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Eine Entscheidung für's Studium – Transkript
Studieren in Marburg – Dein Uni Marburg Podcast | Staffel 1 – Folge 2 – April 2024
Inhalt
- Intro
- Wenn du schon weißt, was du werden willst
- Nach der Schule erstmal umschauen
- Über Umwege zum Hochschulzugang
- Über den Tellerrand hinausschauen
- Ängste am Anfang sind normal
- Outro
1. Intro
Kathi:
(Musik) Hey! Ihr hört „Studieren in Marburg – Dein Uni Marburg Podcast“, in dem Studierende der Uni Marburg vom Studieren in Marburg erzählen. (Musik blendet langsam aus) Heute sprechen wir über das Thema „Studienentscheidung“. Wie kann ich ein Studienfach oder einen Studiengang finden, der zu mir passt? Welche Rolle spielt mein Schulabschluss dabei? Und was ist, wenn ich merke, dass das Studium doch nichts für mich ist?
Darüber erzählen euch Roman, Lena, Moritz, Tatiana und Jan. Die fünf studieren an der Uni Marburg und haben ganz unterschiedliche Wege ins Studium genommen.
Und ich? Bin Kathi. Ich habe mich damals für den Bachelor „Sprache und Kommunikation“ entschieden und arbeite mittlerweile an der Uni Marburg. Fun Fact: Das einzige, was ich nach dem Abi wusste, war, dass ich auf keinen Fall Lehrerin werden will. Bei Roman ist das komplette Gegenteil der Fall.
2. Wenn du schon weißt, was du werden willst
Roman:
Das ist, glaub ich, eine etwas langweiligere Geschichte als erwartet. Also in der sechsten Klasse im Ethikunterricht hatte ich das Glück gehabt, dass bei dem Spiel, was unser Lehrer gespielt hat – also der hat irgendwann mal gesagt „Wir spielen jetzt ein Spiel, nennt eine Zahl von 1 bis 10, und wer am nächsten an der Zahl, an die ich denke, dran ist, darf die nächste Stunde durchführen“. Ich hatte dann Glück gehabt, ich habe das Spiel gewonnen und durfte die Stunde durchführen. Und das war so mein erster Berührungspunkt. Es hat mir wirklich mega viel Spaß gemacht, diesen Unterricht vorzubereiten. Zu dem Zeitpunkt war mir aber noch nicht klar, dass ich Lehrer werden will. Einfach auch, weil ich Schule nicht mochte. Eigentlich mag ich Schule auch immer noch nicht (lacht).
Ein Jahr später habe ich mit einem Kumpel geredet und der Kumpel hat irgendwann gesagt, dass er versucht, Lehrer zu werden und da war’s so „Ah! Man kann ja Lehrer werden, stimmt“. Dann habe ich darüber nachgedacht: „Ich habe ja letztes Jahr im Ethikunterricht diese Stunde gehalten. Das hat irgendwie Spaß gemacht“. Also dieser Samen wurde gesät: „Okay, da könnte was sein.“
Dann, wieder ein Jahr später, habe ich angefangen, mich in der Schule in Englisch anzustrengen, weil bis zu dem Zeitpunkt war ich in Englisch nicht gut. Und dann habe ich mich aber, weil ich Bücher auf Englisch gelesen und Serien auf Englisch geguckt habe, irgendwann Ende der siebten Klasse mit Englisch selbst beschäftigt. Und da ist mir aufgefallen: Englisch ist eigentlich voll die coole Sprache. Mir macht das voll viel Spaß, mich mit Englisch auseinanderzusetzen. Und dann war da diese Realisation: „Das kann doch nicht wahr sein! Ich lerne jetzt schon seit Jahren Englisch. Ich bin in Englisch nie gut gewesen. Ich mochte Englisch eigentlich nie. Und jetzt, wo ich mich mit Englisch selbst beschäftige, merke ich eigentlich, wie toll die Sprache ist, wie viel Spaß es macht“. Und das war dann für mich so: „Ganz ehrlich – ich mache selbst. Ich will selbst irgendwie den Schüler*innen zeigen, wie toll die Sprache ist. Ich will dafür sorgen, dass sie auch Spaß an der Sprache haben. Ich will Lehrer werden, um die Freude, die ich an dieser Sprache gerade entdeckt habe, zu teilen. Um zu zeigen: Ey, das muss nicht so langweilig sein, das muss nicht so forciert sein, dieses Sprachenlernen“. So bin ich dann dazu gekommen. Das war eine absolute Trotzreaktion (lacht), einfach, weil mir das System nicht gefällt oder zumindest, wie unterrichtet wird. Und ich, wenn ich Lehrer bin, sich das System ein bisschen geändert hat, aber ich auch selbst dazu beitragen kann und darauf habe Lust. Und jetzt bin ich halt hier – am Lehramt studieren!
Kathi (im Interview mit Roman):
Das ist eine total tolle Geschichte! (lacht) Ich weiß gar nicht, warum du das langweilig findest!
3. Nach der Schule erstmal umschauen
Kathi:
Ich finde es ziemlich beeindruckend, dass Roman so genau wusste, dass er mal Lehrer werden will. Das ist längt nicht bei allen so. Genau wie ich haben Lena und Moritz sich nach dem Abi Zeit genommen, um darüber nachzudenken, was das richtige sie sein könnte.
Lena:
Ich habe 2016 mein Abi gemacht und konnte mir da erst mal gar nicht vorstellen, irgendwie zu studieren oder eine Ausbildung zu machen. Ich hatte dadurch, dass ich relativ früh fertig war mit der Schule durch G8, eigentlich auf nichts so richtig Lust, irgendwie. Zumindest nichts, was mit Lernen zu tun hatte. Und dann habe ich erstmal ein FSJ gemacht an der Nordsee in so einem Ferien- und Gästebetrieb. Ich habe so in der Zeit gemerkt „Okay, 40 Stunden die Woche arbeiten will ich noch nicht!“ Habe dann gesagt „Gut, dann vielleicht doch eher ein Studium“. Konnte mir aber nicht so richtig vorstellen, was genau, weil ich mich irgendwie noch nicht im Beruf gesehen habe. Dann haben meine Eltern irgendwann gesagt: „Guck doch einfach nach Interessen, was du spannend findest, wähle das danach aus – ohne zu gucken: Kann man damit Geld verdienen, kann man damit viele verschiedene Berufe machen.“
Moritz:
Nach dem Abitur – ich habe 2020 mein Abitur gemacht, also genau der Corona-Jahrgang – stand ich erstmal da mit meinem Abitur und war so der klassische Fall von „Ich weiß jetzt noch nicht genau, was ich machen möchte“. Also ich war mir überhaupt nicht sicher, ob ich studieren will, was ich studieren will und wusste aber immer, dass Lehramt eine Option für mich ist, weil ich schon viel mit Kindern gearbeitet habe. Habe dann aber auch gehört, dass bei Lehramt die Abbruchquote relativ hoch ist und wollte auf jeden Fall sichergehen, dass es wirklich was für mich ist und habe dann noch ein halbes Jahr an der Schule gearbeitet, um abzuchecken, ob das wirklich die Arbeit mit Kindern ist, die mich interessiert und ob ich das aushalte mit Kindern. Ob mich das so sehr reizt, dass ich da wirklich arbeiten will später. Dann habe ich ein halbes Jahr an der Schule gearbeitet und es hat mir großen Spaß gemacht. Ich konnte Kinderbetreuung machen und durfte mal bei Vertretungsstunden reinschnuppern und vielleicht auch mal ein bisschen was selbst übernehmen.
Lena:
Also ich habe mich schon früh oder lange für Phänomene wie Rassismus, Extremismus, Aktivismus interessiert. Woher kommt das eigentlich? Was bewegt Menschen dazu? Welche Folgen hat das? Auch soziales Verhalten, soziales Zusammenleben von Menschen fand ich faszinierend und spannend.
Moritz:
Dann war zumindest der Entschluss gefasst, dieses Studium zu machen. Und dann war die Überlegung: Wo geh ich denn hin? Wo mache ich das jetzt? Ich wusste, dass ich wegziehen will, weil ich so dieses ganze Studentenleben schon mitnehmen wollte. In einer WG zu wohnen und viele neue Leute kennenlernen, aber sich irgendwie auch mal so reinwerfen in eine neue Stadt. Ich wusste aber auch, dass so eine richtige Großstadt – Köln oder so, vielleicht mit einer Million Einwohnern – mich wahrscheinlich erstmal überfordern würde. Hat bestimmt auch seinen Reiz, aber ich dachte, zum Studieren möchte ich irgendwie einen etwas kleineren Raum haben und nicht so die große Überforderung wie in der Großstadt. Dann hat sich alleine dadurch Marburg angeboten. Für mich kommt noch dazu, dass die Entfernung eigentlich ziemlich gut ist, weil ich mit Zug ungefähr zwei, zweieinhalb Stunden von hier weg wohne. Also für mich war es genau der Kompromiss zwischen Wegziehen und immer noch irgendwie in Reichweite sein.
Lena:
Ich wollte gerne in Hessen studieren, weil es nicht ganz so weit weg ist von meiner Family. Und dann kamen irgendwie Gießen, Marburg und Frankfurt in Frage. Dann habe ich mir einfach Studiengänge von den Unis durchgelesen, was es so gibt. Bin dann bei Soziologie hängengeblieben. Das gab es bei allen drei Unis. Marburg ist es letzten Endes geworden, weil mir die Stadt gut gefallen hat: Ich finde, sie hat viel Charakter, ist eine schöne Stadt, historische Stadt. Und mein Opa hat hier auch studiert und meine Großeltern haben sich hier kennengelernt. Dadurch hatte ich auch so ein bisschen Bezug irgendwie zumindest dazu.
4. Über Umwege zum Hochschulzugang
Kathi:
Roman, Lena und Moritz haben mit ihrem Abitur die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung erhalten. Die berechtigt dazu, alle Studiengänge zu studieren, die an der Uni Marburg angeboten werden. Das kann anders sein, wenn man zum Beispiel kein Abitur hat oder einen ausländischen Schulabschluss hat. So war es bei Tatiana und Jan.
Tatiana:
Vielleicht sollte man am besten damit anfangen, dass ich aus dem Ausland komme, aus dem Fernen Osten, aus einer Region an der Grenze zur Mongolei und ich bin selbst Mongolin. Dort habe ich Deutsch gelernt. Während der Schulzeit war ich zweimal in Deutschland: In der achten und dann in der zehnten Klasse. Da habe ich in Gastfamilien gewohnt und auch das Gymnasium besucht. Da habe ich mir schon erste Gedanken dazu gemacht, ob ich in Deutschland studieren möchte oder nicht. Also das war eine deutsche Sprachdiplomschule im Ausland, beziehungsweise in Russland und wir haben ein tolles Betreuungsprogramm, ziemlich viele Angebote, was das Studium nach dem Abitur angeht. Während dem Abiturjahr habe ich Aufnahmeprüfungen geschrieben und wir durften zwei Städte auswählen für einen Vorbereitungskurs. Also nicht sofort für ein Studium an der Universität, sondern einen Vorbereitungskurs – das sogenannte Studienkolleg. Ich habe Marburg ausgewählt, weil ich wusste, dass in dieser Stadt ein paar Bekannte von mir vor Ort sind und noch Darmstadt. Dann kam eine Zusage aus Marburg, deshalb bin ich nach Marburg umgezogen.
Jan:
Ich habe den Realschulabschluss ursprünglich gemacht und war dann erstmal mit 15, 16 Jahren auf diesen Arbeitsmarkt ausgespuckt, wo ich dachte: „Was mache ich jetzt?!“ (lacht). Habe mir dann Freiwilligendienste angeschaut, verschiedene. Ich war im Kindergarten ein Jahr, ich war auch ein Jahr bei der Bundeswehr, einfach, weil ich überhaupt nicht wusste, wo ich hinsoll. Und dort habe ich tatsächlich viele – (lacht) das klingt jetzt vielleicht echt doof – ich habe da viele Menschen kennengelernt, die Abitur hatten, wo ich dachte: „Wie hast du das Abitur geschafft?“ und „Wenn du das schaffst, dann kann ich das auch schaffen!“ Und dann habe ich eben durch die Erfahrung im Freiwilligendienst, im Kindergarten gemerkt: Dieses Arbeiten mit Menschen, das liegt mir irgendwo, auch wenn es vielleicht nicht die Kinder sind, mit denen ich gerne arbeiten würde. Aber dieses pädagogische Arbeiten. Und deswegen habe ich dann eine Ausbildung zum Sozialassistenten gemacht mit Fachhochschulreife. Damit habe ich mich dann hier in Marburg beworben und tatsächlich auch nur in Marburg, weil mir alles andere eh zu viel war. Ich habe von Marburg gute Dinge gehört aus meinem Umfeld: Marburg ist eine coole Stadt, da sind coole Leute, da ist eine coole Szene. Und dann dachte ich: Okay, dann schaue ich mir die Webseite von dem vom Fach an, was dieser Studiengang ist, um was es da geht und dann fand ich das passend. Da war so alles mit dabei, so ein bisschen Politik, Philosophie, Soziologie, Erziehung, Bildung und das sind so die Themen, die mich interessieren. Und wenn mir das zusagt, dann gehe ich da hin, egal ob es klappt oder nicht, weil dann hätte ich es danach noch mal versucht, hatte ja schon eine Ausbildung, ich hätte auch arbeiten können. Und ja, dann habe ich mich da beworben und es hat geklappt und ich bin hierhergezogen. Also ganz einfach (lacht).
5. Über den Tellerrand hinausschauen
Kathi:
Mir hat mein Studiengang von Anfang an ziemlich gut gefallen und ich habe nie darüber nachgedacht, meinen Studiengang zu wechseln. Das ist aber längst nicht immer so. Manchmal merkt man nach ein paar Wochen, Monaten oder Semestern: „Irgendwie passt das hier doch nicht so gut“ oder „Das andere Studienfach ist ja total spannend!“
Tatiana:
Im Abiturjahr habe ich ausgewählt zwischen zwei Fachrichtungen, beziehungsweise Kursen für das Studienkolleg – also G-Kurs oder W-Kurs. W-Kurs steht für den wirtschaftlichen Kurs. Ich wollte eigentlich den W-Kurs auswählen und mich bewerben dafür. Aber ich hatte damals das Gefühl, dass ich nicht so gut Mathe schaffe und ich wollte unbedingt nach Deutschland kommen. Deshalb dachte ich okay, ich wähle etwas in der geisteswissenschaftlichen Richtung, damit ich danach, nach dem G-Kurs, in die wirtschaftliche Richtung gehen kann. Ich habe den Studiengang Soziologie gefunden, weil es für mich etwas war, was alles beinhaltet irgendwie. Wirtschaft, Psychologie, Politik, Geschichte und so weiter und so fort. Und damals wollte ich etwas Interdisziplinäres studieren, damit ich viele Möglichkeiten habe, beziehungsweise auswählen kann, weil ich damals nicht wusste, was ich genau möchte. Deshalb war es für mich damals die wahrscheinlich optimale Entscheidung.
Nach vielleicht einem Jahr habe ich bemerkt, dass es zu theoretisch für mich ist, beziehungsweise, dass ich damit nicht so viel anfangen kann. Ich habe wenige Berufsmöglichkeiten für mich gesehen und weniger Auswahl, was in Richtung Wirtschaft geht, was mich interessiert. Aber ich habe den Studiengang irgendwie nicht gewechselt. Ich dachte: „Okay, wenn ich das angefangen habe, sollte man das weitermachen, weil ich weiß, dass man von einem Studium nicht erwarten kann, dass alles perfekt läuft“. Während diesen zwei Jahren war ich Mitglied in der studentischen Unternehmensberatung. Ich habe Importmodule besucht: Wirtschaft, Arbeit und Geschlecht und auch BWL-Module. Und dann dachte ich: „Okay, ich möchte schon eher in diese Richtung gehen!“
Moritz:
Im fünften Semester studiere ich jetzt Lehramt Deutsch und Sport für‘s Gymnasium und ich habe relativ früh nach dem ersten Semester einen Job bekommen und arbeite seit zwei Jahren für einen Professor im Bereich Neuere deutsche Literatur. (Lacht) Das klingt relativ langweilig, Neuere deutsche Literatur, aber das meint Literatur nach dem Mittelalter bis heute und bis heute heißt, dass dazu auch zum Beispiel Rap oder Popmusik gehört. Was für mich irgendwie – weil ich relativ musikalisch bin oder interessiert zumindest in dem Bereich – lässt sich das total gut verknüpfen mit Literatur, weil zum Beispiel Deutschrap quasi auch Lyrik ist, die man analysieren kann und was man irgendwie untersuchen kann. Und ich glaube, der Grund, warum ich dann noch ein anderes Studium angefangen habe, war ein Seminar mit der Musikwissenschaft zusammen aus dem anderen Studiengang, den ich jetzt angefangen habe. Da haben wir als „Literaturwissenschaftler“ uns mit den Musikwissenschaftlern zusammengesetzt, ein ganzes Wochenende in so einem Tagungsschloss in Gießen und haben Lieder analysiert. Und das waren eben dann auch viele moderne Lieder. Also ich glaube, wir haben sogar Apache analysiert und das war irgendwie total fruchtbar und da lässt sich viel machen, weil man untersuchen kann: „Was machen Lieder eigentlich so mit einem?“ Lieder sind ja zum Beispiel in den sozialen Medien, auf Instagram oder so, extrem präsent und sich der ganzen Sache zu nähern auf einer wissenschaftlichen Ebene, den Text betrachten und dann auch die Musik – das hat sich super ergänzt. Und dann habe ich mir gedacht, dass es schon irgendwie – auf der wissenschaftlichen Ebene – ist es schon das, was mich am meisten reizt, die Kombination von Musikwissenschaft und Literaturwissenschaft. Dann habe ich überlegt und habe mich ein bisschen beraten lassen am Fachbereich, was man da machen kann. Und ich habe überlegt, ich würde ganz gerne so ein bisschen das Handwerk von der Musikwissenschaft lernen, um das irgendwie auch anwenden zu können und verknüpfen zu können mit der Literaturwissenschaft. Und habe mich dann entschieden, zum Wintersemester ein Studium in Kunst, Musik, Medien anzufangen und da vor allem diesen Musik-Teil dann für mich zu nutzen.
Tatiana:
Nach zwei Jahren wusste ich, dass ich Soziologie nicht studieren möchte, aber ich wusste nicht, was ich stattdessen studieren möchte. Und ich wollte nicht BWL studieren und ich glaube, ich durfte auch nicht alles wechseln und alles auswählen, weil ich habe den G-Kurs absolviert und es gibt eine Zuordnung von Kursen vom Studienkolleg zu Studiengängen und nicht alle Studiengänge waren so gut zugeordnet, dass es zum G-Kurs gepasst hat. Und auch meine Englischkenntnisse waren nicht so besonders hoch. Es war etwas schwierig für mich.
Zu dem Zeitpunkt habe ich schon ein Jahr in der Studienberatung gearbeitet und mit den Kolleginnen habe ich guten Kontakt. Dann habe ich gefragt: „Wie sieht es aus mit der Zuordnung, was kann ich noch studieren?“ Auf der Webseite vom Studienkolleg habe ich schon diese Liste mit Zuordnungen gesehen und da habe ich auch gesehen, dass es Geografie gibt. Ich habe meinen Wunsch geäußert, dass ich etwas mit Wirtschaft studieren möchte und ich vielleicht Geografie als Nebenfach oder als Hauptfach nehmen möchte und Soziologie als Haupt- oder Nebenfach anrechnen lassen möchte. Und sie haben mir vorgeschlagen: „Tatiana, vielleicht hast du schon gesehen: Ein Studiengang, dieser heißt Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Raum. Das kannst du auch studieren mit deinem G-Kurs!“ Und ich war so froh, dass ich das machen konnte. Und jetzt bin ich im Studiengang Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Raum.
Moritz:
Ich will immer noch Lehrer werden und habe total Lust auf den Beruf. Aber ich versuche gleichzeitig, das Studium richtig zu nutzen, weil an der Uni hat man einfach ein wahnsinniges Angebot auch an interdisziplinären Veranstaltungen, wo es sich wirklich lohnt, das mal anzuschauen und vielleicht irgendwo noch mehr einzutauchen. Aber an dem Wunsch, Lehrer zu werden später hat das eigentlich nichts geändert.
6. Ängste am Anfang sind normal
Kathi:
Es kann echt herausfordernd sein, sich im bunten Studienangebot zurechtzufinden und sich dann auch noch zu entscheiden. Da kann es hilfreich sein, sich mit anderen auszutauschen und sich klar zu machen: Ich bin mit dem Gefühl nicht allein! Den meisten hier an der Uni geht oder ging es ganz genauso.
Lena:
Die Hauptamtlichen da, wo ich FSJ gemacht hab – also wie gesagt, das war so ein Ferien-/ Gäste-Betrieb. Viele von den Leuten, die da hauptamtlich gearbeitet haben, haben vorher etwas anderes gemacht, was sie nicht unbedingt zu dem Beruf in diesem Ferien-/Freizeit-Betrieb irgendwie gebracht hätte. Also der Gästebereich wurde zum Beispiel von einem Musiklehrer geleitet, wo man halt denkt: „Also mit Musikstudium hätte man nie gedacht, dass der da irgendwie mal hinkommt“. Oder auch, dass Leute nicht mit ihrem Beruf zufrieden waren und dann einen Neuanfang gewagt haben in einem Feld, was ihnen jetzt nicht so bekannt war. Und dann habe ich gedacht: „Gut, ich kann einfach was ausprobieren. Und selbst, wenn das nichts ist, kann ich mir immer noch andere Wege suchen“. Also es ist nicht so ein fest eingefahrenes Ding und ich finde, es hat Mut gemacht, neue Sachen auszutesten.
Tatiana:
Es hängt sehr davon ab, in welcher Lage man gerade ist. Für mich gab es diese Betreuung von den Lehrenden durch dieses Programm und ich hatte auch Bekannte, die bereits hier in Deutschland studierten. Deshalb war es etwas leichter für mich, es zu entscheiden. Und ich war davor schon in Deutschland. Aber wenn man zum Beispiel Deutsch nicht so lange lernt und dann nicht so viele Bekannte hat, dann würde ich empfehlen, möglichst Kontakte zu knüpfen zu Menschen und auch Fragen zu stellen.
Lena:
Ich würde sagen, es gibt sich mit der Zeit, aber es kann schon herausfordernd sein am Anfang. Aber man groovt sich immer mehr rein und es macht auch Spaß, das zu entdecken. Es macht schon Sinn, dass man aufgeregt ist, weil es einfach eine neue Lebensphase ist, ein neuer Lebensabschnitt. Aber man braucht nicht allzu viel Angst haben. Also es wird irgendwie.
Roman:
Diese Angst, die ich am Anfang hatte, von wegen: „Was ist, wenn mir das Studium nicht gefällt? Was ist, wenn ich merke, das ist nichts für mich und ich den Studiengang abbrechen werde oder mich dazu entscheiden werde, den Studiengang zu wechseln?“ Das war eine große Angst für mich am Anfang. Und je länger ich studiere, desto mehr merke ich: Es ist vollkommen okay, dass man mal sagt, man guckt in einen Bereich rein für ein Semester und wenn es einem gefällt, dann bleibt man – und wenn nicht, dann geht man. Und dass man sich selbst nicht zu sehr fertigmacht deswegen. Dass man nicht so viel Angst haben sollte oder müsste, wenn man sagt, ich möchte etwas anderes studieren oder ich möchte vielleicht doch in eine Ausbildung gehen und dass man da sich selber sagt: „Es passt schon, ich kann auch irgendwie was anderes machen“. Man sollte nicht sich zu sehr stressen und hoffen, dass man auf den ersten Drücker direkt was findet, was einem gefällt.
7. Outro
Kathi:
Wenn du gern mit jemandem über deine Studienentscheidung sprechen möchtest, dann sind meine Kolleg*innen aus der Zentralen Allgemeinen Studienberatung für dich da. Von der Studienberatung hat Tatiana eben erzählt. Du findest die ZAS über die Webseite der Uni Marburg und unten verlinkt.
(Musik) Das war „Studieren in Marburg – Dein Uni Marburg Podcast“, in dem Studierende der Uni Marburg vom Studieren in Marburg erzählen. (Musik blendet langsam aus)