei profitieren beide Seiten voneinander: Die Polizei erhält Zugang zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, während Erfahrungen aus dem Polizeialltag wichtige Impulse für die Forschung liefern. So entsteht ein dauerhaftes Netzwerk, das eine demokratisch reflektierte und wissenschaftlich fundierte Polizeiarbeit unterstützt. Workshops und Fachtagungen sollen organisiert sowie Forschungsergebnisse öffentlich zugänglich gemacht. Bestehende Kooperationen zwischen Polizei und Wissenschaft sollen vertieft und neue Partnerschaften aufgebaut werden.
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (HfMDK) mit der Universität Kassel: „Perspektiven auf demokratische Prozesse in musikalisch-ästhetischer Bildung“, 69.481 Euro
Das Forschungsprojekt untersucht, wie Musik, Theater und Tanz Jugendliche dabei unterstützen können, sich mit demokratischen Werten und gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welchen Beitrag künstlerische Bildung zur Demokratiebildung leisten kann. Untersucht wird unter anderem, wie Schülerinnen und Schüler inklusiven Musikunterricht erleben, wie sie gesellschaftliche Themen in Theater- und Tanzaufführungen wahrnehmen und wie künstlerische Angebote ihre Entwicklung vor dem Hintergrund einer Erziehung zur Mündigkeit fördern können. Das Projekt verbindet Perspektiven aus Musikpädagogik und kultureller Bildung und stärkt zugleich die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulen.
(Quelle: Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur)
Kontakt
Prof. Dr. Christian Kleinschmidt
Tel.: 06421 28-24592
Mail: christian.kleinschmidt@uni-marburg.de
Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften