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Bürger*innenveranstaltung: Demokratie ohne Geschlecht – geht das überhaupt?

Am 10. Oktober 2025 lud das Projekt EnRich unter dem Motto „Demokratie ohne Geschlecht – geht das überhaupt?“ zu seiner ersten Bürger*innenveranstaltung ein. Die Diskussionsveranstaltung richtete sich ausdrücklich an die Stadtgesellschaft und brachte zahlreiche Interessierte aus Universität, Politik und Öffentlichkeit im Sitzungssaal der Stadtverordnetenversammlung in Marburg zusammen.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Projektleitung, Prof.in Dr.in Sabine Pankuweit, gemeinsam mit dem Oberbürgermeister der Stadt Marburg, Dr. Thomas Spieß. Beide unterstrichen die Bedeutung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Stadtgesellschaft sowie die Relevanz geschlechtersensibler Perspektiven für eine lebendige Demokratie.

Den inhaltlichen Auftakt bildete ein Impulsvortrag von Prof.in Dr.in Ursula Birsl vom Institut für Politikwissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Unter dem Titel „Die Demokratie und Geschlechterverhältnisse“ zeigte sie auf, dass die Geschichte der Demokratie untrennbar mit der Geschichte des Kampfes um Frauenrechte verbunden ist. Urusla Birsl verdeutlichte: Je gleichberechtigter eine Gesellschaft ist, desto stabiler ist auch ihre Demokratie. Aktuelle Demokratieforschung, so Birsl, beschäftigt sich unter anderem mit dem Zusammenhang zwischen autoritären Verschiebungen in Demokratien wie beispielsweise in den USA und einer „Konjunktur traditioneller Männlichkeit“.

In der anschließenden Diskussionsrunde, moderiert von Dr.in Marie Reusch, Referentin des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung, entwickelte sich ein lebhafter Austausch. Neben Ursula Birsl diskutierten auf dem Podium Prof. Dr. Marcell Saß (Evangelische Theologie), Prof.in Dr.in Stefanie Bock (Rechtswissenschaften) und Prof. Dr. Max Geraedts (Medizin). Das Publikum brachte zahlreiche Fragen und Anmerkungen ein, die vom erweiterten Panel aufgegriffen und vertieft wurden.

Thematisch reichte die Diskussion vom Gender Death Gap über geschlechtsspezifisches Bewerbungsverhalten auf dem Arbeitsmarkt, die inhärente Männlichkeit des Rechts und zeitgenössische Angriffe auf das Frauenwahlrecht bis hin zur oft fehlenden Inklusion von Trans*Perspektiven. Auch das Patriarchat als Institution, die nicht nur Frauen, sondern auch Männer einschränkt, wurde kritisch beleuchtet. Die Vielfalt der vertretenen Fachrichtungen und die Perspektiven aus der Stadtgesellschaft ergänzten sich dabei besonders fruchtbar und ermöglichten eine engagierte, zugleich wertschätzende Debatte.

Beim anschließenden Umtrunk wurde die Diskussion in informeller Atmosphäre bei Getränken und Häppchen fortgeführt. Die Veranstaltung machte deutlich, wie groß das Interesse an geschlechtersensiblen Perspektiven auf Demokratie und Forschung ist und wie wichtig der offene Austausch zwischen Wissenschaft und Stadtgesellschaft für eine zukunftsfähige Demokratie bleibt.

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