23.10.2017 Psychotherapie hilft gegen anhaltende Trauer

Uni Marburg beteiligt sich an bundesweiter Studie zur Behandlung von Trauerstörungen

Die Psychotherapeutin Dr. Bettina Doering steht als Ansprechpartnerin bei Anhaltender Trauerstörung zur Verfügung.
Fotostudio Laackman, Marburg

Das neue Krankheitsbild der anhaltenden Trauerstörung steht im Fokus eines neuen Forschungsprojekts, mit dem sich die Marburger Psychologie an der bundesweiten Studie „Prolonged Grief Disorder (PROGRID)“ beteiligt. Die Studie zielt auf eine verbesserte Behandlung von Patienten, die nach dem Verlust einer nahestehenden Person nicht aufhören können, zu trauern. Seit Kurzem bietet die Psychotherapie-Ambulanz der Philipps-Universität ein entsprechendes Therapieangebot für Betroffene. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Studie finanziell, 164.000 Euro fließen an die Marburger Arbeitsgruppe für Klinische Psychologie und Psychotherapie.

Jeder Mensch durchläuft eine Zeit der Trauer, wenn eine nahestehende Person stirbt. „Bei den meisten Betroffenen lässt die Trauer innerhalb der ersten sechs Monate nach“, weiß die Marburger Psychotherapeutin Dr. Bettina Doering zu berichten, „auch wenn sie gelegentlich wieder zunehmen kann, etwa an Jahrestagen“. In manchen Fällen gibt es aber keine Besserung: Die Trauer ist auch lange nach dem Verlust noch sehr intensiv.

Kommt es zu klinisch bedeutsamen Beeinträchtigungen, sprechen Fachleute von einer Anhaltenden Trauerstörung – eine Diagnose, die demnächst neu in die Klassifikationssysteme psychischer Gesundheit und Krankheit (ICD-11) aufgenommen werden soll. Etwa fünf Prozent der Trauernden in Deutschland entwickeln dieses Beschwerdebild.

„Eine Behandlung empfiehlt sich, wenn der Verlust eines Angehörigen länger als ein halbes Jahr zurückliegt und weiterhin schwere psychische und körperliche Symptome den Alltag beeinträchtigen“, erklärt Professor Dr. Winfried Rief, der die Marburger Psychotherapie-Ambulanz leitet.

„Für die Behandlung einer Anhaltenden Trauerstörung gibt es verschiedene Ansätze“, ergänzt Doering; „verhaltenstherapeutische Verfahren haben sich in der Behandlung anderer psychischer Probleme bereits bewährt – neu ist die Anpassung für trauernde Patienten“.

Dieses Ziel verfolgt die Studie „PROGRID“, deren Gesamtleitung bei der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt liegt; Marburg ist eines von deutschlandweit vier Behandlungszentren der multizentrischen Studie. In den kommenden drei Jahren vergleicht die Psychotherapie-Ambulanz der Philipps-Universität zwei Behandlungsweisen miteinander, die sich in der Schwerpunktsetzung während der Therapie unterscheiden.

Betroffene können sich an das Behandlungszentrum in Marburg wenden, um im Gespräch mit den Therapeutinnen und Therapeuten zu klären, ob die Behandlungsform für sie geeignet ist.

 

Weitere Informationen:
Ansprechpartnerin: Dr. Bettina Doering,
Arbeitsgruppe für Klinische Psychologie und Psychotherapie
Tel.: 06421 28-24 083
E-Mail: doeringi@staff.uni-marburg.de

Psychotherapie-Ambulanz Marburg/“PROGRID“: Tel. 06421 28-23657
„PROGRID“ im Internet: http://www.trauer-therapie.de