Julian Schrögel
Ich bin Julian und
studiere im fünften Semester B.A. Sozialwissenschaften an der
Philipps-Universität. In einigen Tagen gehe ich im Rahmen des Erasmus
Programms für ein Semester in die Türkei und will dann nach
meiner Rückkehr im Herbst die Abschlussarbeit schreiben.
Als es an der Zeit war sich um einen Studienplatz zu kümmern, hatte ich nur vage Vorstellungen was ich wollte. Ich wollte Soziologie studieren, oder dass, was ich mir so darunter vorgestellt hatte. An Marburg hat mich vor Allem die Friedens- und Konfliktforschung überzeugt, ohne zu wissen was das genau war.
Meine vagen Vorstellungen über ein Studium im Allgemeinen und das Fach im Speziellen wurden im ersten Semester dann aber schneller konkret als mir das lieb war. Die Theorienveranstaltungen forderten mich ab der ersten Woche und daneben gab es natürlich noch eine Anzahl weiterer Seminare in denen es mehr als genug zu tun gab. Ganz nebenbei arrangiert man sich mit den Möglichkeiten, welche ein Leben mit einer ganzen Menge neuer Leute, acht Veranstaltungen pro Woche und einem breiten Angebot an Kneipen eben so bietet.
Diese anfängliche Gelassenheit schlägt hin und wieder in kurzzeitige Panik um, wenn mal wieder irgendetwas an der Studienorganisation nicht klappt, ein Listeneintrag nicht so vorgenommen wurde wie er sollte oder irgendwelche Prüfungsleistungen anders, gar nicht oder doch wieder erbracht werden müssen. Bei solchen und jeglichen anderen Problemen, die hin und wieder mit Sicherheit auftreten, hilft nur eins: Aktiv werden, nachfragen, nicht locker lassen, noch mal nachfragen und sich nicht mit der ersten Antwort zufrieden geben. Ich habe es dann auch bis hierher geschafft.
Um das Ganze hier nicht im falschen Licht erscheinen zu lassen, im Allgemeinen ist die Atmosphäre in der Soziologie in Marburg entspannt und freundlich. Das Wort Prüfungsstress finde ich persönlich ziemlich unpassend, da es das in meinen Augen so nicht gibt. Im Gegensatz zu vielen anderen Studiengängen, werden im B.A. Sozialwissenschaften die meisten Leistungen durch Referate und eigenständig anzufertigende Hausarbeiten erbracht. Also kaum Klausuren. Das sorgt zwar für ein permanent schlechtes Gewissen, zumindest bei mir, weil man natürlich immer noch etwas lesen oder machen könnte/sollte und man das Anfertigen einer Hausarbeit häufig bis zum Schluss vor sich herschiebt, aber das ist mir allemal lieber als auf Klausuren auswendig zu lernen. Der Arbeitsaufwand den man dafür allerdings betreibt oder betreiben muss, ist sicherlich nicht geringer als würde man Klausuren schreiben.
Der Studiengang hier vermittelt einen breiten Überblick über die verschiedenen Teilbereiche der Sozialwissenschaften und es gibt auch eine gewisse Wahlfreiheit, seinen eigenen Interessen nachzugehen. Aber man muss ehrlicher Weise dazu sagen, dass man außer in der Soziologie, nur eine sehr begrenzten Einblick in die anderen Fächer erhält. Da ist dann Motivation gefragt das zusätzlich zu vertiefen und Veranstaltungen zu besuchen, auch wenn diese nicht für den Studiengang notwendigerweise vorgesehen sind.
Das wichtigste was ich an der Stelle noch mal hervorheben will, ist
Eigeninitiative. Damit geht vieles besser und manches wird überhaupt
erst möglich. Abwarten und schauen was passiert, funktioniert entgegen
der verbreiteten Vorstellung von verschulten B.A. Studiengängen,
zumindest im B.A. Sozialwissenschaften in Marburg schlecht bis sehr
schlecht. Aber warum würdest du mit solchen Erwartungen denn auch
Soziologie studieren wollen?

