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I. Kurs/Praktische Übung der Medizinischen Psychologie: Das Gespräch mit chronisch Kranken

1. Inhalte und Lernziele

Medizinische Psychologie beschäftigt sich mit dem menschlichen Verhalten, Erleben und Denken im Hinblick auf die Vorbeugung und die Entstehung von Krankheiten, den Verlauf von Krankheiten und die Situation des Krankseins. Seit 1900 hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung nahezu verdoppelt. Hiermit einher ging eine einschneidende Veränderung im Spektrum der vorherrschenden Krankheiten. Mortalitäts- und Morbiditätsstatistiken werden heute nicht mehr von akuten Infektionskrankheiten, sondern von zumeist chronisch verlaufenden sogenannten Zivilisationskrankheiten angeführt. Aus diesem Grunde steht das Gespräch mit dem chronisch Kranken im Mittelpunkt unserer Kurse.

Praktisch-ärztliche Tätigkeit erfolgt im sozialen Kontext und erfordert kommunikative Kompetenzen: die Bereitschaft und Fähigkeit zum Zuhören und zu gegenseitiger Verständigung mit dem Patienten. In der Anamnese erfragt der Arzt Informationen, welche die Basis für die Auswahl von weiterführenden Laboruntersuchungen und bildgebenden Verfahren bilden und so erst eine exakte Diagnose ermöglichen; in der Therapie z.B. werden die Patienten beraten, wie sie durch eigene Mitarbeit die Genesung fördern und Komplikationen vermeiden können. Die Lehre der Medizinischen Psychologie zielt zum einen darauf hin, den Studierenden Wissen über psychologische Grundlagen ärztlichen Handelns zu vermitteln, zum anderen soll die kommunikative Kompetenz der Studierenden gefördert werden.

Die Lehre zu den Grundlagen bezieht sich zum einen auf methodische Fragen der Datengewinnung in der sprechenden Medizin, zum anderen auf Konzepte zur Förderung der Gesundheit und Behandlung von Krankheit, die sowohl die somatische als auch die psychische und soziale Situation der Betroffenen berücksichtigen und hierdurch die ärztliche Tätigkeit effektiver gestalten. Bei der Interpretation der in der Anamnese erhobenen Daten ist es z.B. wichtig zu wissen, welche spezifischen Fehlschlüsse zur Verfälschung von Informationen beitragen können. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Projektionsfehler, der den Arzt dazu verleitet, von eigenen Lebenserfahrungen auf das Erleben der Patienten zu schließen und hierdurch deren subjektive Realität zu verkennen. Weiterhin ist bekannt, dass Therapiemaßnahmen mitunter deswegen keinen ausreichenden Erfolg aufweisen, weil die Einstellungen des Patienten oder der Personen des sozialen Umfeldes diesen Maßnahmen gegenüber nicht beachtet werden. Das kann zu erheblichen Kooperationsproblemen führen, wenn die Meinungen des Arztes und des Patienten über die geeignete Therapie auseinander klaffen.

Wichtige Lernziele bestehen daher für uns in der

·        Förderung des Bewusstseins für methodische Probleme der Datengewinnung in der Medizin und in der

·       Vermittlung von Grundlagen ärztlicher Beratung und von psychologischen Aspekten jeder Form ärztlicher Therapie.

Kommunikative Kompetenzen auf der anderen Seite können nicht ausschließlich durch Vermittlung von Wissen erlernt werden, sondern müssen durch praktisches Training erprobt, eingeübt und weiterentwickelt werden. Kommunikative Kompetenz in der Arzt-Patient-Interaktion erfordert von Seiten des Arztes die Bereitschaft, sich in die emotionale Situation des Patienten einzufühlen, mit dem Patienten eine Beziehung aufzunehmen und so die Bedingungen zu fördern, unter denen sich Vertrauen entwickeln kann. Eine Voraussetzung dafür, sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen, ist die Bereitschaft, sich selbst gegenüber offen zu sein und seine eigenen psychischen und physischen Reaktionen wahrzunehmen. In diesem Zusammenhang sind folgende Lernziele von Bedeutung:

·        Förderung einer aufgeschlossenen Haltung gegenüber dem Patienten

·        Verbesserung der Selbst- und Fremdwahrnehmung

·        Erwerb von Fertigkeiten zur ärztlichen Gesprächsführung.

Ärztliche Versorgung wird zukünftig immer häufiger im Team stattfinden und bedarf einer interdisziplinären Kooperation. Hiermit ist nicht nur die Kooperation zwischen verschiedenen ärztlichen Fachdisziplinen gemeint, sondern es werden auch andere Berufsgruppen einbezogen: z.B. Sozialarbeiter, Sport- und Physiotherapeuten sowie ärztliche und psychologische Psychotherapeuten. Auch das gehört zur kommunikativen Kompetenz: mit anderen Berufsgruppen zum Wohle der Patienten zusammen arbeiten zu können. Wir bemühen uns daher um ein weiteres Lernziel, nämlich die  

·        Förderung der professionellen Kooperation.


2. Lernzielkontrollen

finden in einzelnen Kurssitzungen, u.a. in Form von (unbenoteten) Rollenspielen, statt.

 

3. Erfolgskontrollen/Abschlussprüfungen

a)      Klausur: Am Ende des Sommersemesters findet eine Klausur statt, die sich auf den Stoff bezieht, der in den (in Schriftform ausgehändigten) Arbeitsmaterialien des Kurses des Sommersemesters sowie im Grundlagenskript (s.u. zur Vorlesung) dargelegt ist. Kriterium: 60% richtige Antworten. Termine und Orte der Klausur sowie der Wiederholungsklausuren werden am Ende des Sommersemesters bzw. zu Beginn des Wintersemesters per Aushang vor dem Institut bekannt gegeben.

b)      Dokumentation zweier Gespräche mit einem chronisch Kranken: Jeder Studierende hat in zwei Gesprächen mit einem chronisch Kranken eine Anamnese zu erheben und anhand eines im Kurs vermittelten Schemas zu dokumentieren (Beispieldokumentation auf der Homepage des Instituts). Diese Dokumentation muss 2 Wochen nach der 1. Kurssitzung im Wintersemester abgegeben sein und wird nach Kriterien ausgewertet, die ebenfalls auf der Homepage des Instituts veröffentlicht sind. Wurde die Korrektur nicht rechtzeitig abgegeben, werden 10 Strafpunkte vergeben, d.h. das Kriterium für das Bestehen wird entsprechend erhöht. Der erreichte Punktwert wird bei Zustimmung des/der Studierenden – bezogen auf die jeweilige Matrikel-Nummer –  zu Beginn des dritten Semesters auf der Homepage des Instituts veröffentlicht. Wurde der nötige Punktwert nicht erreicht, muss der Studierende sich an den jeweils zuständigen Kurs- bzw. Seminarleiter wenden, der ihm bekannt gibt, welche Abschnitte der Dokumentation überarbeitet werden müssen. Wurde die Korrektur nicht spätestens zwei Wochen nach diesem Gespräch abgegeben, werden 10 Strafpunkte vergeben, d.h. das Kriterium für das Bestehen wird entsprechend erhöht. Wurde nach zwei Korrekturversuchen der benötigte Punktwert wieder nicht erreicht, muss der Studierende erneut in zwei Gesprächen mit einem anderen Patienten eine Anamnese erheben und dokumentieren.

 

          Beispielanamnese

          Ärztliche Bescheinigung

 

Zuletzt aktualisiert: 12.04.2018 · Sabine Quint

 
 
 
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