13.10.2026 Studium Generale: Streitkultur – die Universität als Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung
Studium Generale widmet sich im Jubiläumsjahr der Geschichte und Gegenwart des wissenschaftlichen Streits – Auftakt am 4. November 2026
Im Jahr ihres 500-jährigen Bestehens widmet die Philipps-Universität Marburg ihr Studium Generale einem Thema, das ihre Geschichte seit der Gründung im Jahr 1527 prägt: der Streitkultur. Die älteste, noch heute bestehende protestantische Universität der Welt entstand in einer Zeit tiefgreifender religiöser, politischer und gesellschaftlicher Umbrüche. Von Beginn an war sie ein Ort, an dem unterschiedliche Überzeugungen, neue Ideen und wissenschaftliche Erkenntnisse aufeinandertrafen. Streit und Widerspruch gehören deshalb seit jeher zum Selbstverständnis der Universität und bilden bis heute eine wesentliche Grundlage wissenschaftlichen Fortschritts.
Grundlegende Fragen
Auch heute sieht sich die Wissenschaft mit grundlegenden Fragen konfrontiert: Wie frei ist Forschung? Welche Verantwortung trägt Wissenschaft gegenüber der Gesellschaft? Wie können kontroverse Debatten gelingen, ohne den wissenschaftlichen Dialog zu gefährden? Und wie kann die Universität ein Ort bleiben, an dem unterschiedliche Positionen offen und respektvoll miteinander diskutiert werden?
Das Studium Generale im Wintersemester 2026/2027 greift diese Fragen aus historischer und gegenwartsbezogener Perspektive auf. Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen beleuchten die Geschichte der Universität, die Freiheit von Forschung und Lehre, ethische Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis sowie aktuelle Herausforderungen an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Vorträge, moderierte Gespräche, Podiumsdiskussionen und weitere dialogische Formate ermöglichen einen interdisziplinären Austausch über die Rolle der Universität als Ort wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Auseinandersetzung.
Streit als Ressource
„Eine Universität lebt vom offenen Austausch und auch vom Widerspruch – gerade dann, wenn Positionen weit auseinanderliegen“, sagt die Vizepräsidentin für Bildung, Prof. Dr. Yvonne Zimmermann. „Eine lebendige Streitkultur ist deshalb ein wichtiger Bestandteil wissenschaftlicher Freiheit und zugleich eine Ressource für die Gesellschaft. Mit dem Studium Generale wollen wir dazu beitragen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und darüber zu diskutieren, welche Rolle Universitäten in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft übernehmen können.“
Das Studium Generale findet ab dem 4. November 2026 jeweils mittwochs von 18:15 bis 19:45 Uhr im Vortragsraum der Universitätsbibliothek statt. Es richtet sich an alle Mitglieder der Philipps-Universität Marburg sowie an die interessierte Öffentlichkeit.
Terminübersicht
4.11.2026
Akademische Streitkultur, konfessionelle Konfrontation und die Gründung einer Universität.
Zur Marburger Universitätsgeschichte im 16. und 17. Jahrhundert
Prof. Dr. Christoph Kampmann (Philipps-Universität Marburg)
11.11.2026
Worum streiten wir? Zum gesellschaftlichen Strukturkonflikt der Gegenwart
Prof. Dr. Stephan Lessenich (Institut für Sozialforschung / Goethe Universität Frankfurt
18.11.2026
Wer darf mitstreiten? – Aktuelle Konflikte und Probleme des Zugangs von behinderten Menschen zur Universität
Dr. Kai Kortus (Autonomes Referat für Menschen mit Behinderung, Philipps-Universität Marburg)
Dr. Michael Richter (Geschäftsführer Rechte behinderter Menschen gGmbH)
Dr. Birgit Rothenberg (Mobile e.V. Dortmund)
25.11.2026
Von den akademischen Freiheiten zur Wissenschaftsfreiheit? Über universitäre Freiheitsemantiken vom 18.-19. Jahrhundert
Prof. Dr. Marian Füssel (Georg-August-Universität Göttingen)
2.12.2026
Konflikte um den Zugang von Frauen zur (institutionellen) Bildung und die Wissensaneignung
Dr. Nana Citron (Archiv der deutschen Frauenbewegung Kassel)
9.12.2026
Zwischen Demokratie und nationalistischer Radikalisierung – Die Philipps-Universität in der Weimarer Republik
Prof. Dr. Ulrich Sieg (Philipps-Universität Marburg)
16.12.2026
Streit um die Grenzen der Wissenschaftsfreiheit
Prof. Dr. Carola Seifart (Philipps-Universität Marburg)
Prof. Dr. Christiane Thompson (Goethe Universität Frankfurt)
13.1.2027
Wissenschaft als Streitgegenstand
Prof. Dr. Caspar Hirschi (Universität St. Gallen)
20.1.2027
Unsicherheitserfahrungen an Hochschulen
Prof. Teresa Koloma Beck (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg)
27.1.2027
Digital Hate: Wissenschaftlerinnen im Fokus von (extrem rechten) Angriffen und Bedrohungen
Prof. Dr. Clarissa Rudolph (Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg)
3.2.2027
Streitgegenstand Antisemitismus
Eva Berendsen (Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt/Main)
Prof. Dr. Peter Ullrich (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin / Zentrum für Antisemitismusforschung Berlin
10.2.2027
Podiumsdiskussion: Die Rolle der Universität für die Demokratie in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung
Moderation: Prof. Dr. Susanne Buckley-Zistel (Philipps-Universität Marburg)
Kontakt
Prof. Dr. Boris Burghardt
Tel.: 06421 28-23105
Mail: boris.burghardt@jura.uni-marburg.de
Fachbereich Rechtswissenschaften
Philipps-Universität Marburg