Hauptinhalt

Migration, Flucht und öffentliche Erziehung: Ermöglichung von Teilhabechancen?

Studium Generale im SoSe 2018 an der Philipps-Universität Marburg

Veranstaltungsdaten

04. Juli 2018 20:15 – 04. Juli 2018 21:45
Termin herunterladen (.ics)

Audimax, Hörsaalgebäude, Biegenstr. 14

Erziehung und Bildung als öffentliche Aufgaben

Mit dem Thema „Öffentliche Erziehung und Bildung“ greift das Studium Generale der Philipps-Universität im Sommersemester 2018 eine ebenso wirkmächtige wie umstrittene Idee der europäischen Aufklärung auf. Als „Veranstaltungen des Staates“, wie es in einer Passage des Allgemeinen Landrechts für die Preußischen Staaten heißt, etablierte sich öffentliche Erziehung – nicht nur in Deutschland – im Spannungsfeld widerstreitender Interessen. Zwischen den Polen von staatlicher Kontrolle und emanzipatorischem Aufklärungsideal, von gesellschaftlichem Integrationsanspruch und individueller Bildungsaspiration, blicken wir heute auf ein wohlfahrtsstaatlich organisiertes Erziehungs- und Bildungssystem, das sich „von der Wiege bis zur Bahre“ (Dahrendorf) zu einem ausdifferenzierten Berechtigungs- und Fürsorgesystem für nahezu alle Lebensphasen entwickelt hat. Insofern öffentliche Bildung und Erziehung die Zugangsberechtigung zu sozial gültigem Wissen regulieren, die Vergabe karriererelevanter Bildungsabschlüsse kontrollieren und für die Zuweisung von Fürsorgeleistung verantwortlich sind, fungieren sie in zentraler Funktion als soziale Platzanweiserin. Öffentliche Bildung und Erziehung ermöglichen und behindern politische, ökonomische, soziale und kulturelle Teilhabe. Sie inkludieren und exkludieren und nehmen entscheidenden Einfluss auf die Karrierechancen und Lebensbedingungen von Personen. Insofern sind öffentliche Bildung und Erziehung eng mit Fragen der Gerechtigkeit, aber auch mit Fragen der pädagogischen Qualität und Effektivität ihrer Angebote und institutionellen Rahmenbedingungen verbunden, die unter sich wandelnden demographischen, rechtlichen und politischen Kontexten immer wieder auf dem Prüfstand stehen und zum Gegenstand öffentlicher Kontroversen und Reformbemühungen werden.

Ausgehend von diesem Problemhorizont sollen im Rahmen des Studium Generale einerseits die aktuellen Herausforderungen öffentlicher Bildung und Erziehung diskutiert werden, andererseits soll es in historisch-systematischer Perspektive darum gehen, sich der Genese und Geltung des modernen Konzepts „öffentlicher Bildung und Erziehung“ zu vergewissern und ihren Strukturwandel an ausgewählten Etappen ihrer Geschichte in den Blick zu nehmen.

Referierende

Prof. Dr. Ulrike Hormel

Veranstalter

Fachbereich 21 - Erziehungswissenschaften