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Ausstellungen

"Versteinerte Wälder" im Mineralogischen Museum

Geschlagenes Holz verrottet. Wird es rasch luftdicht unter Ton, Sand oder vulkanischer Asche abgeschlossen oder in sauerstoffarmem Milieu abgelagert, kann es über Millionen von Jahren erhalten bleiben. Geeignete Lösungen begünstigen die Konservierung. Je nach Art der Lösung findet man verschiedene Minerale in Verbindung mit fossilem Holz. Von besonderer Bedeutung sind Formen des Siliziumdioxids (z. B. Chalcedon, Quarz, Achat).

Versteinertes Holz ist weltweit gefunden worden. Von "versteinerten Wäldern" spricht man, wenn größere Mengen von Bäumen an derselben Stelle verkieselt sind. Derartige Wälder gibt es unter anderem in Arizona (Petrified Forest National Park), auf der griechischen Insel Lesbos oder auf Unga Island (Alaska), wo in vulkanischen Ablagerungen Kieselhölzer von bis zu 15 Meter Länge entdeckt wurden. Die ersten versteinerten Wälder entstammen erdgeschichtlich dem Karbon und Devon, sind also bis zu 360 Millionen Jahre alt.

Beispiele solcher Fossilien verschiedener Baumarten aus der Sammlung Ulrich Dernbach (Heppenheim) zeigt das Mineralogische Museum noch bis 4. März 2001. Die Exponate aus unterschiedlichen Erdteilen und Erdzeitaltern faszinieren durch ihre Farben wie durch ihre Versteinerungsgeschichte.

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Christoph Loos im Schloss: Holzschnitte und Holzskulpturen

Holzschnitte und Holzskulpturen von Christoph Loos präsentiert das Marburger Universitätsmuseum vom 15. Oktober bis 10. Dezember in einer Ausstellung im Landgrafenschloss (Kleiner Rittersaal).

Holz als Naturprodukt hat die Menschen schon immer fasziniert. Loos versucht, die Eigenarten dieses nachwachsenden Rohstoffes in seine künstlerische Arbeit einfließen zu lassen. "Der Baumstamm", so Museumsdirektor Dr. Jürgen Wittstock, "wird zerlegt, geschält – übertragen gesagt: seziert. Er dient als Druckstock und zugleich als Druckfläche, und damit gewinnt der Holzschnitt eine ganz neue Dimension als künstlerisches Ausdrucksmittel." Für die Skulpturen von Christoph Loos wiederum gilt, "dass der Werkstoff Holz auch nach seiner Verarbeitung, nach der Herausnahme aus dem natürlichen Lebenszusammenhang, weiterlebt. Er speichert Wasser und gibt es wieder ab, er dient kleinen Lebewesen wie Würmern und Pilzen als Nahrung." Loos siedelt seine Kunst in einer Nische der Natur an, gliedert sie ihr ein: "Sie ist nicht ein aus der Natur herausgerissenes Menschenwerk, sondern Menschenwerk, das sich in und mit der Natur vollzieht."

Neue Werke des Künstlers sind aktuell in Reutlingen, Marburg und Iserlohn zu sehen, wobei Loos für jeden Ort ein eigenes Konzept entwickelt hat.

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Die Haut im medizinischen und kulturgeschichtlichen Kontext

Ausstellung1
Haut-Ausstellung: Die Heilige Elisabeth wäscht einen Aussätzigen
Foto: Dettmering
Die menschliche Haut ist eine lebensnotwendige, komplexe und vielschichtige Struktur. Sie erfüllt verschiedene Funktionen als ein Organ und prägt den Menschen darüber hinaus in seinem Erscheinungsbild und in seiner Identität. Die Haut stellt einen entscheidenden Schutz gegen das Eindringen von Mikroorganismen und gegenüber chemischen und physikalischen Schadstoffen dar und verhindert einen unkontrollierten Wasserverlust an der Körperoberfläche. Sie ist an der Regulation der Körpertemperatur beteiligt, und sie ist Teil des Immunsystems. Über die Haut können elementare Reize und Empfindungen wahrgenommen und verarbeitet, aber auch Informationen weitergegeben werden.

Eine Ausstellung in der Universitätsbibliothek, konzipiert von Privatdozentin Dr. Hannelore Mittag, will nicht nur die medizinisch-biologische Rolle der Haut anhand ihrer Struktur, ihrer Funktionen und Veränderungen veranschaulichen und Methoden der Befunderhebung und deren Dokumentation zeigen. Die Marburger Dermatologin beleuchtet zugleich die gesellschaftlich-kulturelle Bedeutung der Haut, wie sie im Schrifttum, in Kunstwerken sowie Zeugnissen und Selbstzeugnissen von Künstlern und Denkern aus allen Epochen zum Ausdruck kommt. Die Ausstellung läuft vom 13. Dezember bis 28. Januar.

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Die "Launen" des Goya

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Die Caprichos sollten zunächst als Folge von "Träumen" erscheinen. Als Titelblatt vorgesehen war das berühmte Blatt Nr. 43 "Der Schlaf der Vernunft bringt Ungeheuer hervor", das den träumenden Künstler von Nachtgespenstern umgeben zeigt.
Fotos: Bildarchiv Foto Marburg
"Der Schlaf der Vernunft" heißt eine Ausstellung mit Originalradierungen Francisco de Goyas im Universitätsmuseum für bildende Kunst. Sie umfasst mehr als die Hälfte der berühmten Caprichos ("Launen") und sämtliche Radierungen der Desastres de la Guerra ("Schrecken des Krieges").

Die Zeitgenossen verstanden die Caprichos als direkte Satire und vergnügten sich an dem Gesellschaftsspiel, angeblich portraitierte Personen zu identifizieren. Goya hat dagegen immer bestritten, dass er persönliche Angriffe im Sinn hatte. Der relativ abstrakte Stil, der von zeitgebundenen Zügen absieht, macht die Radierungen jedenfalls auch heute noch interessant.

Ausstellung4In einer Verkaufsanzeige in einer Madrider Zeitung von 1799 schreibt Goya: "... unter den Vorurteilen und gemeinen Betrügereien, die durch die Sitten, durch Unwissenheit oder Interessen sanktioniert sind, hat er die ausgesucht, die er für am geeignetsten erachtete, um Material für den Spott zu bieten und zugleich die Phantasie des Künstlers anzuregen." Die Caprichos entstanden zu einer Zeit, als der Hexenglaube noch nicht gebrochen war, und der größte Teil der Marburger Exponate besteht aus einer fantastischen Welt mit Hexen, Kobolden und Ungeheuern. Zu Goyas Lebzeiten wurde nur eine Ausgabe der Caprichos gedruckt. In einem Brief aus dem Jahre 1825 deutet er an, dass die Inquisition den Verkauf behindert habe.

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Selbstbildnis des 51-jährigen Goyas "übel gelaunt und mit spöttischer Miene"
Im Unterschied zu den Caprichos sind die Desastres de la Guerra erst nach seinem Tode veröffentlicht worden. Goyas Position war heikel. Er war Hofmaler am Bourbonenhof gewesen, hatte dann aber 1808 dem Franzosen Joseph – Napoleon hatte seinen Bruder als König in Spanien eingesetzt – "Liebe und Gehorsam" geschworen. Goya gehörte also einerseits zu dem kleinen Kreis der Kollaborateure, spendete jedoch andererseits für die Sache der spanischen Rebellen. Als 62-jähriger setzte er sich mitten in den Kriegswirren den Strapazen einer Reise nach Zaragoza aus, in deren Folge er die Desastres-Radierungen ausarbeitete. Yo lo vi – "ich habe es selbst gesehen", hat er völlig zu Recht unter eine Arbeit gesetzt. Wie kein Künstler vor ihm hat Goya das Elend des Krieges aus der Perspektive der Kämpfer dargestellt. Die Ausstellung zeigt die gesamte Serie der "Schrecken des Krieges" in der Fassung der 1. Auflage von 1863.

Zu verdanken ist das Ereignis dem spanischen Kunsthistoriker Mario Terés, der schon mehrfach hochkarätige Kunst seiner Heimat nach Marburg gebracht hat. "Der Schlaf der Vernunft" im Universitätsmuseum für bildende Kunst, Biegenstraße 11, dauert vom 19. November bis zum 18. Februar 2001. Aus diesem Anlass erscheint ein spanisch-deutscher Katalog mit Abbildungen aller Exponate. Parallel dazu wird am 5. Dezember die Ausstellung "Paraphrasen der Gewalt – Bilder zu Goya" im Foyer des Museums eröffnet, die Arbeiten von Studierenden des Instituts für Graphik und Malerei zeigt.

utz


Zuletzt aktualisiert: 14.12.2007 · trautmas

 
 
 
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