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Aktuelle Buchtipps

Berlin – Bonn – Berlin

Am 8. Mai 1945 ist das Deutsche Reich am Ende. Fünfeinhalb Jahrzehnte später führen elf Länder der EU, darunter die Bundesrepublik Deutschland, den Euro als gemeinsame Währung ein. Die beiden Daten markieren den Zeitraum, den der Marburger Politikwissenschaftler Georg Fülberth in seiner Betrachtung der deutschen Nachkriegsentwicklung in den Blick nimmt. 300 Buchseiten sind für ein solches Unterfangen nicht eben viel, zumal neben der Geschichte der Bundesrepublik auch die des realsozialistischen Pendants aufgeblättert werden soll. Der Autor muss sich der Materie folglich eher holzschnittartig nähern und sich in seinem Überblick Berlin – Bonn – Berlin auf grundlegende politische und gesellschaftliche Prozesse beschränken. Für die Bundesrepublik schält er folgende Stationen heraus: Wiederbewaffnung und Befestigung der Restauration (1949 – 1955), ökonomische Dynamik, sozialpolitischer Ausbau, außenpolitische Stagnation (1955 – 1963), Problemdruck, Reformstau und Suche nach neuen Wegen (1963 – 1969), Bewegungsphase der sozialliberalen Koalition (1969 – 1974), Stagnation und Scheitern dieser Koalition (1974 – 1982), kapitalistischer Aufschwung (1982 – 1989). Etappen der DDR-Entwicklung sind: Sozialismus-Versuch und Abschließung (1949 – 1961), zeitweilige Konsolidierung (1961 – 1971), sozialpolitische Offensive und internationale Anerkennung (1971 – 1975), Verschuldung und Abstieg (1975 – 1985), Schlusskrise (1985 – 1989). Das gesamtdeutsche Schlusskapitel heißt: Neubeginn eines Nationalstaats, europäische Integration, Herausforderung des Sozialstaats (1990 – 1998).

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PapyRossa Verlag
315 S., DM 36,-


Macht und Herrschaft

"Macht" und "Herrschaft" zählen zu den zentralen Kategorien der Sozialwissenschaften. Die beiden Begriffe sind zugleich fester Bestandteil der Alltagssprache. Gerade hier ist ihr Gebrauch meist ungenau und vieldeutig, dazu in aller Regel negativ oder ideologisch besetzt. Den historisch eher seltenen Perioden demokratisch legitimierter Herrschaftsausübung standen und stehen nun einmal zu lange Phasen autoritärer Gewaltverhältnisse gegenüber. Vor diesem Hintergrund liefert der von dem Marburger Soziologen Peter Imbusch herausgegebene Sammelband Macht und Herrschaft. Sozialwissenschaftliche Konzeptionen und Theorien eine umfassende Diskussionsgrundlage über die Vielzahl konkurrierender Ansätze und die mit den schillernden Begriffen einhergehenden Analyseperspektiven. Neun der 19 Autoren sind der Philipps-Universität zuzurechnen. Sie beschäftigen sich mit Macht und Herrschaft bei Marx und Engels (Joachim Hösler), Gaetano Mosca und Vilfredo Pareto (Miguel Tamayo), Horkheimer und Adorno (Dirk Hülst) sowie Pierre Bourdieu (Gerhard Wayand) und setzen sich auseinander mit Machtstrukturen in der Gemeinde (Norbert Kersting), Macht und Herrschaft in der "Risikogesellschaft" (Hans-Jürgen Bieling), dem Übergang von Klassen und Schichten zu sozialen Lagen, Milieus und Lebensstilen (Peter Imbusch), mit Machtdiskurs und Herrschaftskritik im Feminismus (Karola Maltry) und der Politischen Soziologie des Internet: "Herrschaftsfrei und grenzenlos?" (Achim Bühl).

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Leske + Budrich
374 S., DM 49,-


Der Mond ist aufgegangen

Seine Texte sind mal launig, mal frömmelnd, häufig wenden sie sich religiös-moralischen Themen zu. Es ist ein einfacher, volkstümlicher Ton, der seine im "Wandsbecker Boten" veröffentlichten Beiträge auszeichnet. Als bekanntestes Markenzeichen gilt seine volksliedhafte, schlichte Lyrik von zeitloser Gültigkeit. "Die Botschaft, die er den Menschen auf seine Weise bringen will – nicht in jedem Text, aber in der Hauptsache –, ist der überlieferte Christenglaube als Lehre und tägliche Praxis", erläutert der Marburger Literaturwissenschaftler Reinhard Görisch über Matthias Claudius, dessen Gesamtwerk sieben Bände füllt. Gedichte, Betrachtungen, Dialoge und Aufsätze sind dabei die von Claudius (1740 – 1815) bevorzugten Vermittlungsformen. Sein "Abendlied" (Der Mond ist aufgegangen) zählt zu seinen bekanntesten und bis heute populärsten Zeilen. Unter diesem Titel hat Claudius-Experte Görisch denn auch eine ausgewogene Auswahl an Gedichten und Prosastücken des konservativ geprägten, zugleich aber sozialkritischen "einfältigen Boten" (Selbsteinschätzung) vorgelegt. "Die kunstbewusste Simplizität, mit der Claudius seine Themen meist gestaltet, am liebsten im Alltag des mitmenschlichen Zusammenlebens verankert, in dem sich jedoch Allgemein-Menschliches offenbart, macht bis heute diesen Schriftsteller unverwechselbar eigenständig gegenüber anderen und auch bedeutenderen seiner Zeit", urteilt der Herausgeber, dessen Zusammenstellung auch weniger Bekanntes und sonst eher vernächlässigte Altersschriften berücksichtigt.

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Insel Verlag
290 S., DM 18,80


Internet für Theologen

Theologen tummeln sich im World Wide Web wesentlich seltener als Informatiker oder Wirtschaftswissenschaftler. Eingeweihte Surfer aus dem theologischen Umfeld dagegen wissen, dass die offizielle Homepage des Heiligen Stuhls unter http://www.vatican.va angeklickt werden kann. Wer dagegen http://animabit.de/bibel eingibt, holt sich eine deutschsprachige Seite auf den Bildschirm, die alles enthält, was das Herz eines Bibelwissenschaftlers begehrt. Das hier abgelegte vorbildliche Angebot spiegelt allerdings gerade nicht das Internet-Niveau deutschsprachiger theologischer Fachbereiche in Forschung und Lehre, sondern stammt von einer Softwarefirma (mit Arbeitsschwerpunkt im kirchlich-caritativen Bereich). Hinweise dieser Art gibt der Marburger Sozialethiker Wolfgang Nethöfel in der gemeinsam mit dem Frankfurter Verwaltungsrichter Paul Tiedemann vorgelegten praxisorientierten Einführung Internet für Theologen. Die Schrift will denen, die noch ohne Netzerfahrung sind, Mut machen und ihnen die Angst vor dem neuen Medium nehmen. Sie macht mit wichtigen Adressen für Theologen vertraut und zeigt, wie man im WWW publizieren kann. Derzeit stehen manche Personen und Institutionen rund um die Theologie dem Mysterium Internet noch skeptisch gegenüber. Aber auch für sie gilt laut Nethöfel: "Wer sich nicht ins Netz begibt, kommt darin um!"

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Primus Verlag
152 S., DM 34,-


Ratgeber bei Prostataleiden

Etwa die Hälfte aller Männer hierzulande über 50 haben eine vergrößerte Prostata. Bei den 70-Jährigen sind es schon 70 bis 80 Prozent. Häufig bleibt diese Veränderung der Vorsteherdrüse allerdings unbemerkt. Ist die Prostata jedoch auf eine bestimmte Größe angewachsen, kann sie die Harnröhre einengen und das Wasserlassen beeinträchtigen – die Alterskrankheit des Mannes in der zweiten Lebenshälfte. Witze zum Thema Prostata beleben nicht selten Stammtischrunden, doch über eigene Prostataleiden schweigen sich die Betroffenen gerne aus. Diese Funktionsstörung gilt vielen auch heute noch als peinlich, wird möglichst lange verdrängt und dem Arzt aus Scham oder Angst vor Eingriffen häufig erst offenbart, wenn es sich partout nicht mehr vermeiden lässt. Vor diesem Hintergrund hat der Marburger Urologe Rainer Hofmann einen Ratgeber verfasst, der dem medizinischen Laien verständlich erläutert, welche Beschwerden auftreten können, welche Anzeichen für eine gutartige Prostatavergrößerung sprechen, wann Verdacht auf einen Tumor besteht, ab welchem Beschwerdegrad eine Behandlung angezeigt ist, welche Medikamente was bewirken und welche Operationsmethoden in Frage kommen. In vielen Fällen bedürfe die Prostataveränderung keiner intensiven Behandlung, resümiert der Mediziner, der regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen empfiehlt: "Leider ist nie vorauszusagen, wann eine Operation unvermeidbar wird. Deshalb sind Selbstbeobachtung und so manche Änderung der Lebensweise ratsam."

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Wort&Bild Verlag
208 S., DM 24,80


Erinnerungen eines Mediziners

Wir schreiben 1961: Soeben zu apl. Professoren avanciert, werden zwei langjährige Oberärzte von den Schwestern prompt mit dem neuen Titel angeredet. Als er dies vernimmt, schreitet der Klinikchef ein – schließlich sei nur er der einzige "richtige" Professor. Ein weiterer Oberarzt muss gehen, weil er einen wissenschaftlichen Beitrag, den sein Chef monatelang ignoriert hat, ohne dessen Wissen unter der Überschrift "Aus der Universitäts-Kinderklinik Marburg (dir. Prof. Dr. ...)" veröffentlicht. Die Schilderung gerade solcher Usancen aus dem akademischen Alltag der vor-68er Jahre ist es, die die kleine Autobiografie von Wilhelm Johannes Oehme (84) so reizvoll macht – selbst wenn man die handelnden Personen nicht kennt. In Fünf Epochen und ein Medizinerleben skizziert der erfolgreiche Kinderarzt und Hochschullehrer seinen bewegten Werdegang unter wechselnden politischen Vorzeichen – zuletzt in Leipzig (DDR), Marburg (1956 - 1965) und Braunschweig (Chefarzt der Städtischen Kinderklinik) – und legt dabei auch ein Stück universitären Innenlebens frei. Noch eine Kostprobe: Mit seiner ersten Vorlesung in Marburg über "Differenzialdiagnose von Kinderkrankheiten" zieht der Autor mehr Hörer an als der (im Übrigen seiner vielfältigen Verdienste wegen von ihm gewürdigte) Klinikleiter. Der verbietet ihm daraufhin dieses Thema, gehöre es doch zu seiner eigenen Hauptvorlesung. Die folgenden Spezialveranstaltungen des Nichtordinarius Oehme haben erwartungsgemäß weniger Zulauf – das hierarchische Gefüge ist auch hörermäßig wieder im Lot.

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Verlag Frieling & Partner
112 S., DM 14,80


Wissenschaftsrecht in Hessen

Eine Sammlung über Wissenschaftsrecht in Hessen legt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zum laufenden Wintersemester vor. Die Sammlung enthält die meisten Gesetze Hessens zur Wissenschaft, zu ihren Einrichtungen, ihrem Personal und den Studierenden. Hinzu kommen etliche inhaltlich benachbarte Landesgesetze sowie einschlägig relevante Bundes- und EU-Rechtsnormen. Von der Landesverfassung über die Hochschulgesetze, das Lehramts- und das Juristenausbildungsgesetz bis zum Personalvertretungs- und Gleichberechtigungsgesetz finden Interessenten aus dem Hochschulbereich nahezu alle sie berührenden Paragraphen. Ergänzend wird auf allgemeine Vorschriften verwiesen, deren man sich im Wissenschaftsbereich bewusst sein sollte. Die Auswahl umfasst rund 400 Seiten und kostet DM 18,-, zuzüglich DM 3,- Versandkosten (zu beziehen über: GEW Mittelhessen, Wetzlarer Str. 33, 35398 Gießen, Tel.: 0641 24909). GEW-Mitglieder erhalten das Buch kostenlos.

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Das Heilige

Sofern man bei theologischer Fachliteratur überhaupt von "Bestseller" reden kann, so ist Rudolf Otto (1869-1937) mit seinem Buch "Das Heilige" von 1917 ein solcher gelungen. Nach Übersetzungen ins Französische, Italienische, Spanische und Ungarische ist sein Werk jetzt auch auf Hebräisch herausgekommen.

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Gelehrtes Marburg

Die Übersicht reicht von Abendroth, Wolfgang (Politologe, ermöglichte Jürgen Habermas die Habilitation an der Philipps-Universität), bis Wyttenbach, Johanna (erste Wissenschaftlerin, die in Marburg einen Doktortitel erhielt – 1827). Insgesamt 73 historische Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Kunst und Literatur listet das Poster Gelehrtes Marburg auf, das die Marburger Kulturwissenschaftlerin Marita Metz-Becker für die Reihe "Literarische Stadtpläne" erarbeitet hat. Neben relativ bekannten Persönlichkeiten, die an der Philipps-Universität studiert oder gelehrt haben oder in ihrem Umfeld aktiv waren (Gottfried Benn, Robert Wilhelm Bunsen, Otto Hahn, Michail Lomonossow, Boris Pasternak, Christian Wolff u. a.), werden auch vor Ort eher unbekannte Männer und Frauen vorgestellt, deren Biographie nicht nur von lokalem Interesse ist – zum Beispiel Dorothea Friederica Baldinger (Verfasserin der ersten weiblichen Autobiographie, die 1791 von Sophie La Roche – Großmutter von Clemens und Bettina Brentano – herausgegeben wurde), zum Beispiel Agnes Elisabeth Günther (1863 – 1911, Schriftstellerin, "Die Heilige und ihr Narr") oder Dietrich Weintraut (Volks- und Heimatdichter, "Marburger Hans Sachs"). Aus nahe liegenden Gründen beschränkt sich die Vorstellung auf Verstorbene. Der Plan (70 x 100 cm, Verlag Jena 1800, DM 19,80) macht nicht nur mit dem Wirken und den Werken der Betroffenen bekannt, sondern verweist auch auf deren einstige Wohnadressen, so weit diese recherchiert werden konnten. Anhand einer historischen Stadtkarte von 1750 und ihres aktuellen Pendants kann jeder Marburg-Liebhaber einen Streifzug auf den Pfaden der hier versammelten Dichter und Denker unternehmen und erkunden, wo überall noch Gedenktafeln angebracht werden könnten.

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Zuletzt aktualisiert: 19.12.2007 · trautmas

 
 
 
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