28.05.2026 Schulklasse erlebt Virologie live
Marphili-Simulation am Institut für Virologie gibt Einblicke in den Umgang mit Virusausbrüchen
Ein neuartiges Virus breitet sich aus, erste Fälle treten auf, die Öffentlichkeit fordert Antworten: Für zwei Tage wurden Schüler*innen der 12. Klasse der Integrierten Gesamtschule Buchholz am Institut für Virologie der Philipps-Universität Marburg Teil der sogenannten „Marphili-Simulation“ – einem fiktiven Ausbruchsszenario, bei dem die Jugendlichen selbst in die Rolle von Forschenden, Mediziner*innen, Journalist*innen sowie Vertreter*innen der Öffentlichkeit schlüpften. Ziel war es, die Ausbreitung eines imaginären Virus nachzuvollziehen und zugleich die Herausforderungen wissenschaftlicher Krisenkommunikation kennenzulernen.
„Mit Formaten wie diesem möchten wir jungen Menschen Einblicke in aktuelle Forschung geben und Interesse an naturwissenschaftlichen Studien- und Berufsfeldern wecken“, sagt Prof. Dr. Andrea Maisner vom Institut für Virologie, die das Praktikum gemeinsam mit , Birgit Schmidt und Diana Kruhl vorbereitet und umgesetzt hat. „Wir freuen uns sehr, dass die Schüler*innen sich so engagiert beteiligt haben. Sie konnten erfahren, wie wichtig verständliche und transparente Kommunikation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gerade in Ausnahmesituationen ist – und wie schnell sich Informationen, Unsicherheiten und Erwartungen gegenseitig beeinflussen können“, betont Dr. Strecker.
Neben Vorträgen erhielten die Jugendlichen einen praxisnahen Einblick in die Arbeit eines universitären Forschungslabors. Unter Anleitung des Teams des Instituts führten sie diagnostische Experimente durch und lernten Methoden kennen, die auch in der Erforschung realer neu auftretender Virusinfektionen eingesetzt werden.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Informationen in einer möglichen Krisensituation vermittelt werden. Den Abschluss bildete deshalb eine simulierte Pressekonferenz: Während einige Teilnehmende wissenschaftliche Einschätzungen präsentierten, übernahmen andere Rollen aus Öffentlichkeit und Medien – etwa als besorgte Eltern, Ärzt*innen oder Journalist*innen. Über eine fiktive Social-Media-Plattform wurden Reaktionen und neue Informationen zusätzlich in Echtzeit verbreitet.
Dass Fragen der Krisenkommunikation und des Umgangs mit neu auftretenden Infektionskrankheiten weiterhin hochaktuell sind, wurde auch durch Erfahrungsberichte von Dr. Strecker zum Ebola-Ausbruch in Westafrika und den damaligen Herausforderungen bei dessen Eindämmung deutlich. Vor dem Hintergrund jüngerer Ausbrüche in Afrika konnten die Schülerinnen und Schüler die Inhalte der Simulation mit realen Herausforderungen internationaler Infektionsforschung verknüpfen.
Virologische Forschung mit internationaler Bedeutung
Das Institut für Virologie der Philipps-Universität Marburg befasst sich mit der Erforschung von zoonotischen und vektorübertragenen Infektionen, die in der Regel durch neue oder wiederauftretende Viren (emerging viruses) verursacht werden. Diese Arbeiten, die in der Entdeckung des Marburgvirus im Jahr 1967 ihren Anfang nahmen, haben sich inzwischen auf Untersuchungen weiterer hochpathogener Erreger wie zum Beispiel Ebola-, Lassa-, Nipah-, Influenza-, Flavi- und Coronaviren ausgeweitet. Das Institut betreibt eines der vier Hochsicherheitslaboratorien der Klasse 4 in der Bundesrepublik Deutschland und stellt damit ein Kompetenzzentrum mit einem einzigartigen Profil in der Diagnostik und Erforschung hochinfektiöser Viruserkrankungen dar.
Weitere Informationen
Bei Interesse an einem zweitägigen Schülerpraktikum kontaktieren Sie bitte Frau Prof. Dr. Andrea Maisner (E-Mail: maisner@staff.uni-marburg.de).
Kontakt
Prof. Dr. Andrea Maisner
Tel.: 06421 28-65360
Mail: maisner@staff.uni-marburg.de
Institut für Virologie
Philipps-Universität Marburg