Hauptinhalt

Auftakt

Von Sarah Ludwig-Simkin

Foto: Jazzinstitut Darmstadt
Mátyás Seiber in den 1920er Jahren in Frankfurt

Im Januar 1928 wurde an Dr. Hoch's Konservatorium in Frankfurt eine Jazzklasse gegründet, die unter Mátyás Seiber, einem ungarischen Cellisten, wahrscheinlich weltweit erstmalig Jazz in Instrumental- und Ensembleklassen sowie in den Fächern Komposition, Arrangement, Improvisation und Theorie an einer klassischen Hochschule unterrichtete.

Foto: Jazzinstitut Darmstadt
Chocolate Kiddies 192+, Deutschland

Bereits seit Mitte der 1920er Jahre gastierten in Frankfurt farbige Ensembles, und Tanzorchester engagierten amerikanische Musiker, um den damaligen Modetänzen (Ragtimes etc.) mehr Authentizität und den Aufführungen mehr Anziehungskraft zu verleihen. Die Musik war laut und lebensfroh oder 'bluesig', hauptsache aber amerikanisch.
Frankfurt war also bereits in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ein Zentrum des Jazz. Zur Jazzklasse an Dr. Hoch's Konservatorium und den zahlreichen Gastspielen gesellte sich die Tatsache, das der in Frankfurt ansässige Südwestdeutsche Rundfunk "vergleichsweise jazzfreudig" war.

Der amerikanische Pianist Sam Wooding teilte über einen Auftritt in Frankfurt Anfang 1926 mit: 

"Die Show war enorm erfolgreich in der Stadt der Würstchen, vielleicht weil die jungen Frankfurter sich dem amerikanischen Jazz und Swing aufgeschlossener zeigten als andere Deutsche außer das Publikum in Berlin."

 (Schwab, Jürgen: Der Frankfurt Sound. Eine Stadt und ihre Jazzgeschichte(n), Frankfurt 2005)

Spätestens 1933 änderten sich jedoch die Vorzeichen, unter denen in Frankfurt musiziert wurde. Unter Anwendung der "Gesetze zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" erhielten die jüdischen und ausländischen Lehrer am Konservatorium ihre Kündigung. Am 15. Oktober 1935 verbot Reichssendeleiter Hadamovsky "Nigger-Jazz" im Radio. Jazz fiel als amerikanische, vor allem aber als "Nigger-", Juden- und Dschungelmusik unter "entartete Musik". Sie galt als schädigend für den "deutschen Volksgeist" und wurde als solche als eine Gefahr für Staat und Gesellschaft angesehen, deren Einfluss zu unterbinden war.