03.09.2021 Rudolf K. Thauer erhält Cothenius-Medaille

Marburger Max-Planck-Forscher erhält Ehrung für herausragendes wissenschaftliches Lebenswerk

Porträt Rudolf K. Thauer
Foto: Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie / Chris Kettner
Prof. Rudolf K. Thauer wird mit der der Cothenius-Medaille ausgezeichnet.

Pressemeldung des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina würdigt Rudolf K. Thauer mit der Cothenius-Medaille. Der Marburger Max-Planck-Forscher erhält diese Ehrung für sein herausragendes wissenschaftliches Lebenswerk. Die Auszeichnungen werden im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Leopoldina-Jahresversammlung am Freitag, 24. September 2021, in Halle (Saale) verliehen.

Prof. Rudolf K. Thauer, Professor Emeritus für Mikrobiologie, hat viele wichtige Beiträge zur Biochemie, Physiologie und Ökologie von anaeroben, also ohne Sauerstoff lebenden, Mikroorganismen geleistet. In seiner Forschung widmete er sich dem Energiestoffwechsel von Bakterien und Archaeen, die auf H2 und CO2 wachsen können und im globalen Kohlenstoffkreislauf eine wichtige Rolle spielen. Archaeen sind wie Bakterien kleine einzellige Mikroorganismen. Sie haben sich von Bakterien und Eukaryonten (Pflanzen, Tiere, Pilze) getrennt entwickelt und bilden deshalb eine eigene Domäne zellulären Lebens. Thauer untersuchte schwerpunktmäßig acetogene Bakterien und methanogene Archaeen. Diese nutzen die bei der Bildung von Essigsäure beziehungsweise Methan freigesetzte Energie. Mit seiner Arbeitsgruppe klärte er die zugrundeliegenden Stoffwechselwege auf, die von CO2 und H2 zu Essigsäure beziehungsweise Methan führen. Dabei entdeckte der Mikrobiologe, dass diese Organismen Nickel als Spurenelement zum Wachstum benötigen. Seine Gruppe charakterisierte unter anderem mehrere an der Essigsäure- beziehungsweise Methanbildung beteiligten Nickel-Enzyme sowie das Nickel-enthaltende Coenzym F430, dessen chemische Struktur er aufklärte. Darüber hinaus identifizierte er die biochemischen Kopplungsstellen, in denen die bei der Essigsäure- beziehungsweise Methanbildung freiwerdende Energie konserviert wird. Diese Ergebnisse hat er in mehr als 400 viel zitierten Publikationen beschrieben. Er betreute 72 Dissertationen, zehn Habilitationen sowie mehr als 100 weitere Abschlussarbeiten.

Rudolf K. Thauer studierte von 1959 bis 1966 Medizin und Biochemie in Frankfurt am Main und Tübingen. 1968 wurde er an der Universität Freiburg zum Dr. rer. nat. promoviert. Die Habilitation für Biochemie erfolgte 1971 ebenfalls in Freiburg. 1972 wurde Thauer zum Professor am Lehrstuhl für Biochemie der Pflanzen an der Ruhr-Universität Bochum berufen. 1976 wechselte er auf den Lehrstuhl für Mikrobiologie an der Philipps-Universität Marburg. Er war seit 1991 einer der Gründungsdirektoren des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie in Marburg und leitete dort die Abteilung Biochemie bis zu seiner Emeritierung Ende 2007, es folgten weitere sieben Jahre als Emeritus-Gruppenleiter. Thauers wissenschaftliche Leistungen wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem 1984 mit der Otto-Warburg-Medaille der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, 1987 mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und 2008 mit der Carl-Friedrich-Gauß-Medaille der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft. Ihm zu Ehren wurde 1993 eine neu entdeckte Bakteriengattung Thauera genannt, von der es inzwischen 17 Spezies gibt. Seit 1984 ist er Mitglied der Leopoldina in der Sektion Biochemie und Biophysik. 1992 wurde er mit der Carus-Medaille der Leopoldina geehrt. 2013 verlieh ihm das Präsidium der Leopoldina, dem er von 2005 bis 2010 angehörte, die Verdienstmedaille der Akademie und würdigte damit sein Engagement bei der Neuausrichtung der Leopoldina zur Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Die Cothenius-Medaille geht auf eine Stiftung des Leopoldina-Mitglieds und Leibarztes des Preußenkönigs Friedrich II., Christian Andreas von Cothenius (1708–1789), zurück. Sie wurde im Jahr 1792 zum ersten Mal verliehen. Anfänglich wurden die Preisträger für die Bearbeitung medizinischer Forschungsfragen ausgezeichnet. Seit 1954 vergibt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina die Cothenius-Medaillen für das herausragende wissenschaftliche Lebenswerk der Geehrten.

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