25.09.2026 NS-Opfer, Menschenrechte und Demokratie.

Zeithistorikerin Ulrika Mientus erhält Promotionspreis der Universität

Foto: Christian Stein
Promotionspreisträgerin Dr. Ulrika Mientus (Mitte) zusammen mit Uni-Vizepräsidentin Prof. Sabine Pankuweit (rechts) und Betreuer Prof. Eckart Conze bei der Preisverleihung
Foto: Christian Stein
Foto: Christian Stein

Mit den Anerkennungskämpfen von Opfern der nationalsozialistischen Zwangssterilisationen und der "Euthanasie" nach 1945 hat sich die Zeithistorikerin Dr. Ulrika Mientus in ihrer Dissertation beschäftigt. Dafür hat sie jetzt den Promotionspreis der Philipps-Universität erhalten. Uni-Vizepräsidentin Prof. Sabine Pankuweit überreichte den Preis im Rahmen einer Feierstunde in der Alten Aula. Sie hob dabei insbesondere den innovativen Charakter der Dissertation und ihre aktuelle Relevanz heraus. Das Promotionsprojekt war am Fachbereich 06 angesiedelt und wurde von Prof. Eckart Conze betreut.
Der Deutsche Bundestag hat die Opfer der NS-Zwangssterilisationen erst 2025 als Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft anerkannt - 80 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur. Ulrika Mientus untersucht in ihrer Studie die jahrzehntelangen erfolglosen Bemühungen von Zwangssterilisierten und „Euthanasie“-Geschädigten um Anerkennung und Entschädigung in der Bundesrepublik und zeigt, wie ihre Erfahrungen und Forderungen nach 1945 gedeutet und abgewehrt wurden.

Anhand umfangreicher Quellen und der Perspektiven der Betroffenen macht sie deutlich, dass insbesondere Medizin, Psychiatrie und Ministerialbürokratie die Forderungen der NS-Opfer zurückwiesen und wie das NS-Konzept der „Erbkrankheit“ in die Nachkriegsgesellschaft fortwirkte. Ihre Studie zeige, so Ulrika Mientus, "wie umkämpft die Anerkennung dieser Menschen als Träger*innen von Menschenrechten war und welche Grenzen das demokratische und menschenrechtliche Selbstverständnis der frühen Bundesrepublik hatte". Für Prof. Conze stellt die Arbeit einen bedeutenden Forschungsbeitrag dar, der empirisch dicht die Wirkungsgeschichte des Nationalsozialismus nach 1945 in einen weiteren demokratie- und menschenrechtsgeschichtlichen Rahmen stelle. "Das ist eine großartige Leistung", so Conze.


Die Studie von Ulrika Mientus ist mittlerweile unter dem Titel "Missachtete Menschenrechte. Opferverbände und die Legitimation eugenischer Gewalt" als Buch im Campus-Verlag erschienen.