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Verstehen, Relevanzsetzung und Wissen in Gesprächen der Schwangerenberatung und der Geburtshilfe

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Das Projekt "Verstehen, Relevanzsetzung und Wissen in Gesprächen der Schwangerenberatung und der Geburtshilfe" läuft seit 2017 unter der Leitung von Prof. Kati Hannken-Illjes (AG Sprechwissenschaft) und Dr. Siegmund Köhler (Geburtshilfe, Universitätsklinikum Gießen und Marburg).

In diesem Projekt wird anhand von natürlichen Gesprächsdaten untersucht, wie in geburtsvorbereitenden Gesprächen zwischen Hebammen und/oder Ärzten und Schwangeren Verstehen und Relevanz hergestellt wird.

Geburtshilfliche Arzt-Patienten- oder auch Hebammen-Patienten-Gespräche sind Experten-Laien-Gespräche, d.h. es besteht eine Wissensasymmetrie zwischen den Teilnehmer/innen. Die Schwangeren kommen im letzten Trimester der Schwangerschaft ins Krankenhaus, um sich für die Geburt anzumelden. In der Regel kennen sich Hebamme/Arzt/Ärtzin und Schwangere noch nicht. Dadurch besteht die Wissensasymmetrie in zwei Richtungen, wenn auch in unterschiedlicher Art: Der Arzt/die Hebamme/Ärztin weiß nicht und will wissen, wie die Schwangerschaft verlaufen ist, und die Schwangere erfährt, was sie in Bezug auf die Geburt zu erwarten hat.

Anlass für das Projekt ist, dass Ärzte und Hebammen immer wieder feststellen, dass Informationen nicht behalten, nicht verstanden oder nicht als relevant eingeordnet werden. Dies ist in (mindestens) ethischer und juristischer Hinsicht problematisch: Eine Patientin kann nur dann eine informierte Einwilligung geben, wenn sie die relevanten Inhalten verstanden und auch in ihrer Relevanz eingeordnet hat. Ziel des vorliegenden Projektes ist es zu untersuchen, was Schwangere aus einer Beratung und Aufklärung zur Geburt "mitnehmen". Die zentrale Fragestellung ist dabei, durch welche kommunikativen Verfahren in den Gesprächen zum einen Verstehen signalisiert und zum anderen etabliert wird, was wichtig und was unwichtig ist.

In den zwei Erhebungszeiträumen (2017 und 2018) wurden insgesamt 37 Gespräche zwischen Hebammen und/oder Ärzten und Schwangeren (und teilweise Begleitpersonen) mittels Videoaufnahmen aufgezeichnet. Diese Daten werden nach GAT-2-Konventionen transkribiert und mittels ethnomethodologischer Gesprächsanalyse hinsichtlich verbaler sowie para- und extraverbaler Parameter analysiert. Teilweise werden auch Daten aus leitfadengestützten Interviews verwendet, welche nach den Gesprächen mit den Schwangeren geführt wurden.

Die Ergebnisse des Projekts werden zur Entwicklung eines Gesprächstrainingsprogramms für die zuständigen Ärzte und Hebammen des Universitätsklinikums Gießen und Marburg herangezogen.

Projektbezogene Publikationen

Völker, Ina (2020). Kommunikative Beteiligung von Partnern in der Schwangerenberatung. Zeitschrift für Angewandte Linguistik 73, 269-300.

Hannken-Illjes, Kati; Buyten, Djuna; Honegger, Sara; Horst, Leonie; Jander, Nora; Völker, Ina (2020). Schwangere beraten. DGSS aktuell 1, 4-12.

Projektbezogene Abschlussarbeiten

Buyten, Djuna (2017): Die translokale Entwicklung von Themen in der Schwangerenberatung.
Horst, Leonie (2018): Verstehen und Relevanz in routinisierten Beratungsgesprächen zwischen Hebammen und Schwangeren.
Honegger, Sara (2018): Erzählen in der Schwangerenberatung.
Jander, Nora (2019): Formen von Gesprächseinstiegen in der Schwangerenberatung.
Völker, Ina (2019): Kommunikative Beteiligung von Partnern in der Schwangerenberatung.
Schröder, Katherine (2020): Funktionen redebegleitenden Lachens und Lächelns in Erstgesprächen der Schwangerenberatung
Kleschatzky, Elisabeth (2020): Argumentieren und epistemischer Status in Gesprächen der Schwangerenberatung

Laufende Promotionsprojekte

Honegger, Sara: Erzählen und Relevanzsetzung in der Schwangerenberatung.
Völker, Ina: Themeninitiierung in der Schwangerenberatung

Leitung

Prof. Dr. Kati Hannken-Illjes
Dr. Siegmund Köhler

Assoziierte Wissenschaftler/innen

Tanja Giessler unterstützt das Projekt im Bereich syntaktische Analyse.