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Rhythmusgeber des Herzens

Sunao Tawara entdeckte an der Philipps-Universität, wie das Herz schlägt

Die Signale für den Herzschlag kommen nicht etwa aus dem Gehirn. Das Herz schlägt in geeigneten Versuchsanordnungen auch außerhalb des Körpers weiter. Ausgangspunkt der Erregung ist der Sinusknoten im rechten Vorhof, der mit 60 bis 80 Impulsen pro Minute dem Herzen den Takt vorgibt. Die Erregung wird an die nachgeordneten Herzabschnitte weitergeleitet, deren erster Empfänger der so genannte Aschoff-Tawara-Knoten ist. Fällt der übergeordnete Schrittmacher aus, ist der Aschoff-Tawara-Knoten in der Lage, eigenständig 40 bis 60 mal pro Minute einen Impuls abzugeben.

Die Namen von Ludwig Aschoff und Sunao Tawara verweisen auf ein bemerkenswertes Stück deutsch-japanischer Wissenschaftsgeschichte, das sich Anfang des Jahrhunderts an der Universität Marburg abgespielt hat. Der Herzchirurg Professor Kozo Suma aus Tokio hat vor kurzem daran mit einem Gemälde erinnert, das er dem Institut für Institut für Anatomie und Zellbiologie gestiftet hat. Es hängt jetzt am Ort des Geschehens, im damaligen Pathologischen Institut.

Japan befand sich bis 1867 in einer selbstverordneten, strikten Isolation. In der chinesischen Medizin, die seit einem Jahrtausend dort praktiziert wurde, war das Obduzieren von Leichen verboten – doch schon 1774 war ein Anatomie-Buch ins Japanische übersetzt worden und hatte eine weite Verbreitung gefunden.

Nach seiner Öffnung suchte das Land nach Vorbildern: Die medizinische Ausbildung wurde am System der damals führenden Nation ausgerichtet – und die war auf diesem Gebiet eindeutig Deutschland. Deutsche Lehrer wurden nach Japan geschickt: Noch heute steht auf einem Campus in Tokio die Büste eines Deutschen mit Pickelhaube, die den Militärarzt B.K.L. Müller darstellt, der von 1871 bis 1875 im Land weilte. 1870 wurden auch bereits die ersten japanischen Studenten nach Deutschland geschickt, und bald auch die ersten "Postdocs".

Sunao Tawara folgte also einer mehr als dreißigjährigen Tradition, als er 1905 nach kam. Dort identifizierte er nach Hinweisen seines deutschen Lehrmeisters, des Pathologen Ludwig Aschoff, 1906 einige Herzmuskelfasern als Teil des Erregungsleitungssystems, darunter den später so genannten Aschoff-Tawara-Knoten. Schnell wurde sein Buch "Das Reizleitungssystem des Säugetierherzens" bekannt. Schon 1908 bezieht sich Einthoven in seiner Schrift "Weiteres über das Elektrokardiogramm" auf Tawaras Beobachtungen. Ludwig Aschoff besuchte seinerseits 1924 Japan.

Professor Suma gelang es, die einzige noch erhaltene, komplette Ausgabe von Tawaras Klassiker "Das Reizleitungssystem des Säugetierherzens" aufzutreiben und einen Reprint zu besorgen. Das von ihm nun gestiftete Gemälde basiert auf dem abgebildeten Foto und stammt von dem japanischen Maler Toshio Yoshino. Der Künstler trägt selbst einen Herzschrittmacher und wollte auf diese Weise Tawara, der schließlich die anatomischen Voraussetzungen für den Einsatz solcher lebensrettenden Geräte erforscht hat, seinen Dank abstatten.

utz


Zuletzt aktualisiert: 19.12.2007 · trautmas

 
 
 
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