30.09.2026 Zeit der Professoren
Buchpublikation zur 500-Jahr-Feier der Philipps-Universität
Universitäten werden von Menschen wie Studiereden und Lehrenden geprägt. Das Buch „Zeit der Professoren. Die Marburger Universität von der preußischen Annexion 1866 bis zu den Reformen der 1970er Jahre“ von Ulrich Sieg nimmt nun eine Zeit in den Blick, in der Professoren und wenige Professorinnen die Universitätsgeschichte ganz besonders beeinflusst haben. Der Autor ist Professor für Neueste Geschichte in Marburg.
Das Buch ist im September 2026 im Vorfeld des Universitätsjubiläums 500 Jahre Philipps-Universität Marburg im Wallstein-Verlag erschienen. Eine öffentliche Buchvorstellung findet am Montag, 19. Oktober 2026 um 18 Uhr im Vortragsraum des Deutschen Dokumentationszentrums für Kunstgeschichte (DDK) am Pilgrimstein statt. Der Autor stellt sein Buch vor und diskutiert mit dem Journalisten und FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube darüber.
Ulrich Sieg erzählt die Geschichte der Philipps-Universität Marburg anhand einer Epoche, in der Persönlichkeiten, Ideen und wissenschaftliche Entwicklungen die Hochschule entscheidend formten und weiterentwickelten. Dabei führt der Autor durch mehr als ein Jahrhundert Universitätsgeschichte, von der preußischen Annexion über die Blütezeit der Gelehrtenkultur und die Herausforderungen des Nationalsozialismus bis hin zu den Reformen der 1970er Jahre. Das Buch verbindet historische Fakten mit lebendigen Porträts bedeutender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und wagt zugleich den kritischen Blick auf Widersprüche, Ausgrenzung und gesellschaftliche Umbrüche.
Seit der Annexion Kurhessens 1866 durch Preußen blühte die energisch geförderte Universität auf. 1901 erhielt Emil von Behring den ersten Nobelpreis für Medizin. Auch der Marburger Neukantianismus oder die Einführung des BGB machten die Hochschule bekannt. Nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs stand sie für trotzige Rückwärtsgewandtheit und flirrende Modernität. Dies spiegelte sich in der Wirkung von Martin Heidegger und Rudolf Bultmann auf ihre faszinierten Student*innen, zu denen Hannah Arendt, Hans-Georg Gadamer oder Karl Löwith zählten. Tief war der Fall im Dritten Reich, an das man sich nach 1945 nur ungern erinnerte. Doch trieb dies den Wandel Marburgs zur ‚roten Universität‘ voran, deren Symbolfigur der Politikwissenschaftler Wolfgang Abendroth wurde.
„Ulrich Sieg gelingt ein faszinierendes Stück moderner Universitätsgeschichte, in dem die Eigenarten und zugleich das Ende einer professoralen Gelehrtenkultur aufscheinen. Mit der Zeit des Nationalsozialismus im Zentrum eröffnet das Buch eine neue Perspektive auf die Geschichte der Marburger Universität. Es zeigt, wie eng Wissenschaft, Gesellschaft und Politik miteinander verwoben sind. Auch im Sinne einer Geschichte und Wirkungsgeschichte des Nationalsozialismus ist das Werk eine spannende Einladung, sich weit über die Professoren hinaus mit den Menschen auseinanderzusetzen, welche die Marburger Universität geprägt haben“, betont Prof. Dr. Eckart Conze, Dekan des Fachbereichs Geschichte und Kulturwissenschaft.