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Hessische Geschichte in Karten und Münzen

Das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg

In einem der kleinsten selbständigen Institute im Geschäftsbereich des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, das seit seiner Entstehung und dem Aufgreifen größerer Unternehmungen im Jahr 1921 in enger Verbindung zur Philipps-Universität steht, werden vor allem langfristige Forschungsvorhaben zur Geschichte des heute hessischen Raumes durchgeführt. Zu den von insgesamt fünf Historikern getragenen Projekten gehören neben den Arbeiten am Historischen Ortslexikon des Landes Hessen und den Untersuchungen Deutscher Königspfalzen im Zusammenwirken mit dem Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen auch die Numismatik und Münzfundpflege (siehe gegenüberliegende Seite) sowie die Verbindung von Kartographie und Landesgeschichte, die ihren Ausdruck in der Bearbeitung und Herausgabe historischer Atlanten findet. 1984 konnte mit dem "Geschichtlichen Atlas von Hessen" ein über Jahrzehnte betriebenes, in seinen Anfängen auf die Initiative des Marburger Mediävisten Professor Edmund E. Stengel zurückgehendes Unternehmen zum Abschluss gebracht werden. Da es an zusammenfassenden historisch-topographischen Grundlagen für ein solches Vorhaben in Hessen fehlte, wurden zunächst in Form kleinräumiger Einzelstudien die älteren Siedlungs- und Verfassungsverhältnisse des hessischen Raumes und seiner Territorien systematisch erforscht und kartographisch dokumentiert. Diese notwendigen Vorarbeiten sind zunächst als Einzelstudien in einer eigenen Publikationsreihe, den "Schriften des hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde" erschienen. Sie erfassen nahezu den gesamten hessischen Raum und sind längst zu einer unentbehrlichen Grundlage für die landesgeschichtliche Forschung geworden. Parallel zu diesen separaten Untersuchungen wurde seit den fünfziger Jahren vom Hessischen Landesamt ein zusammenfassender geschichtlicher Handatlas vorbereitet, der für Unterrichtszwecke an Universitäten und Schulen sowie für Geschichtsfreunde allgemein gedacht ist und sich auf den Gesamtbereich des 1945 geschaffenen Bundeslandes Hessen richtet. Dieser maßgeblich von Friedrich Uhlhorn konzipierte "Geschichtliche Atlas von Hessen" ist in Teillieferungen seit 1960 erschienen (79 Karten auf 53 Blättern) und konnte mit dem von Fred Schwind herausgegebenen zugehörigen Text- und Erläuterungsband 1984 zum Abschluss gebracht werden. Damit verfügte Hessen als eines der ersten Bundesländer über ein modernes historisches Kartenwerk, das das breite Spektrum landesgeschichtlicher Forschung von der älteren Siedlungsgeschichte bis zur neueren Wirtschafts- und Sozialgeschichte Hessens zur Anschauung bringt und durch die Kooperation von Historikern, Geographen, Archäologen, Germanisten und Volkskundlern im Textband eine unter vielfältigen Gesichtspunkten verfasste Kommentierung besitzt.

In Fortführung der vom Landesamt seit seiner Gründung schwerpunktmäßig betriebenen historisch-kartographischen Forschungen wurden nach Abschluss der Arbeiten am "Geschichtlichen Atlas" die Vorbereitungen zu einem "Hessischen Städteatlas" begonnen, der als neues Langzeitprojekt betrieben wird. Ziel dieses wissenschaftlichen Vorhabens ist die Edition historischer und moderner Stadtgrundrisse, die eine wichtige Quelle zur Interpretation von Siedlungsentwicklungen und Stadtgeschichte darstellen.

Beispiele zu:

Münzfunde aus Mittelalter und Neuzeit

Eine besondere Gruppe historischer Quellen, welche eigene landesgeschichtliche Akzente setzt, steht unter Betreuung durch das Landesamt. Dies sind die in Hessen anfallenden Münzfunde aus Mittelalter und Neuzeit. Wenn etwa bei Bauarbeiten in einem altstädtischen Sanierungsbereich ein Münzschatz geborgen wird, ist dies gewöhnlich ein Ereignis, das großes Interesse in der Öffentlichkeit auslöst. Denn Gold und Silber aus altem Gemäuer erinnern an Vorstellungen, die viele sich aus der Welt der Sagen und Märchen bewahrt haben. Für Historiker ist ein solcher Fund eine gegenständliche Geschichtsquelle, die um so wertvoller wird, desto besser er mit allen Begleitbefunden gesichert und sachgerechter Auswertung, auch im Zusammenwirken mit der Aussage von schriftlichen Quellen, unterzogen wird. Ein jeder Schatz hatte zu historischer Zeit einen Vorbesitzer, der Geld aus dem Umlauf nahm und versteckte, um es sicher zu verwahren oder gar als Ersparnis für längere Zeit wegzulegen. Aus mancherlei Gründen blieben etliche Schätze in ihren Verstecken, zum Beispiel, weil der ursprüngliche Eigentümer zu Zeiten militärischer Drangsalierung das Geld lieber im Versteck beließ und dann vielleicht verstarb, bevor er hiervon anderen Kenntnis geben konnte. Ein solcher Fund ermöglicht allgemeine Einblicke in den Geldumlauf seiner Verbergungszeit und legt zugleich Zeugnis ab von der persönlichen Art des Umgangs mit Geld, welche der Schatzbildner hatte. Eine eiligst unter äußerem Zwang, etwa dem Anmarsch feindlichen Militärs, zusammengeraffte und verscharrte Barschaft lässt sich deutlich unterscheiden von einem "Sparschatz", der im Lauf der Zeit planmäßig durch gezielte Auswahl guter Münzen zusammengebracht wurde. Da Münzen bis in das 20. Jahrhundert eine Sonderform der Ware Edelmetall darstellten, gehörte es früher für jedermann zu den alltäglichen Erfahrungen, zwischen guter und schlechter Münze zu unterscheiden. Funde zeigen daher ebenso persönliche Eigenheiten im sicheren Umgang mit Geld, wie sie auch soziale Unterschiede offenbaren: Die Sparbüchse einer armen Witwe enthält in der Regel andere Sorten als die eines reichen Kaufmanns.

Münzfunde gehen nur selten auf planmäßige Nachforschung, etwa von Archäologen, zurück. Sie werden meist bei privaten Arbeiten aller Art in Feld und Flur oder beim Umbau von Häusern entdeckt. Viele Funde werden verheimlicht, da nicht wenige private Entdecker und Grundeigentümer fürchten, alte Münzen, denen leicht hoher Handelswert unterstellt wird, würden beschlagnahmt. Dabei bleibt das Eigentum an solchen Funden im Land Hessen in der Regel den beteiligten Privatleuten, sofern die Rechte der Öffentlichkeit und der Wissenschaft gewahrt bleiben. Hierfür trägt das Hessische Denkmalschutzgesetz vom 5. September 1986 Sorge.

Seit 1964 wird dieses Material im Landesamt erfasst, wissenschaftlich bearbeitet und über eine Landesfundkartei und Publikationen erschlossen, eine Arbeit, die im engen Zusammenwirken mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen durchgeführt wird. Seither sind rund 125 Schatzfunde, 80 Grabungen und 1 600 Einzelfunde bearbeitet und veröffentlicht worden. Neben den Historikern unterschiedlichster Forschungsrichtung sind es vor allem Archäologen sowie Volks- und Altertumskundler, die mit solchem Quellenmaterial arbeiten. Studierende der Philipps-Universität konnten sich in den letzten Jahrzehnten in diese Fragestellungen einarbeiten, denn in Lehrveranstaltungen des Fachbereichs Geschichte und Kulturwissenschaften werden seit langem Themen aus dem Fach "Numismatik und Geldgeschichte" behandelt. Nicht wenige Studierende konnten so praxisnahe Erfahrungen mit diesem Material erwerben und in Publikationen sowie Examensarbeiten bis hin zu Dissertationen umsetzen.

Ursula Braasch-Schwersmann und Niklot Klüßendorf

MuenzenDas typische Bild eines in Not rasch zusammengeworfenen Bargeldbestandes bietet dieser im so genannten "Kroatenjahr" 1637 verborgene Schatz von Holzburg (Gemeinde Schrecksbach, Schwalm-Eder-Kreis). Das Geld war so geschickt unter Sandsteinplatten verborgen, dass spätere Generationen, die auf dem Grundstück ein kellerloses Haus errichteten, es nicht bemerkten. Verbergungsanlass war die Bedrohung der Schwalm durch Truppendurchzüge im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Die Wertstruktur des Fundes mit Kleinstwerten (2-Heller) bis zu hochwertigen Talern belegt die damalige differenzierte Geldwirtschaft, an welcher der Schatzbildner Anteil hatte. Ausländische Sorten, namentlich aus den Spanischen Niederlanden und England, waren im deutschen Umlauf üblich. Die so genannten "Kopfstückwerte" aus diesen Ländern waren hier voll integriert, eine Folge ihres guten Silbergehalts, denn Münzen als "Sonderform der Ware Edelmetall" führten ihren inneren Wert mit sich. Eine für die Landesgeschichte aufschlussreiche regionale Komponente des Schatzes zeigt sich bei den kleinen Werten mit ihrer besonderen Durchmischung von niederhessischen Sorten (4-Hellern) und Vertragshalbbatzen des Frankfurter Raumes. Dieses unterwertige Kleingeld hatte beschränkten Umlauf und ordnet den Schatz seiner Fundregion an der "Währungsgrenze" zwischen Nieder- und Oberhessen zu. (Foto: Klüßendorf)


Dr. Ursula Braasch-Schwersmann
ist Direktorin des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde
Wilhelm-Röpke-Straße 6 C
35032 Marburg
Telefon: 06421 28-24582
Fax: 06421 28-24799


Zuletzt aktualisiert: 17.12.2007 · trautmas

 
 
 
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