06.02.2019 Laudatio: In Minimis Deus Maximus

zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Maike Petersen

Sabine Alida Burgers

In Minimis Deus Maximus – Im Kleinsten ist Gott ganz groß. Dieser Spruch zierte viele Jahre das Eingangsportal des Instituts für Pharmazeutische Biologie und Biotechnologie und kann gleichsam als Leitspruch für Leben und Forschung von Maike Petersen gelten.

Im schwäbischen Sindelfingen geboren, führte ihr Weg sie zunächst zum Studium der Biologie ins nahegelegene Tübingen. Nach dessen Abschluss begann sie ihre Forscherkarriere mit der Promotion zum Thema „Digitoxin 12β-Hydroxylase, ein Cytochrom P-450-abhängiges Enzym aus Zellkulturen von Digitalis lanata Ehrh.“ in der Arbeitsgruppe von Professor Seitz. Bereits hier zeigte sie ihre Begeisterung für die Arbeit an scheinbar kleinen, für das bloße Auge nicht sichtbaren Dingen.

Die folgenden Jahre verbrachte sie in der Arbeitsgruppe von Professor Alfermann in Düsseldorf. Ihr besonderes Interesse galt dabei weiterhin den sekundären Pflanzenstoffen, jenen Substanzen, die aufgrund ihrer unzähligen Funktionen die Vielfalt der Arten mitgestalten. Mit einem Forschungsaufenthalt am Genetischen Institut in Gent vertiefte sie ihre Kenntnisse in den molekularbiologischen Arbeitsweisen. Obwohl sich diese, für uns heute alltäglichen Methoden, damals noch in den Kinderschuhen befanden, erkannte Maike Petersen sofort das Potenzial für die Naturstoffforschung. 1993 habilitierte sie mit dem Thema „Die Biosynthese und Akkumulation der Rosmarinsäure in Suspensionskulturen von Coleus blumei Benth.“, einem Meilenstein in der Aufklärung der Rosmarinsäure-Biosynthese – und einem Thema, das sie bis heute nicht loslässt. Um der Naturstoffforschung zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, beteiligte sie sich 1994 an der Gründung der Sektion Naturstoffe der Deutschen Botanischen Gesellschaft. Zu dieser Zeit formierte sich zudem eine „ominöse Habilitandengruppe, die die Naturstoffforschung in die Professuren bringen wollte“. Und siehe da, heute trifft man auf so mancher Tagung Mitglieder dieses Kreises. Auch Maike Petersen fand ihren Platz mit der Berufung als Professorin für Pharmazeutische Biologie und Biotechnologie an der Philipps-Universität im Jahre 1997. Bis heute fühlt sie sich den Sekundärstoffen, besonders der Rosmarinsäure, aber auch Lignanen und denunterschiedlichsten phenolischen Verbindungen verpflichtet. Viele davon sind als sogenannte small molecules auch für die Wirkstoffforschung von Bedeutung.

Unter den Studierenden der Pharmazie in Marburg ist Maike Petersen durch die Bank beliebt und ihre Vorlesungen sind stets gut besucht und immer interaktiv. So präsentiert sie Schnitte
und Färbungen, um die Inhalte anschaulich und einprägsamer zu gestalten. Für jegliche Probleme ihrer Studierenden hat sie dabei stets ein offenes Ohr. Als ehemalige Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes engagiert sie sich zudem auch heute noch als Vertrauensprofessorin für die jetzigen Stipendiaten.

Auch für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht ihre Tür immer offen, sei es für fachliche als auch persönliche Anliegen. Auch heute hält sie den Kontakt zu ehemaligen Doktorandinnen und Doktoranden wie auch zu ihren Weggefährten. Dies alles managt sie neben ihren weiteren unzählbaren Aufgaben in Gremien, Vereinen und Organisationen. Dabei überzeugt sie stets durch ihre herzliche, aufgeschlossene und jung gebliebene Art. Eine besondere Hingabe gilt dabei dem Gesang. So ist sie engagiertes Mitglied des Landeskirchenchores der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck.

Zwar ist unser Institut umgezogen und der Sinnspruch ziert nicht mehr unsere Eingangstür. Doch gilt nach wie vor: In der weiten Welt der Wissenschaft, mit ihren vielen unentdeckten
Flecken, erarbeitet Maike Petersen die vielen, kleinen Erkenntnisse mit großer wissenschaftlicher Neugier und Weitblick, Präzision und Durchhaltevermögen. Anderen begegnet sie mit Empathie und Verständnis und hilft, mit ihrem Wissen und Ihrer Vielseitigkeit das große Rad am Laufen zu halten.

Für die gemeinsame, erkenntnisreiche Zeit bedanken sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AG Petersen.

Wir gratulieren herzlichst und wünschen für die vielen noch kommenden Jahre alles Gute.
AG Petersen

DAZ 2019, Nr. 5, S. 83, 31.01.2019

Kontakt