24.02.2026 Bericht Klausurtagung, evangelisches Augustinerkloster Erfurt von Matthias Donners

Bericht Klausurtagung, evangelisches Augustinerkloster Erfurt von Matthias Donners

Die zweite Klausurtagung des GRKs 2844 fand vom 28.–30. Januar 2026, am Ende unseres fünften Fördersemesters, im evangelischen Augustinerkloster zu Erfurt statt. Nach einer zweieinhalbstündigen Busfahrt und einem reichhaltigen Mittagessen fanden wir uns zusammen, um das Programm dieses Mal in etwas ungewohnter Weise zu beginnen: mit einem „Speed-Dating“. Dieses dynamische Format bot Kollegiat:innen und PIs eine Gelegenheit, sich niedrigschwellig über forschungsbezogene persönliche Erfahrungen und Eindrücke auszutauschen und sich somit auch auf individueller Ebene besser kennenzulernen. Das Motiv der Abgestimmtheit auf individuelle Erfahrungen und Bedürfnisse zog sich auch weiter durch den ersten Tag, bei dem danach in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen verschiedene Strategien und Hürden beim Schreiben der Dissertation ausgetauscht und diskutiert wurden. Den Abschluss des Programms am Nachmittag bildeten dann zwei Projektpräsentationen von Kollegiat:innen, die schon einen deutlichen fachlichen und interdisziplinären Fortschritt erkennen ließen. 

 

 

Gut genährt vom Abendessen begaben wir uns auf eine Kerzenscheinführung durch das Augustinerkloster. Diese überzeugte nicht nur durch die äußerst lebendige und anschauliche Schilderung von Martin Luthers Werdegang als Student in Erfurt und Mönch des Klosters, sondern schaffte es auch, die weitreichende historische Bedeutung der Stätte darüber hinaus hervorzuheben. Besonders im Gedächtnis bleibt aber neben der spürbaren Atmosphäre in den dunklen und kalten Klostergängen und -gemäuern auch die charmante und mitreißende Art unseres Führers, der uns durchgehend mit seinem Fachwissen und Witz, aber auch gesunden Sticheleien zwischen Kolleg:innen fesseln konnte. Nach der Führung ließen wir den Abend im stimmungsvollen Klosterkeller mit Kaltgetränken ausklingen.

 

Neben zwei weiteren anregenden Projektpräsentationen bot der zweite Tag wiederum die Gelegenheit, ganz spezielle Schwierigkeiten und Stolpersteine auf dem Weg zur Fertigstellung unserer Dissertationen anzusprechen: Von der Literaturrecherche und Forschungsdatenmanagement bis hin zu sprachlichen und formalen Unklarheiten wurde vieles diskutiert. Gerade die authentischen Einblicke in den wissenschaftlichen Produktionsprozess seitens der PIs führten zu einem allgemein etwas gelasseneren Gefühl und neuen Perspektiven. Den Nachmittag verbrachten wir auf einer weiteren, atmosphärischen Erkundungstour, zuerst durch die wiederaufgebaute Ruine der Klosterbibliothek, und danach durch den schneebedeckten Kern des mittelalterlichen Erfurts. Wir folgten dabei erneut unserem charismatischen Führer vom Vortag, der uns dieses Mal nicht nur zu (fast) allen relevanten Stätten des historischen Stadtkerns mitnahm, sondern sich auch um unser leibliches Wohl sorgte – inmitten des Schnees und der Kälte waren kurze Kirchen- und Museumsbesuche eine willkommene Abwechslung, um frierende Zehen aufzuwärmen. Nach weiterer individueller Erkundungstour und einer gemeinsamen Reflexion über die Inszenierung, Wahrnehmung und den Wandel von Atmosphäre(n) in diesen besonderen Settings ging der Abend dann bei erneutem gemütlichem Zusammensein im Klosterkeller entspannt zu Ende.

 

 

 

 

 

Am dritten und letzten Tag standen fachliche und fachübergreifende Herangehensweisen zur Erforschung von Atmosphäre im Fokus. Nach einem Input der PIs zur eigenen Atmosphären-Forschung seit Beginn der Förderperiode diskutierten wir auch über fachübergreifende und projektorientierte Anknüpfungspunkte, Überschneidungen und auch Schwierigkeiten bei der Auseinandersetzung mit dieser Fragestellung. Festgehalten wurden die Ergebnisse dieser tiefgehenden Beschäftigung mit Atmosphäre-Zugängen dann interaktiv durch einen multimodalen Austausch auf Papiertischdecken, der unsere Methoden, Konzepte, Anknüpfungspunkte, Fragen, Spannungsfelder und Ausblicke in Bezug auf (religiöse) Atmosphäre illustrativ veranschaulicht und unseren spürbaren konzeptuellen Fortschritt auch nachträglich sichtbar macht. Mit der diskursiven Auswertung unserer schriftlichen Diskussionsbeiträge auf den Tischdecken endete das offizielle Programm.

 

 

 

Im Anschluss an eine Mittagspause begaben wir uns nach anstrengenden, aber sehr produktiven 48 Stunden dann wieder auf die Heimreise Richtung Marburg.

Vor allem die positive und kollegiale Stimmung, die zahlreichen tiefgehenden Debatten und die vielseitigen Inputs in einem einzigartigen Setting in Erfurt trugen dazu bei, dass die Klausurtagung als hilfreiche und gewinnbringende Abwechslung vom normalen Arbeitsalltag in Erinnerung bleibt.