14.04.2026 Bericht über einen Auslandsaufenthalt in Paris von Matthias Donners

Ich war im Frühjahr dieses Jahres für einen Monat (28.02.–31.03.2025) in Paris, um an insgesamt fünf Sitzungen eines Seminars teilzunehmen und die Pariser Universitäten und Forscher kennenzulernen. Das Seminar Langues sabelliques: L'épigraphie gauloise au contact des épigraphies méditerranéennes wurde von Prof. Emmanuel Dupraz, dem Zweitbetreuer meiner Dissertation, an der École Pratique des Hautes Études gegeben. Emmanuel Dupraz ist Directeur d´études für Épigraphie italique an der EPHE und demnach einer der führenden Experten für Epigraphik, Religion und Sprache der vorrömischen Bewohner der italienischen Halbinsel und deren Einzugsgebiet, in das u.a. auch das Gallische fällt. Demnach wurden im Seminar nicht nur bekannte gallische Texte, darunter Fluchtafeln, wie ich sie in meiner Dissertation behandle, besprochen, sondern auch ein rezenter Neufund, eine Fluchtafel aus Orléans, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht publiziert war. Interessanterweise ergeben sich zwischen diesen gallischen Fluchtafeln, denen die Übernahme einer weit verbreiteten lateinischen Praxis zugrunde liegt, bemerkenswerte Übereinstimmungen, die zum allgemeinen Verständnis der Praxis und den Einzeltexten beitragen können. Jeder neue Einzelfund bietet nämlich die Gelegenheit, bisherige Hypothesen zur Sprache und dem Inhalt dieser Rituale vergleichend zu überprüfen. Dieser höchstaktuelle Einblick und die damit verbundene Diskussion der aktuellen Forschung waren also sehr relevant und grundlegend für das weitere Vorankommen meiner Forschungsarbeit.


Gleichermaßen konnte ich außerhalb der Seminarzeiten mit Prof. Dupraz über meine anderen Ritualtexte reden und dabei vorläufige linguistische und inhaltliche Ergebnisse diskutieren und in einen größeren Zusammenhang bringen. Dies verschaffte mir dann direkt auch die Möglichkeit, diesen Input in Form eines Kapitels meiner Dissertation zu verschriftlichen, wofür sich auch in Paris genug Zeit bot.
Darüber hinaus besuchte ich Seminare zu indogermanischer Syntax bei Daniel Petit und Nordischer/Runischer Philologie bei Alessia Bauer, welche mir ebenfalls neue Inhalte und Methoden vermittelten und interessante Anknüpfungspunkte in meinem Forschungsprojekt boten, sei es auf sprachwissenschaftlicher oder epigraphischer Ebene; kryptische Runeninschriften zu entziffern macht zudem sehr viel Spaß!
Ich hatte in Paris daneben auch die Möglichkeit, andere Nachwuchswissenschaftler kennenzulernen oder wiederzusehen, die sich für dieselben oder ähnliche Themen interessieren. Diese gaben mir seit dem ersten Arbeitstag direkt das Gefühl, am richtigen Ort zu sein und hatten stets ein offenes Ohr für meine Ideen, aber auch Fragen zum Leben und Forschen in der französischen Hauptstadt. Nicht zuletzt leisteten sie mir auch nach Feierabend in den typisch Pariser Brasserien Gesellschaft.


Erst im Nachhinein, auch nachdem ich manche der Nachwuchswissenschaftler wiedersehen konnte, wurde mir bewusst, wie wichtig und bereichernd diese enge internationale Zusammenarbeit zwischen Forschenden in Deutschland, Frankreich, Italien und darüber hinaus ist; selbst auf fachlichen Tagungen in Irland und Tschechien konnte ich seitdem weitere Kontakte knüpfen, was mir durch meine Freunde aus Paris erleichtert wurde.

Nicht zuletzt sind auch die allgemeine Schönheit und das Lebensgefühl von Paris hervorzuheben, welche ich in meinen 31 Tagen dort erleben durfte. Dies reichte von Museumsbesuchen über Verkostungen von Baguettes und Viennoiseries zu Spaziergängen in Parks und Einkaufsstraßen. Zigtausend Fotos zeugen von den zahlreichen schönen Eindrücken, die Paris im Frühjahr zu bieten hat. Zwischen den bekannten und offensichtlichen touristischen Attraktionen zog es mich jedoch immer wieder auch in die Bibliothèque der École Normale Supérieure, die nicht nur ein schönes Ambiente zum Verweilen, sondern auch zahlreiche relevante Literatur zum Forschen bereitstellte.


An diesen gelungenen Auslandsaufenthalt denke ich gerne zurück. Es wird mit Sicherheit nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich, auch speziell zum Forschen, Paris besuchen werde.