10.09.2020 Neue Dissertation erschienen

Die erste verfügbare Schutzimpfung stand zu Ende des 18. Jahrhunderts zur Verfügung. Sie richtete sich gegen die verheerenden Pocken und provozierte die enthusiastische Hoffnung, dass die Menschenblattern in Kürze ausgerottet sein könnten. Zugleich gab es eine unterschiedlich motivierte Skepsis gegen dieses neue medizinische Verfahren. Mit Inkrafttreten des Reichsimpfgesetzes 1874 formierten sich die latenten Impfgegner neu und traten zum Teil als Impfzwanggegner auf, sie organisierten sich und verfügten nun auch über eigene Publikationsorgane.

Die Studie untersucht die Impfgegner im regionalen Bezug auf Hessen im Zeitraum 1874-1914. So ist es möglich, die einzelnen Protagonisten der Protestbewegung – vorzugsweise aus dem Umfeld des Organs „Der Impfgegner“ – zu identifizieren, sie zu verorten und ihre Verbindungen und Interaktionen im Sinne eines Netzwerks zu rekonstruieren. In dem vergleichsweise überschaubaren Rahmen lassen sich auch die Motivationen der Akteure gut identifizieren. Ebenso wird untersucht, ob und in wie weit die Impfgegner in Hessen in die zeitgenössische alternative Bewegung der Lebensreform integriert waren. Ein Vergleich zwischen den damaligen und den gegenwärtigen Impfgegnern kann zudem die große Übereinstimmung in deren Strategien und Methoden aufzeigen – trotz der heute völlig veränderten medialen Möglichkeiten.

Prof. Dr. Irmtraut Sahmland

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