Das Corpus der Minoischen und Mykenischen Siegel (CMS) feiert sein
50jähriges Bestehen
Seit 50 Jahren ist das Corpus der Minoischen und Mykenischen Siegel (CMS), ein Forschungsprojekt der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, in Marburg ansässig. 1958 von Friedrich Matz, Ordinarius für Klassische Archäologie an der Philipps-Universität gegründet, publiziert das CMS sämtliche Gemmen und Siegelringe des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr. aus dem Raum der Ägäis in einem bisher 32bändigen Werk. Die szenischen Siegel-Darstellungen von Menschen und Tieren aus dem alltäglichen und kultischen Leben sind von größter Bedeutung für die Erforschung der Geschichte und Kunst der ersten europäischen Hochkulturen. Die Archive des CMS, die über 9.000 Abdrücke von Siegeln aus den wichtigsten Museen der Welt enthalten, sind die auf der Welt einzige Institution zur Erforschung der bronzezeitlichen Glyptik. In einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützten Zusammenarbeit mit ‚Arachne, Objektdatenbank des Forschungsarchivs für Antike Plastik, Köln und des Deutschen Archäologischen Instituts’ sollen bis 2009 insgesamt 45.000 Abbildungen und Textdaten über die Siegel für wissenschaftliche Abfragen im Internet zur Verfügung gestellt werden.
Das Jubiläum wird mit drei von Dr. Walter Müller, dem Leiter des CMS, initiierten und organisierten Veranstaltungen in Verbindung mit der Philipps-Universität feierlich begangen. Dreißig Wissenschaftler aus zehn Nationen sind der Einladung zu einem von der Fritz Thyssen Stiftung geförderten Symposium über „Die Bedeutung der minoischen und mykenischen Glyptik“ gefolgt, das vom 9. bis 12. 10. im Ernst von Hülsen Haus veranstaltet wird. Am 9. 10. wird das Jubliäum mit einem Festakt im Fürstensaal des Schlosses gewürdigt, zu dem der Präsident der Philipps Universität, Vertreter der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, des hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst sowie des Fachbereiches Geschichte und Kulturwissenschaften die Grußworte sprechen werden. Die Festvorträge halten Prof. Dr. Dr. h.c. Wolf-Dietrich Niemeier, Athen und Prof. Dr. Dr. h.c. Ingo Pini, Marburg.
Am Freitag, den 10.10. findet ein öffentlicher Vortrag über „Siegel, Götter und Heiligtümer“ statt. Professor Niemeier, erster Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Athen, wird über Darstellungen aus der noch immer geheimnisvollen minoischen und mykenischen Religion referieren, insbesondere auf goldenen Siegelringen. Als Ausgräber in Milet und Kalapodi in Mittelgriechenland wird er auch über neueste Erkenntnisse aus griechischen Heiligtümern berichten. Der Vortrag in der Alten Aula der Universität, Lahntor 3, beginnt um 20 Uhr und soll besonders das an der Archäologie Kretas und Mykenes interessierte Marburger Publikum ansprechen.
Kontakt:
Schwanallee 19
D-35037 Marburg
Tel.: 06421-25817
Fax.: 06421-210 798
Leiter der Arbeitsstelle:
Dr. Walter Müller e-mail: wmueller@staff.uni-marburg.de
Mitarbeiter:
em. Prof. Dr. Dr. h.c. Ingo Pini e-mail: pini@staff.uni-marburg.de
CMS V Supp. 1B Nr. 135
Siegelring aus Gold
Stierspiel mit zwei Springern
Aus dem Tholosgrab von Anthia/Messenien
Späthelladisch IIIA1 (1390-1360 v. Chr.)
CMS I Nr. 224
Lentoid aus rotem Jaspis mit Goldfassung
Zwei Männer fesseln einen Löwen
Aus dem Tholosgrab von Vaphio/Lakonien
Späthelladisch IIA (1500-1440 v. Chr.)
CMS VII Nr. 123
Lentoid aus Lapis Lakedaimonius
Mischwesen: Vorderteile von Ziege und Rind, kombiniert mit den Beinen
eines Mannes
Aus Kreta
Spätminoisch II-IIIA1 (1440-1360 v. Chr.)
CMS II,2 Nr. 316d
Eine von vier Siegelflächen eines Prismas aus schwarzgrünem
Jaspis
Minoische Hieroglyphen
Aus Kreta
Mittelminoisch II (1800-1650 v. Chr.)

