30.11.2018 Frauenförderpreis 2018 geht an Carmen Birkle und Stefanie Dehnen

Ehemalige Frauenbeauftragte Silke Lorch-Göllner verabschiedet

Foto: Henrik Isenberg
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Die Philipps-Universität Marburg hat den Frauenförderpreis 2018 an Prof. Dr. Carmen Birkle und an Prof. Dr. Stefanie Dehnen verliehen. In einem Festakt am Donnerstag, 29. November 2018, überreichte Uni-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Krause den mit 2.500 Euro dotierten Preis an die Amerikanistin Carmen Birkle und die Chemikerin Stefanie Dehnen. Birkle erhält den Preis für ihre Verdienste als Mentorin und Gutachterin und für das Sichtbarmachen von Frauen in Führungspositionen. Dehnen wird für ihre Arbeit als Mentorin im Projekt „SciMento“ sowie für ihren Einsatz für familienfreundliche Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft ausgezeichnet.

Bei dem Festakt wurde auch die frühere Frauenbeauftragte der Philipps-Universität, Dr. Silke Lorch-Göllner, feierlich verabschiedet.  Unter dem Titel „Ich will den einzelnen Dozenten nicht verpflichten, vor Frauen zu lesen (Friedrich Althoff 1898)“ warf Lorch-Göllner einen Blick zurück ins 19. Jahrhundert und die Anfänge des  Frauenstudiums an der damals Königlich Preußischen Universität Marburg.

Inspiration zur Themensetzung in der Geschlechterforschung

Mit dem Frauenförderpreis 2018 werden zwei Professorinnen geehrt. Carmen Birkle ist seit 2008 Professorin für Amerikanistik am Fachbereich Fremdsprachliche Philologien der Philipps-Universität. In der Begründung für die Preisverleihung heißt es: „In beispielhafter Weise hat sich Frau Birkle als Türöffnerin für informelle Netzwerke, Mentorin, Beraterin, Gutachterin und Lektorin weit über das übliche Maß hinaus und oftmals über Ländergrenzen hinweg für junge Wissenschaftlerinnen eingesetzt.“ Als Dekanin des Fachbereichs sowie zunächst als Geschäftsführerin, Vizepräsidentin und schließlich als Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien habe sie kontinuierlich das Wirken von Frauen in Führungspositionen sichtbar gemacht und durch ihre eigene genderbezogene Forschung Wissenschaftlerinnen zur Themensetzung in der Geschlechterforschung inspiriert. „Mir ist es ein Anliegen, jungen Frauen die Augen zu öffnen für die Möglichkeiten in einer Welt, die weit davon entfernt ist, vorurteilsfrei zu sein“, sagte Birkle in ihrer Dankesrede. „Nur so kann verhindert werden, dass die Erfolge der Frauenbewegung in Europa und Nordamerika zunichte gemacht werden.“

Vorbild für junge Wissenschaftlerinnen

Die Chemikerin Stefanie Dehnen lehrt und forscht seit 2006 als Professorin für Anorganische Chemie am Fachbereich Chemie der Philipps-Universität. Als Mentorin in dem hessenweiten Projekt „SciMento“ habe sie Nachwuchswissenschaftlerinnen in der akademischen Laufbahn begleitet. Ihr Engagement erstrecke sich sowohl auf die wissenschaftliche Förderung als auch auf die Vereinbarkeit von Qualifikationsziel und Familie, etwa durch ihren Einsatz für die Schaffung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen. Durch die Weitergabe ihrer eigenen Erfahrungen begeistere sie nicht zuletzt als Vorbild junge Wissenschaftlerinnen für den Beruf der Hochschullehrerin und ermutige sie zugleich, diesen mit Familienplanung in Einklang zu bringen.

„Wer heute als qualifizierte Frau eine Professur anstrebt, hat beste Chancen, berufen zu werden“, sagte Dehnen in ihrer Dankesrede. Aber Vorgesetzte müssten auch hinter der Frauenförderung stehen, damit sie erfolgreich sein könne. Selbst dann sei Gleichbehandlung nicht selbstverständlich. „Das Problem liegt oft im individuellen Umfeld. Ein Vater, der viel unterwegs ist, ist voll akzeptiert, eine Mutter muss sich immer rechtfertigen“, erklärte Dehnen, die als Mutter von vier Kindern zwischen Karlsruhe und Marburg pendelt.

Hintergrund: Frauenförderpreis der Philipps-Universität

Ausgezeichnet werden Mitglieder oder Angehörige der Universität Marburg, die sich in besonderer Weise für die Förderung von Frauen im wissenschaftlichen oder nichtwissenschaftlichen Bereich engagiert haben. Die Auszeichnung ist mit 2.500 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben. Die Verleihung des Preises erfolgt im Rahmen einer Feierstunde durch die Präsidentin, Prof. Dr. Katharina Krause. Der Preis wird seit 1998 vergeben.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Ziel

Silke Lorch-Göllner war von Oktober 1998 bis März 2017 Frauenbeauftragte der Philipps-Universität. In diesen knapp 20 Jahren hat sie viel bewegt. „Als ich als Frauenbeauftragte angefangen habe, war Familie kein Thema. Dass Frauen benachteiligt wurden, weil sie neben der Wissenschaft auch Erziehungsaufgaben hatten, war aber eine Tatsache“, sagt Lorch-Göllner. Professorinnenprogramm, Mentoring-Programme und Familienservice sind die drei großen Themen ihrer Zeit als Frauenbeauftragte.

Zu Beginn ihrer Amtszeit lag der Professorinnenanteil an der Philipps-Universität bei
8 Prozent. Heute sind 27 Prozent der Professuren mit Frauen besetzt. Das liegt nicht nur, aber auch an der Arbeit der ehemaligen Frauenbeauftragten. Die Arbeit in Berufungskommissionen bezeichnet sie deshalb auch als eine der wichtigsten Aufgaben ihres Amtes. Junge Frauen vor allem in den Naturwissenschaften zu fördern, lag der Frauenbeauftragten Lorch-Göllner besonders am Herzen. Schon seit dem Jahr 2000 war sie frühe Unterstützerin im „MentorinnenNetzwerk für Frauen in Naturwissenschaft und Technik“. Nicht zuletzt hatte sie großen Anteil an den Erfolgen im Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder.

Familienservice aufgebaut

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Hochschule zu etablieren, war eine weitere große Aufgabe der Frauenbeauftragten, die bereits seit ihrem Studium in Marburg lebt und auch hier promovierte. 2005 erhielt die Uni Marburg als eine der ersten Hochschulen in Deutschland das Zertifikat „Audit Familiengerechte Hochschule“. Es folgten weitere Erfolge, zunächst 2006 die Einwerbung des Projekts „Auf den Weg bringen…“ zur Förderung von Frauen in den MINT-Fächern und 2008 der mit 100.000 Euro dotierte Preis des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) und der Robert-Bosch-Stiftung „Familie in der Hochschule“.

2009 initiierte Silke Lorch-Göllner das „Family-Welcome-Centre“ mit, das sie bis 2010 neben ihrer Tätigkeit als Frauenbeauftragte auch leitete. 2011 wurde der Service unter dem Namen „Familienservice“ verstetigt.

Auch in Ausstellungsprojekten begleitete die promovierte Erziehungswissenschaftlerin das Thema Frauenförderung und Gleichstellung. 2002 organisierte sie die Ausstellung „Wissenschaftlerinnen an der Philipps-Universität gestern und heute“, die jetzt als Dauerausstellung in der Alten Universität zu sehen ist. Es folgte 2008 eine Ausstellung zu „Studentinnen 1908-2008“ im Zuge der Veranstaltungsreihe „100 Jahre Frauenstudium“ und 2011 eine Fotoschau zum Thema „Die halbe Uni den Frauen“. 

Silke Lorch-Göllner studierte in Marburg Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung. In ihrer Promotion beschäftigte sie sich mit dem Thema „Lebensbedingungen junger türkischer Frauen in einem ländlich strukturierten Gebiet“. Von 2007 bis 2011 war sie mit einer kurzen Unterbrechung Sprecherin der Landeskonferenz der hessischen Hochschulfrauenbeauftragten. Seit 2017 betreut Lorch-Göllner im Universitätsarchiv das Projekt „Frauengeschichte der Universität“. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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