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Sprachsensibler Fachunterricht an der Schwelle zur Hochschule

Bedarfe, Entwicklung und Erprobung von bildungs- und fachsprachlichen Fördermaßnahmen für ausländische Studienbewerber am Studienkolleg Mittelhessen

Forschungsteam der Philipps-Universität Marburg

  • Prof. Dr. K. Siebold, Leiterin der Abteilung für Deutsch als Fremdsprache, UMR
  • J. Müller, Dozentin und Koordinatorin des Forschungspraktikums, UMR
  • Studierende des Lehramt-Drittfachs DaF und Master DaF im Rahmen des Forschungspraktikums
  • Kooperationspartner: Studienkolleg Mittelhessen

Projektbeschreibung

Die korrekte Verwendung der Bildungssprache Deutsch und der spezifischen Fachsprachen (z.B. im Fach Mathematik, Wirtschaft oder Geschichte) sind für Lernende sowohl mit als auch ohne deutsche Muttersprache eine große Herausforderung und zentrale Voraussetzung für ihren Bildungserfolg. DaF-/DaZ-Lehrkräfte, die ihnen dabei behilflich sind, müssen wissen, welche die spezifischen Herausforderungen von Rezeption und Produktion im Bildungs- und Fachkontext sind, um ihre Schülerinnen und Schüler angemessen darauf vorbereiten zu können. 

Im Kontext des Projekts „Sprachsensibler Fachunterricht an der Schwelle zur Hochschule. Bedarfe, Entwicklung und Erprobung von bildungs- und fachsprachlichen Fördermaßnahmen für ausländische Studienbewerber am Studienkolleg Mittelhessen“ sollen langfristig die bildungs- und fachsprachlichen Anforderungen und Förderbedarfe am Studienkolleg ermittelt, Unterrichtskonzepte entwickelt und erprobt und diese auf ihre Wirksamkeit längsschnittlich überprüft werden.

 

Erste Ergebnisse

Poster FaDaF.jpg

Im ersten Jahr des Projekts (Sommersemester 2018 und Wintersemester 2018/19) lag der Schwerpunkt auf der Initialanalyse bildungs- und fachsprachlicher Anforderungen in den Fachkursen am Studienkolleg in den Fächern Soziologie und Physik. Die Teilnehmenden des Begleitseminars haben mit diesem Ziel Daten mithilfe von Unterrichtsbeobachtung, Lehrmaterialanalyse und Befragungen der Lernenden und einer Lehrkraft erhoben sowie eine Befragung unter Absolvent/innen des Studienkollegs durchgeführt, die nun an der Philipps-Universität Marburg studieren.

Die Ergebnisse dieser Bedarfsanalyse wurden auf der Nachwuchstagung der FaDaF in Chemnitz (März 2019) in Form einer Posterpräsentation von vorgestellt.

Aktivitäten im Projekt & Überblick über die bisherigen Ergebnisse

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Sommersemester 2019Sommersemester 2019

    Im aktuellen Semester wird die Bedarfsanalyse der letzten Semester weiter vertieft und ergänzt um die Lernstandsbestimmung und Entwicklung von Fördermaßnahmen.

    Eine Beschreibung der Aktivitäten des laufenden Semesters und ein Überblick über die Ergebnisse folgen in Kürze.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Wintersemester 2018/19Wintersemester 2018/19

    Aufbauend auf den Ergebnissen des vorangegangenen Semesters lag der Fokus im Wintersemester auf der vertieften Analyse der wissenschafts- bzw. fachsprachlichen Bedarfe in den Fächern Physik und Soziologie am Studienkolleg Mittelhessen.

    Physik: Zur Vertiefung der Bedarfsanalyse wurden im Fach Physik die Lernerprodukte analysiert, in diesem Fall die Versuchsprotokolle der Kollegiaten im ersten Semester des sog. T-Kurses (Technik & Naturwissenschaften). Die Gruppe der Studierenden des Begleitseminars führte dazu eine linguistische Analyse auf Wort- und Satzebene durch und konnte zeigen, dass in dieser Textsorte verstärkt Komposita, Fugenelemente und grammatische Kongruenz zu Schwierigkeiten bei den Kollegiaten führten und die Kollegiaten bei der Verwendung unpersönlicher Formen und syntaktischer Gliederungsprinzipien hinter den Ansprüchen der Textsorte in Bezug auf Fach- bzw. Wissenschaftssprache zurückblieben.

    Fächerübergreifend: In einer Online-Umfrage unter ehemaligen Studienkollegabsolventen, die jetzt an der Phillips-Universität Marburg studieren, wurden 42 Probanden zu ihren Erfahrungen am Studienkolleg und an der Universität befragt, außerdem wurden mit sechs dieser Teilnehmenden leitfadengestützte Interviews durchgeführt. Insgesamt gaben die Teilnehmenden der Befragung an, dass sie im Vergleich zu anderen ausländischen Studierenden der Einstieg an der Universität leichter falle, da Fachwörter und Fachinhalte teilweise schon bekannt seien. Allerdings seien insbesondere in Bezug auf die Fertigkeiten Hören, Schreiben und Lesen die Niveauunterschiede zwischen Studienkolleg und Universität deutlich spürbar.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Sommersemester 2018/19Sommersemester 2018/19

    Physik: Das zentrale Forschungsinteresse lag bei der Analyse der sprachlichen Anforderungen (Welche Sprachhandlungen werden erwartet?) und der Sprachverwendung der Lehrenden und Lernenden (z.B.: Welchen Umfang/ Fehler/ Sprachstrukturen zeichnen mündliche und schriftliche Äußerungen von Studierenden im Studienkolleg (sog. Kollegiaten) aus?). Zudem wurden Daten zur Sprache in den verwendeten Unterrichtsmaterialien und die Selbsteinschätzung der Kollegiaten mit Bezug auf eigene Sprachverwendung und Sprachverständnis erhoben.

    Die Auswertung dieser Daten ergab, dass vor allem im Bereich der systematischen sprachlichen Hilfestellungen im Unterricht noch Entwicklungsbedarf besteht. Konkrete fachspezifische sprachliche Herausforderungen liegen im Verständnis der Aufgabenstellungen (speziell in Textaufgaben) und der mündlichen und schriftlichen Textproduktion (der Beschreibung des Lösungswegs, der Formulierung von Antwortsätzen und dem Verfassen von Versuchsprotokollen).

    Soziologie: Der Forschungsschwerpunkt lag in dieser Fächergruppe auf dem Fachwortschatz und dem Umgang mit fachsprachlichen Begriffen, sowohl in den verwendeten Lehrmaterialien, als auch im Unterrichtsgespräch. In diesem Zusammenhang konnte beobachtet werden, dass die Kollegiaten sich bereits auf einem hohen Niveau zu fachlichen Themen äußern können. Dies spiegelte sich auch in der Selbsteinschätzung der Kollegiaten. Durch das Interview mit der Soziologielehrkraft konnten zudem Einblicke in das Verfahren der Materialauswahl und die von der Lehrkraft anvisierten Lernziele gewonnen werden: Besonders wichtig sei das Anregen eigener Gedankengänge und das Üben von präzisen Formulierungen in der Auseinandersetzung mit fachlichen Inhalten. Die Lehrmaterialien werden von der Lehrkraft teilweise bearbeitet, um an das Vorwissen der Lernenden anzuknüpfen und eine klarer Struktur (z.B. mit Zwischenüberschriften) zu erreichen. Entwicklungsbedarf besteht allerdings noch in der systematischen Implementierung von metasprachlichen Phasen im Unterricht.

HMWK-Maßnahme: „Aktionsplan zur Integration von Flüchtlingen und Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts“

Das HMWK fördert im Kontext des Hessischen Aktionsplans zur Integration von Flüchtlingen und Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts ausgewählte Forschungsvorhaben zur wissenschaftlichen Untersuchung unterschiedlicher Szenarien, in denen Geflüchtete Deutsch lernen und Bildungsgänge durchlaufen, um sich erfolgreich in die Gesellschaft zu integrieren.

Im Vordergrund der Entwicklung der Forschungsfragen standen Aspekte der Praxisrelevanz und des Anwendungsbezugs bzw. des vertieften Verständnisses darüber, mit welchen Bildungsvoraussetzungen Geflüchtete aus verschiedenen Krisenregionen typischerweise kommen und welche sprachlichen Anforderungen sie in den konkreten Bildungskontexten vor besondere Herausforderungen stellen.

Gefördert werden die Fachgebiete Deutsch als Fremd-/Zweitsprache an allen fünf hessischen Universitäten. Dabei übernehmen sie unterschiedliche Stadien spezifischer Bildungsgänge. Im folgenden finden Sie eine Übersicht über Projekte der anderen vier hessischen Universitäten:

Kontakt

Jennifer Müller, wissenschaftliche Mitarbeiterin (AG Deutsch als Fremdsprache) und Koordinatorin des Forschungskolloquiums