27.04.2021 „Das Staatsarchiv Marburg als Central Collecting Point“

Digitale Ausstellung des Hessischen Staatsarchivs Marburg und des Deutschen Dokumentationszentrums für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg ist online

Schwarz-Weiß-Aufnahme mit mehreren Personen und verschiedenen Gemälden und Skulpturen, die vor dem Staatsarchiv zu sehen sind.
Foto: Bildarchiv Foto Marburg
Am Central Collecting Point Marburg wird im Frühjahr 1946 ein amerikanischer Truck mit Kunstwerken aus dem Rheinland für den Rücktransport beladen.

In einer gemeinsamen Ausstellung beleuchten das Hessische Staatsarchiv Marburg und das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte (DDK) – Bildarchiv Foto Marburg die Gründungsumstände des „Marburg Central Collecting Point“. Die Ausstellung, die bis zum 12. September im Staatsarchiv sowie in digitaler Form zu sehen ist, zeigt die Entwicklung der Sammelstelle, in der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs etwas mehr als ein Jahr lang Kunst- und Kulturgüter aus namhaften deutschen Sammlungen und Museen katalogisiert, restauriert und fotografiert wurden.

Unter der Leitung des amerikanischen Kunstschutzoffiziers Walker Hancock richtete die amerikanische Militärregierung im April 1945 im Marburger Staatsarchiv eine Sammelstelle ein, um zunächst Objekte zu sichern, die in einem großen Kulturgüterdepot in einem Bergwerkstollen bei Siegen und weiteren Depots in Mitteldeutschland entdeckt worden waren.

Die militärische Spezialeinheit nannte sich „Monuments, Fine Arts, and Archives Section“ (kurz MFA&A). Ihre Kunstschutzoffiziere wurden aufgrund ihrer Tätigkeit informell als „Monuments Men“ bezeichnet. Die Einheit hatte den Auftrag, Kulturgüter, die von deutschen Einheiten aus den besetzten Ländern geraubt worden waren, aufzuspüren und zusammentragen und sie ihren ursprünglichen Besitzern wieder auszuhändigen. Es zeigte sich jedoch, dass die in Marburg erfassten Kunstwerke überwiegend aus den bedeutendsten deutschen Museen, Privatsammlungen und aus Kirchen stammten und zum Schutz vor Bombenangriffen evakuiert worden waren. Zuvor waren die „Monuments Men“ schon der amerikanischen Frontlinie gefolgt und hatten die Kunst- und Kulturgüter vor Ort zu schützen versucht. Im Marburger „Central Collecting Point“, der als Vorbild für weitere Sammelstellen in Wiesbaden und München fungierte, wurden die Kunstgegenstände gesichert und von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kunsthistorischen Instituts und des Bildarchivs Foto Marburg unter der Leitung von Richard Hamann katalogisiert und fotografiert.

Die Ausstellung verdeutlicht die politischen aber auch wirtschaftlichen Zusammenhänge einer deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit in der von großem Mangel geprägten frühen Nachkriegszeit. Sie legt dar, inwieweit Marburg und die dort angesiedelten Institutionen mit ihren Akteuren in welthistorisch relevante Prozesse involviert waren – von Mai 1945 bis August 1946.

Zu der Ausstellung ist in der Schriftenreihe des Staatsarchivs Marburg als Band 39 eine Begleitpublikation erschienen. Zudem ist – abhängig von der Entwicklung der Corona-Pandemie – ein Begleitprogramm vorgesehen: Neben der Präsentation des Hollywood-Films „Monuments Men“ von 2014 mit George Clooney, der die Vorgeschichte des Collecting Points präsentiert, ist eine Finissage im Rahmen des Tags des offenen Denkmals am 12. September 2021 geplant.

Publikation

Marco Rasch: Das Marburger Staatsarchiv als Central Collecting Point mit Beiträgen von Tanja Bernsau, Susanne Dörler, Sonja Feßel, Iris Lauterbach und Katrin Marx-Jaskulski, Marburg 2021, Erhältlich zum Preis von 10 Euro im Staatsarchiv Marburg bzw. Bestellungen bitte an:

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