27.04.2026 Fußschmerzen neu denken
Marburger Forschungsprojekt untersucht Alternativen zu orthopädischen Einlagen
Orthopädische Einlagen gehören in Deutschland zu den häufig verordneten Hilfsmitteln. Sie sollen Schmerzen lindern und Fehlstellungen des Fußes korrigieren. Gleichzeitig deuten erste wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, dass gezielte Übungen zur Kräftigung der Fußmuskulatur ebenfalls zu einer deutlichen Beschwerdelinderung beitragen können. Ob solche Eigenübungen eine gleichwertige Alternative zu Einlagen darstellen können, untersucht das Forschungsprojekt INSOLE am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg. Das Projekt wird über einen Zeitraum von drei Jahren mit rund 1,6 Millionen Euro durch den Gemeinsamen Bundesausschuss im Rahmen des Innovationsfonds gefördert.
Innerhalb des Projektes wird geprüft, ob ein speziell entwickeltes Übungsprogramm bei ausgewählten Indikationen orthopädische Einlagen ersetzen kann – ohne Verschlechterung von Schmerzen oder Funktionalität des Fußes. Langfristig sollen die Ergebnisse dazu beitragen, das Versorgungsspektrum der betroffenen Patient*innen zu erweitern.
„INSOLE lebt von der engen interprofessionellen Zusammenarbeit. Unterschiedliche Perspektiven aus Physiotherapie, Medizin, Psychologie und Gesundheitswissenschaft ermöglichen es uns, ein umfassendes und praxisnahes Konzept zu entwickeln“, sagt Prof. Dr. Annika Viniol, die das Projekt gemeinsam mit Dr. Nele Kornder und Dr. Veronika van der Wardt leitet. „Die Stärke unseres Konsortiums liegt in der gebündelten Expertise mehrerer Hochschulen und Forschungseinrichtungen. So können wir sowohl die inhaltliche Entwicklung als auch die Evaluation auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau sicherstellen“, ergänzt Kornder. Die beteiligten Partner bringen dabei ihre jeweiligen Schwerpunkte gezielt ein: von der Entwicklung des Übungsprogramms an der Hochschule Niederrhein über die gesundheitsökonomische Evaluation durch die Hochschule Fulda bis hin zur zentralen Rolle des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität zu Lübeck bei der Rekrutierung von Studienteilnehmer*innen.
Studienteilnahme ab Juni möglich
Ab Juni werden für die Studie Teilnehmende aus der Region Marburg und Lübeck gesucht, die seit längerer Zeit orthopädische Einlagen tragen und unter Fußbeschwerden leiden. Interessierte können sich für die Teilnahme unter insole-studie@uni-marburg.de vormerken lassen.
Die Studie wird in Hessen sowie Schleswig-Holstein durchgeführt und folgt dem Design einer randomisiert kontrollierten Studie. Dabei werden die Teilnehmenden zufällig zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe absolviert ein strukturiertes Eigenübungsprogramm, während die Vergleichsgruppe weiterhin mit Einlagen versorgt wird. Ergänzend kommen Fragebögen sowie objektive Messverfahren zur Fußform zum Einsatz.
„Mit ihrer Teilnahme helfen die Teilnehmerinnen dabei, die Behandlung von Fußbeschwerden wissenschaftlich weiterzuentwickeln und langfristig zu verbessern. Das Projekt INSOLE trägt so dazu bei, neue, patientenorientierte Versorgungswege zu erschließen und die Versorgung zukünftiger Patientinnen nachhaltig zu stärken“, sagt Kornder.
Weitere Informationen
INSOLE - Aktuelle Projekte - Marburger Institut für Allgemeinmedizin - Philipps-Universität Marburg