Oberarzt: Prof. Dr. med. M. Hertl
FOA: Dr. med. R. Eming
Immunserologisches Labor der Klinik für Dermatologie und Allergologie
Diagnostik und Therapie von
Autoimmunerkrankungen
Die Diagnostik und Therapie von Autoimmunerkrankungen der Haut und
Schleimhäute bilden einen klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkt
unserer Klinik. Auf dem Gebiet der Blasen bildenden
Autoimmunerkrankungen hat sich unsere Klinik zu einem überregionalen
Schwerpunktzentrum entwickelt. Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet
werden sowohl ambulant in unserer Spezialsprechstunde als auch
stationär betreut.
Das immunologische Labor führt die komplette immunserologische
Diagnostik (siehe Link „Anforderungsbogen Autoimmundiagnostik“) für
auswärtige Einsender entsprechend der Fragestellung mit anschließender
ärztlicher Beurteilung durch.
Anforderungsbogen Autoimmundiagnostik.pdf
Durchgeführte
Untersuchungsverfahren:
Direkte Immunfluoreszenz (DIF)
Beschreibung. Die
direkte Immunfluoreszenz (DIF) dient dem in vivo Nachweis autoreaktiver
Immunglobuline an unfixiertem Gewebe und stellt damit ein wichtiges
Verfahren in der Diagnostik bullöser Autoimmundermatosen dar. Aufgrund
spezieller immunfluoreszenzmikroskopischer Muster besitzt die DIF eine
hohe diagnostische Spezifität. Sie gilt daher in Kombination mit der
klinischen Beurteilung sowie mit dermatohistologischen und
serologischen Untersuchungen als wertvolle diagnostische Ergänzung zur
Einordnung von Krankheitsbildern bei speziellen Fragestellungen.
Indikation. Die DIF wird vor allem bei klinischem Verdacht auf bullöse
Autoimmundermatosen eingesetzt. In der DIF unterscheiden sich bullöse
Autoimmundermatosen durch die Anordnung und Art der
Immunglobulinablagerungen.
Pemphigus vulgaris Intraepidermale Ablagerung von IgG |
lineare Ablagerung von IgG entlang der Basalmembran |
Dermatitis herpetiformis Duhring granuläre Ablagerungen von IgA entlang der Papillenspitzen |
Weitere Indikationen. Ferner wird die DIF ergänzend zur Diagnostik des Lupus erythematodes, der Vaskulitiden und des Lichen ruber eingesetzt.
Lupus erythematodes granuläre Ablagerungen von C3 entlang der Basalmembranzone |
Lichen ruber Ablagerung von cytoid bodies (Kolloidkörperchen) IgM entlang der Basalmembranzone |
Leukozytoklastische Vaskulitis Perivaskuläre Ablagerung von Immunglobulinen in den Gefäßwänden der kleinen Gefäße |
Entnahmestelle der Hautbiopsie. Bei Verdacht auf
eine Erkrankung der Pemphigusgruppe sollte die Hautbiopsie aus
unmittelbar periläsionaler Haut erfolgen, bei Pemphigoiderkrankungen
aus initialen Blasen mit angrenzender nicht bullöser Haut. Beim Lupus
erythematodes erfolgt die Entnahme aus bereits länger bestehenden
Läsionen, idealerweise erfolgt eine zweite Probenentnahme aus nicht
betroffener, nicht lichtexponierter Haut (z.B. Oberarminnenseite). Die
Diagnostik bei Vaskulitiden erfolgt aus frischen Läsionen.
Probentransport. Zum Erhalt der Antigenstrukturen darf
keine Formalinfixierung erfolgen. Vielmehr muss das entnommene Gewebe
in ein spezielles Transportmedium (Michels Medium) überführt und
gekühlt gelagert werden. Bitte "Anforderungsbogen
Autoimmundiagnostik" mit genauen klinischen Angaben sowie
Angabe der Lokalisation beilegen. Vor dem Versand von Gewebsproben
telefonische Rücksprache erforderlich.
Entnahmestelle der
Hautbiopsie. Bei Verdacht auf eine Erkrankung der
Pemphigusgruppe sollte die Hautbiopsie aus unmittelbar periläsionaler
Haut erfolgen, bei Pemphigoiderkrankungen aus initialen Blasen mit
angrenzender nicht bullöser Haut. Beim Lupus erythematodes erfolgt die
Entnahme aus bereits länger bestehenden Läsionen, idealerweise erfolgt
eine zweite Probenentnahme aus nicht betroffener, nicht
lichtexponierter Haut (z.B. Oberarminnenseite). Die Diagnostik bei
Vaskulitiden erfolgt aus frischen Läsionen.
Probentransport. Zum Erhalt der Antigenstrukturen darf keine
Formalinfixierung erfolgen. Vielmehr muss das entnommene Gewebe in ein
spezielles Transportmedium (Michels Medium) überführt und gekühlt
gelagert werden. Bitte „Anforderungsbogen Autoimmundiagnostik“ mit
genauen klinischen Angaben sowie Angabe der Lokalisation beilegen. Vor
dem Versand von Gewebsproben telefonische Rücksprache erforderlich.
Indirekte Immunfluoreszenz
(IIF)
Beschreibung. Anhand der IIF können zirkulierende
Autoantikörper im Serum nachgewiesen werden. Sie stellt eine
Screeninguntersuchung in der Diagnostik bullöser Autoimmundermatosen
dar, außerdem lässt sie anhand von Titerverläufen ein
Therapiemonitoring bei Erkrankungen der Pemphigus- bzw.
Pemphigoidgruppe zu.
Affenösophagus. Als Substrat der IIF dient vornehmlich
Affenösophagus, da seine antigenen Eigenschaften denen der humanen Haut
ähnlich sind. Hiermit lassen sich zirkulierende IgG-Autoantikörper
gegen die Interzellularsubstanz (Pemphiguserkrankungen) oder gegen
Bestandteile der Basalmembranzone (bullöses Pemphigoid,
Schleimhautpemphigoid, Epidermolysis bullosa aquisita) nachweisen.
Außerdem können zirkulierende IgA-Autoantikörper gegen die
Interzellularsubstanz (IgA-Pemphigus), gegen Bestandteile der
Basalmembranzone (lineare IgA-Dermatose) sowie gegen Endomysium
(Dermatitis herpetiformis Duhring, Zöliakie) nachgewiesen werden.
Pemphigus vulgaris Nachweis zirkulierender IgG-Autoantikörper gegen die Interzellularsubstanz der Epidermis |
Bullöses Pemphigoid Nachweis zirkulierender IgG-Autoantikörper gegen Bestandteile der Basalmembran |
Zöliakie Nachweis zirkulierender IgA-Autoantikörper gegen Endomysium |
Humane Spalthaut. Nach Inkubation von humaner Haut in 1 Mol NaCl-Lösung kommt es zur Bildung eines künstlichen Spaltes auf Höhe der Lamina lucida der Basalmembran. Dies lässt eine weitere Differenzierung von Erkrankungen zu, die mit zirkulierenden Autoantikörpern gegen Bestandteile der Basalmembran einhergehen. So zeigt sich beim bullösen Pemphigoid eine Fluoreszenz auf der epidermalen Seite des Spaltes, bei der Epidermolysis bullosa aquisita auf der dermalen Seite.
Bullöses Pemphigoid Nachweis zirkulierender IgG-Autoantikörper auf der epidermalen Seite des Spaltes |
Epidermolysis bullosa aquisita Nachweis zirkulierender IgG-Autoantikörper auf der dermalen Seite des Spaltes |
Affenharnblase. Mit der Affenharnblase als Substrat lassen sich zirkulierende Autoantikörper gegen Plakine nachweisen, wie sie z.B. beim paraneoplastischen Pemphigus, aber auch beim Erythema exsudativum multiforme vorkommen.
Nachweis zirkulierender IgG-Autoantikörper gegen Plakine
Antinukleäre Autoantikörper (ANA). Die indirekte Immunfluoreszenz auf Hep2-Zellen dient dem Nachweis nicht-organspezifischer Autoantikörper (Gammaglobuline), die gegen Zellkernbestandteile z.B. DNA, DNA-Histonkomplexe, Ribonucleoproteine (U1-RNP, Sm, La (SS-A), Ro (SS-B), Jo-1 und Nicht-Histon-Proteine (Zentromer-AK, Scl-70, PM-1, Mi-2) gerichtet sind. Ihre zentrale Bedeutung besitzen sie in der Diagnostik bzw. Verlaufskontrolle von Kollagenosen, z.B. Lupus Erythematodes, Sklerodermie, Polymyositis, Dermatomyositis (Jo-1), primäres Sjögren Syndrom (SS-A (Ro), SS-B-(La), Mixed Connective Tissue Disease (RNP) und CREST-Syndrom (anti-zentromer). Bei homogenem nukleolären ANA-Muster wird zusätzlich eine indirekte Immunfluoreszenzuntersuchung auf Crithidia luciliae zum Nachweis von anti-ds-DNA-Antikörpern durchgeführt. Im Falle eines positiven Nachweises von antinukleären Antikörpern in der indirekten Immunfluoreszenz empfehlen wir, eine entsprechende Differenzierung per ELISA oder Immunoblot anzuschließen.
- ELISA-/Immunoblot-Diagnostik (IgG, IgA, IgE-Autoantikörper)
- Spezialdiagnostik mittels rekombinanter Autoantigene
(Laminin 332 (früher Laminin 5), Kollagen VII, Desmocollin 1-3, Kollagen XVII-Konstrukte)
Probentransport. Für
die indirekte Immunfluoreszenzuntersuchung sowie die ELISA- und
Immunoblotdiagnostik wird 1ml Serum (Vollblutröhrchen mit Trenngel)
benötigt, der Versand erfolgt bei Raumtemperatur. Bitte "Anforderungsbogen
Autoimmundiagnostik" mit genauen klinischen Angaben
beilegen.
Alle genannten Assays bieten sich nicht nur zur primären Diagnostik
bullöser Dermatosen an, sondern auch als Verlaufsparameter
(Auto-Antikörpertiter).
Therapie
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Patienten mit Autoimmunerkrankungen benötigen in den meisten Fällen eine systemische immunsuppressive Therapie, die dem individuellen Befund und Krankheitsverlauf angepasst wird.
-
Unsere Klinik ist aktiv an der Entwicklung und klinischen Erprobung neuer, sog. second line Therapien für Patienten mit blasenbildenden Autoimmunerkrankungen beteiligt.
-
Bereits jetzt bieten wir Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf verschiedene Therapieoptionen, u.a. Immunadsorption, hochdosierte Immunglobuline (IVIG), anti-CD20-Antikörper an
Interdisziplinäre Betreuung der Patienten
Die Behandlung von Patienten mit
Autoimmunerkrankungen der Haut und Schleimhäute, insbesondere der sog.
Kollagenosen, benötigen eine ärztliche Betreuung verschiedener
Fachgebiete. Wir arbeiten daher eng mit den Kollegen der Inneren
Medizin (Nephrologie zur Durchführung der Immunadsorption,
Rheumatologie zur Behandlung der Patienten mit Kollagenosen)
zusammen.
Klinische Forschung
- Unsere Klinik ist im Rahmen bundesweiter bzw. europäischer Netzwerke an der Leitung und Teilnahme klinischer Studien zur Erprobung neuer therapeutischer Verfahren beteiligt.
- Neben der klinisch orientierten Forschung verfolgt unsere Arbeitsgruppe in experimentellen Forschungsprojekten die Zielsetzung, Krankheitsmechanismen, die zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen führen, zu identifizieren.
Blasen bildende Autoimmundermatosen
- Pemphigus vulgaris / foliaceus
- Paraneoplastischer Pemphigus
- IgA-Pemphigus
- Bullöses Pemphigoid
- Schleimhaupemphigoid
- Lineare IgA-Dermatose
- Epidermolysis bullosa acquisita
- Dermatitis herpetiformis Duhring
Kollagenosen
- Sklerodermie
- Lupus erythematodes
- Dermatomyositis
- Mischkollagenose (mixed connective tissue disease)


